Eigentlich heißt Hubert Hu Baihao. Weil dem 56-Jährigen das Buchstabieren seines Namens zu aufwendig war, eignete er sich einen „Künstlernamen“ an. Also wurde kurzerhand aus Baihao ein Hubert. „Mein erster Vermieter und ein bekannter Immobilienmakler hießen beide Hubert“, erzählt der gebürtige Chinese im fast einwandfreien Deutsch. Der Name habe dem heute 56-Jährigen gefallen, damit stellte er sich ab sofort mit Hubert Hu vor.

Sein Vater kam im Jahr 1985 nach Österreich, genauer gesagt nach Wien. Zwei Jahre später holte dieser Hubert und seine Schwester nach. Hu war damals gerade einmal 17 Jahre alt und stand kurz vor seinem Schulabschluss. Für ihn ging es zunächst in die Küche. In einem angesagten asiatischen Restaurant im ersten Wiener Gemeindebezirk heuerte der Teenager als Abwäscher an, stieg zum Vorbereiter auf und landete schließlich im Service. Sein Vater indes begab sich in ganz Österreich auf die Suche nach einer passenden Immobilie, um sich den Traum vom ersten eigenen Lokal zu erfüllen. „An meinem freien Tag hab ich mir auch Lokale angeschaut“, erzählt Hu. Am Wörthersee blieb die Familie schlussendlich hängen. „Damals gab es abseits von Wien nur wenige asiatische Lokale“, erinnert sich Hu heute. „Wir haben hier in Kärnten viel Potenzial gesehen.“ Diese Annahme sollte sich später bewahrheiten.

In Velden gelandet

Velden wurde zum neuen Lebensmittelpunkt der Hus. Noch heute lebt Hubert Hu dort, baut dort aktuell eine Wohnung für den Vater und seinen jüngeren Bruder Mikel um. In der „Alten Mühle“ eröffneten sie das „Fallaloon“. In Villach betrieben sie später einen Handels-Shop, verkauften dort Leder, Textilien und Schmuck und arbeiteten nebenbei an ihren gastronomischen Expansionsplänen. So betrieben sie zwei Saisonen ein weiteres Lokal in Pörtschach. Im Jahr 1999 kam die Familie nach Klagenfurt und eröffnete in der Völkermarkter Straße ein weiteres „Fallaloon“, später folgte jenes in der Schleppekurve. Auch in Ferlach und Wolfsberg versuchte die Familie ihr Glück.

Heute stehen fünf asiatische Restaurants in Velden und Klagenfurt im Besitz von Hubert Hu. Dabei beweist er auch mal Mut und beschreitet andere Wege, wie beispielsweise mit dem „Fallaloon Hot Pot & More“ in der Völkermarkter Straße, bei dem rohes Fleisch, verschiedenste Fischsorten, Gemüse aus Asien und vieles mehr in einer kochenden Suppe, die am Tisch steht, selbst von den Gästen gekocht wird. In seinem jüngsten Gastro-Projekt, dem Streetfood-Lokal „Mr. Zhu“, das Hu erst im Dezember am Stauderplatz in Klagenfurt eröffnete, setzt er beispielsweise „duo jiao yu tou“ (Lachskopf mit Gemüse und gehackten Chilischoten) oder „Phönix Füße“ (Hühnerfüße) auf die Karte. „Leider wird das Angebot bei den Klagenfurterinnen und Klagenfurtern noch nicht so gut angenommen“, sagt Hu.

Erst im Dezember des Vorjahres eröffneten die Hus das Streetfood-Lokal „Mr. Zhu“ in Klagenfurt
Erst im Dezember des Vorjahres eröffneten die Hus das Streetfood-Lokal „Mr. Zhu“ in Klagenfurt © Dietmar Wajand/KK

Neben den Gastro-Betrieben führt Hu, der die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, einen Großhandel, einen Asia-Markt, einen Getränkehandel, eine Kochschule und mehr. Hu ist auch in der Immobilienentwicklung und -beratung aktiv und hat sich ein Unternehmen im Energiesektor aufgebaut. „Dort beschäftigen wir uns mit erneuerbaren Energien und innovativen Energielösungen“, beschreibt er. Dass Hubert Hu all diese Geschäfte nicht alleine stemmt, versteht sich von selbst. Unterstützt wird er von Familienmitgliedern, knapp 30 an der Zahl. In erster Linie ist es aber sein Bruder Mikel, der mit ihm die Fäden zieht. Der Familienzusammenhalt ist auch das Erfolgsrezept der Unternehmensgruppe. Auch seine Onkels, Cousins oder Neffen sind in der Klagenfurter Gastronomie tätig. Ihnen steht er mit Rat und Tat zur Seite.

Längst fühlt sich Familie Hu mit ihrer neuen Heimat verwurzelt. „Meine Kinder sind in Österreich geboren und aufgewachsen. Sie sind hier zur Schule gegangen, haben hier ihre Freunde und ihre Arbeit“, weiß der Unternehmer zu berichten. Tochter Stefanie (32) ist Ärztin, die 25-Jährige Tiffany und ihr um fünf Jahre älterer Bruder Stefan arbeiten im Unternehmen mit. Dennoch reist er regelmäßig in seine alte Heimat China – zum einen, um den Rest der Familie zu besuchen, zum anderen, um bei seinen dort ansässigen Firmen nach dem Rechten zu sehen. Eine vollständige Rückkehr nach China sei für den 56-Jährigen aber ausgeschlossen: „Ich passe dort nicht mehr hin.“

Alles wird zwei Mal gefeiert

In Kärnten lebt Familie Hu – übrigens rund 200 Familienmitglieder sind über ganz Europa verstreut – eine Mischung aus chinesischer und Kärntner Kultur. „Wir reden chinesisch wie auch deutsch zu Hause“, verrät der Familienvater. „Wir feiern das traditionelle Weihnachten, wie es hier üblich ist, aber auch das chinesische – also einfach alles doppelt.“ Einen besonderen Stellenwert hat nur das Frühlingsfest, das als das eigentliche chinesische Neujahr gefeiert wird.

Als Gastronom bringt Hubert Hu den Kärntnerinnen und Kärntnern die asiatische Küche näher, mittlerweile hat aber auch er sich an die Kärntner Küche gewöhnt. Seine Leibspeise: Schweinsbraten. „Ich esse aber auch gerne einmal ein Schnitzel“, verrät er.