Der ESC-Sieg ging nach Bulgarien, ein kleiner Teil davon aber auch in die Steiermark oder besser gesagt nach Graz. Denn Josef Loibner, Leiter des Theaterservice Graz hatte die Hauptverantwortung für die Umsetzung des Bühnenbildes inne.
Dass er ausgerechnet die Siegerbühne verantworten durfte, war Zufall. Denn über den Bieterpool des ORF wurde ihm der Auftrag zugeteilt. Die Herausforderung bei einer so besonderen Bühne: Der Wechsel von einem Bühnenbild zum nächsten darf beim ESC maximal 45 Sekunden dauern.
ESC-Set musste komplett auf Rollen gebaut werden
Daher musste das gesamte Bühnenbild auf Rollen gebaut werden. Denn immerhin mussten die Bühnenbilder über eine Rampe aus dem Backstage rund drei Meter höher auf die Bühne verfrachtet werden. Und das alles in kürzester Zeit.
Das galt auch für den Bau. Denn dafür blieb nur das Zeitfenster zwischen dem 3. und 21. April. Daher musste Loibner den tatsächlichen Bau auch an die Partnerfirma Bruckschwaiger GmbH in Langenzersdorf auslagern, da in dem Zeitraum die eigene Produktion bereits voll ausgelastet war. Die Nähe der Partnerfirma zu Wien sollte sich aber gerade bei den Proben als Vorteil herausstellen.
Improvisationsgeist gefragt
Wer in so kurzer Zeit baut, muss viel Improvisationsgeist mitbringen. So etwa bei der Uhr, die das Set schmückte. Eigentlich war hier eine andere, kleinere Uhr angedacht. Als eine größere Uhr gefragt war, schlug Loibner einfach jene aus der Montagehalle in Graz vor. So zog die Uhr kurzerhand um – vor ein Millionenpublikum.
Genau diese Uhr ist es auch, die im Nachklang des ESC noch für einiges an Spekulationen im Netz gesorgt hat. Denn während der Performance der ESC-Siegerin Dara, stand die Uhr auf kurz nach eins. Im Netz fanden sich danach zahlreiche Theorien, warum die Uhr gerade diese Zeit angezeigt hat. Loibner kann dazu nur so viel sagen: „Ich habe die Uhr selbst aufgehängt, aber da stand sie auf halb drei“, sagt er lachend.
ESC-Siegeruhr hängt bald in Graz
Während das restliche Set wiederverwertet oder entsorgt wird, kommt die Uhr selbstverständlich zurück nach Graz – sozusagen als kleine eigene ESC-Trophäe. Ob sie dann wieder in der Montagehalle in Loibners Wohnzimmer oder doch im Büro des Geschäftsführers an der Wand hängen darf, muss erst noch ausgeschnapst werden. „Mir fehlt die Uhr jedenfalls schon, ich weiß in der Montagehalle nie, wie spät es ist“, erzählt Loibner lachend.
Auch wenn er selbst keinen direkten Kontakt zur Siegerin hatte, macht es ihn mächtig stolz mit der Bühne zum ersten ESC-Sieg von Bulgarien beigetragen zu haben. „Das ist natürlich super. Ich habe es gehofft, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass wirklich die Bulgaren gewinnen“, sagt Loibner, der selbst vor dem Fernseher mitgefiebert hat, ob wohl alles mit der Bühne glatt lief.
Schreckmoment bei Generalprobe
Denn in der Generalprobe gab es noch einen kleinen Schreckmoment. Ein Problem mit den Rädern. Durch die vielen Proben waren diese schon zu abgenutzt. Daher mussten sie noch kurzfristig vor dem großen Finale getauscht. Für Loibner steht jedenfalls fest: Sollte der ESC nochmals nach Österreich kommen, würde er gerne wieder eine Bühne bauen – mit viel Siegerstolz im Rücken.