Philosophie, traditionelle tibetische Medizin, Wissenschaft des Geistes, Sprache und Kunst – das sind die fünf tibetischen Wissensgebiete, die im Tibetzentrum in Knappenberg vermittelt wurden. Ein Haus der Ruhe, der Spiritualität und der Religion. Doch in den vergangenen Tagen ist es rund um das Tibetzentrum alles andere als ruhig.

Das Zentrum in Knappenberg schließt nämlich seine Pforten und übersiedelt in das steirische Oberzeiring. Wirtschaftliche Gründe seien für den Schritt ausschlaggebend gewesen: Bis 2017 habe man jährlich noch 300.000 Euro pro Jahr vom Land erhalten, ab diesem Zeitpunkt wurde das Fördergeld auf 100.000 Euro reduziert. 2025 ist der letzte Vertrag ausgelaufen und mit dem Jahr 2026 wurde das Tibetzentrum nicht mehr gefördert.

Vor 20 Jahren entstand die Idee

Doch was auch die Zukunft bringen mag, das Tibetzentrum hat auch eine spannende Geschichte. 2005 wurde erstmals in der Kärntner Landespolitik von einem Tibet-Projekt in Hüttenberg gesprochen.

Geplant war ein Zentrum mit einem großen Gesundheitshotel. Der Dalai Lama plante einen Sitz seiner Glaubensgemeinschaft für die westliche Welt. Der Kärntner Baumeister Robert Rogner wollte ein 260-Betten-Hotel, samt Kloster und Privatuniversität, errichten. 2006 reiste der Dalai Lama höchstpersönlich zur Grundsteinlegung des Tibetzentrums nach Kärnten. Ursprünglich sollte das geplante Projekt mit Hotel 20 Millionen Euro kosten. Kurz darauf kamen die ersten Probleme. Dem Land Kärnten wurde vorgeworfen, das Projekt übermäßig zu fördern. Ebenso kam es zu Differenzen zwischen den tibetischen Vertretern und der Firma Rogner als Bauherr. 2007 musste der Bau europaweit ausgeschrieben werden.

Das Tibetzentrum in Knappenberg ist Geschichte
Das Tibetzentrum in Knappenberg ist Geschichte © Gert Köstinger

Nach dem Rückzug der Rogner-Gruppe versuchte Kärnten, neue Investoren zu finden. Zeitweise kamen russische und schwedische Investoren ins Spiel. Das große Tibet-Hotel wurde jedoch nie realisiert.

2008 wurde das Tibetzentrum schließlich vom Dalai Lama, Lama Geshe TenDhar und dem Tibet-Büro Genf in Zusammenarbeit mit der Kärntner Landesregierung gegründet. Im Oktober 2008 wurde das heutige Tibetzentrum Österreich eröffnet. Es war deutlich bescheidener als die ursprüngliche Variante. Das Zentrum arbeitete zunächst in angemieteten Räumen in Knappenberg. Später entstand ein eigenes Gebäude, das 2014 eröffnet und eingeweiht wurde. Der Dalai Lama blieb Schirmherr des Projekts. Auf 400 Quadratmetern fanden sich mehrere Büros, ein Besprechungsraum, ein Seminarraum sowie ein tibetischer Therapieraum.

Lama Geshe TenDhar, Direktor des Tibetzentrums (links), der Dalai Lama und das Land Kärnten standen hinter dem Projekt
Lama Geshe TenDhar, Direktor des Tibetzentrums (links), der Dalai Lama und das Land Kärnten standen hinter dem Projekt © KK/Tibetzentrum

Das Land Kärnten finanzierte den Großteil der öffentlichen Infrastruktur mit Förderungen. Jufa kam erst später ins Spiel: Ab 2010 wurde beschlossen, in Knappenberg ein kombiniertes Projekt aus Jufa-Jugendhotel und Tibetzentrum zu errichten. Im Jahr 2012 besuchte der Dalai Lama Österreich erneut, dabei wurde der Bau des späteren eigenen Gebäudes in Knappenberg gesegnet. 2014 erfolgte schließlich die Einweihung des heutigen festen Gebäudes des Tibetzentrums in Knappenberg.

Turbulenzen

In Würdigung der Freundschaft des Dalai Lama mit dem Hüttenberger Bergsteiger Heinrich Harrer entstand so ein Bildungshaus, das in der Form in Österreich einzigartig ist. Diese Basis der Bildungsmöglichkeiten ist die authentische tibetische buddhistische Tradition. Mehrere Tausend Menschen haben Ausbildungen und Seminare im Zentrum durchlaufen.

2023 folgte ein herber Schlag für das Zentrum: Die Jufa-Hotelgruppe kündigte die Schließung des Hotelstandorts in Knappenberg an. Seit 2014 haben Kursteilnehmer das Hotel aufgesucht und der Region mehrere tausend Nächtigungen gebracht. Vor wenigen Tagen kam die Hiobsbotschaft. Das Zentrum teilte mit, seinen Standort nach Oberzeiring in die Steiermark zu verlegen.