Es sind schwere Anschuldigungen, die sich durch die sozialen Medien fräsen und eines verursachen: Unsicherheit. Vermutet wird in diesen Beiträgen, dass das E-Auto für schwere Gesundheitsschäden verantwortlich sei.
Schaut man sich zum Beispiel auf Instagram die Botschaften an, kommt man aus dem Staunen nicht heraus: Übelkeit, Fatigue, Tumore, Unfruchtbarkeit, alles Folgen der Strahlungen, der elektromagnetischen Felder in einem E-Auto. In diesen Insta-Beiträgen liegen Influencer im Auto, mit ihren Messgeräten. Untermalt wird das ganze Szenario oft von bedrohlicher Musik, um die weiteren Aussagen glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Etwa, wie die DNA durch den Elektro-Smog der E-Autos auseinandergerissen werde oder die Mitochondrien (Zellkraftwerke) zerstört würden. Der Mensch sitze de facto in einer Mikrowelle und werde gekocht – so kann man die Vorwürfe kurz und prägnant zusammenfassen.
Zur Einordnung – auch das wird immer wieder vermischt: Man benennt in diesem Zusammenhang statische Felder, niederfrequente Felder, hochfrequente Felder. Und Grenzwerte, die klar definiert sind – auch auf das Gesundheitsrisiko hin.
Mario Hirz, Leiter des Fachbereichs Fahrzeugmechatronik an der TU Graz, stellt vorab klar: „Es gibt ja klare gesetzliche Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung. Alle Autos müssen diese Grenzwerte einhalten, für E-Autos gilt das genauso wie für Verbrenner oder Handys. Und diese Grenzwerte werden von medizinischen Einrichtungen vorgegeben.“
Natürlich messe man am E-Auto Strahlungen, etwa, wenn Gleichstrom im Inverter zu Drehstrom umgewandelt wird. „Diese werden aber so abgeschirmt, dass gar nichts nach außen dringt.“
Hirz nennt einen Vergleich zum Verbrenner: „Beim Verbrenner misst man 2000 Grad im Brennraum, das tut dem Fahrer auch nicht weh, weil das abgeschirmt wird. Und so muss man sich das auch bei Elektronik-Bauteilen vorstellen. Man misst schon elektromagnetische Felder, aber diese werden vom Menschen abgeschirmt. Und die Grenzwerte werden nicht überschritten.“
Und weiter: „Die höchsten Belastungen im Auto hat man, wenn man mit dem Handy telefoniert oder die Sitzheizung aktiviert. Aber da hat sich noch nie jemand aufgeregt.“
Das gehört ins Reich der Esoterik
Den Vorwurf, dass DNA zerrissen werde und Mitochondrien zerstört würden, verortet Hirz ins Reich der Esoterik. „Es gibt keine gesundheitlichen Auswirkungen durch Strahlenbelastung im Auto“, wiederholt der TU-Professor. „Ich habe auch keine Ahnung, warum sich diese Verschwörungstheorien so halten. Am Biertisch kann das schon unterhaltsam sein, aber es ist ja ein wichtiger Teil des Auto-Engineerings, dass Grenzwerte nicht überschritten werden. Ich kenne keinen einzigen Fall, bei dem ein E-Auto die gesetzlich festgesetzten Grenzwerte überschritten hätte und damit gesundheitsgefährdend gewesen wäre.“
Das sind die Studien, die alle Verschwörungstheorien widerlegen
Damit steht der Experte der TU Graz nicht alleine da und er verweist selbst auf eine wissenschaftliche Untersuchung: Bereits im Vorjahr führte der ADAC mit dem Forschungszentrum für Elektromagnetische Umweltverträglichkeit (femu), der Uniklinik RWTH Aachen und der Seibersdorf Labor GmbH im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Bundesumweltministeriums (BMUKN) eine Untersuchung durch. Prüfgegenstand: Elektrische und magnetische Felder beim Fahren von E-Autos und E-Motorrädern. Der ADAC kam zu folgendem Schluss: „Die umfangreiche Studie mit über 975.000 Einzelmessungen hat gezeigt, dass keine gesundheitliche Gefährdung im E-Auto oder bei E-Motorrädern besteht.“
Beim Starten, Bremsen, Beschleunigen oder dem Zuschalten elektrischer Komponenten würden sich zwar laut ADAC „höhere Werte zeigen, aber die Basisgrenzwerte wurden niemals überschritten“. Damit gebe es „keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung, auch nicht für Menschen mit Implantaten oder für Schwangere“. Die Werte beziehen sich vom Fuß- bis zum Kopfraum. Die Belastung sei übrigens nicht bei jedem E-Auto gleich, auch die Motorleistung sei nicht ausschlaggebend – „es ist der Fahrstil“, der Werte steigen lässt, aber immer unter den Grenzwerten.
Auch beim Laden werden keine Grenzwerte überschritten
Auch beim Laden (AC/DC) „ergaben sich keine Überschreitung der Basisgrenzwerte, auch nicht beim direkten Berühren des Kabels.“ Und: „Die Belastung beim Laden ist insgesamt geringer als beim Fahren.“ Bei den ADAC-Untersuchungen konnte übrigens Elektro-Smog bei Autos mit Verbrennungsmotor, in Fernzügen, der Tram, der U-Bahn oder bei E-Zweirädern nachgewiesen werden – „die durchschnittliche Belastung durch Magnetfelder im E-Auto liegt in ähnlicher Größenordnung wie in anderen elektrischen Verkehrsmitteln.“
Eine Erklärung für die immer wieder auftauchenden Verschwörungstheorien hat das ADAC auch veröffentlicht: „Studien des BfS und anderer Stellen deuten auf einen sogenannten Nocebo-Effekt (Gegenteil von Placebo-Effekt) hin: Wer sich um gesundheitliche Folgen von Elektrosmog sorgt und Felder in seiner Nähe vermutet, entwickelt entsprechende Beschwerden ohne ursächlichen Grund.