Dunkle Wolken brauen sich über der Oststeiermark zusammen. Der Wind wird rauer. Plötzlich ertönt Glockengeläut. Es kommt von einer Anhöhe in Rollsdorf (Gemeinde St. Ruprecht an der Raab). So oder so ähnlich könnte es sich früher zugetragen haben. Seit 270 Jahren steht in Rollsdorf ein Mesnerturm, auch Wetterturm genannt.

Um das Jahr 1600 wurden sie aufgrund von vermehrten Hagelunwettern zahlreich in der Oststeiermark errichtet. In jedem Turm gab es einen Mesner oder eine Mesnerin. Ihre Aufgabe war es, die Glocke zum Gebete zu läuten und die Bevölkerung vor Unwettern zu warnen. Als Vergütung erhielten sie von den Bauern Naturalien.

Das erste noch vorhandene Foto zeigt den Mesnerturm 1909
Das erste noch vorhandene Foto zeigt den Mesnerturm 1909 © Kk

„Die Leute glaubten, dass durch die Gebete das Unwetter vorbeiziehen würde“, erklärt Werner Rahm. Der 75-Jährige setzt sich seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich für den Erhalt des Mesnerturms in Rollsdorf und dessen Nebengebäude, dem sogenannten Mesnerhaus, ein.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Wettertürme durch Kapellen ersetzt. Der Mesnerturm in Rollsdorf ist einer der wenigen, die noch erhalten sind und in denen noch immer die Glocke klingt.

270 Jahre ist er heuer alt. Neun Meter ragt er in den Himmel. Nicht immer zeigten die Gebete Wirkung. Im August 1926 stürzte der Mesnerturm wegen eines Unwettersturms um. Von einem Zimmermann wurde er wieder aufgebaut. 1932 riss ein Sturm den Glockenturm erneut um.

Werner Rahm im Glockenstuhl des Mesnerturms
Werner Rahm im Glockenstuhl des Mesnerturms © KLZ / Veronika Teubl-Lafer

Im Mesnerhaus daneben waren in zwei spärlich eingerichteten Zimmern die Mesner untergebracht. „Nicht nur bei Unwetter, auch viermal täglich, um 5, 7, 12 und 19 Uhr, sowie freitags um 9 Uhr musste geläutet werden“, weiß Rahm.

Rollsdorfs letzte Mesnerin Theresia Zeismann
Rollsdorfs letzte Mesnerin Theresia Zeismann © KLZ / Veronika Teubl-Lafer

Bis 1993 wurde händisch geläutet

Die letzte Mesnerin in Rollsdorf war Theresia Zeismann. Bis zu ihrem Tod 1993 läutete sie händisch die 40 Kilogramm schwere Bronzeglocke. 1756 von Martin Feltl (Hofgießerei Köstenbauer in Graz) gegossen, ist sie in ihrer Größe eine der ältesten Glocken Österreichs.

„Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden Glocken für die Rüstungsindustrie verwendet“, erklärt Rahm, während er die Holzleiter Richtung Glocke hinaufklettert. Die Rollsdorfer Glocke wurde aufgrund ihres Materials und reicher Verzierungen allerdings als C-Glocke eingestuft und nicht eingeschmolzen.

Auch in Rollsdorf hätte der Mesnerturm – er befindet sich in Gemeindebesitz – einer Kapelle weichen sollen. Allerdings war der Turm nach einer Renovierung 1987 unter Denkmalschutz gestellt worden. „Zum Glück“, meint Rahm. „Denn solche historischen Objekte gibt es in der Region nur noch vereinzelt.“

Mesnerhaus bekommt neuen Anstrich

Zwei Jahre nach dem Tod der letzten Mesnerin wurde der Turm und das Mesnerhaus auf Rahms Initiative hin umfassend restauriert. Ohne öffentliche Mittel, dafür mit tatkräftiger Mithilfe fleißiger Gemeindebürger.

Fast täglich ist Rahm beim Turm anzutreffen. „Es gibt immer was zu tun.“ Warum er das tut? „Ich interessierte mich sehr für historische Bauten und bin halt ein Idealist“, scherzt der ehemalige Kfz-Mechanikermeister.

Das Mesnerhaus hat er als kleines, feines Museum eingerichtet, mit alten Werkzeugen und Objekten, vom Bienenkorb über eine Tret-Nähmaschine bis zur Getreidewinde. Mehrmals im Jahr gibt er Einblick in die Geschichte.

Dieses Kreuzerl dürfte einer der Glockenstuhlbauer als Glücksbringer hinterlassen haben
Dieses Kreuzerl dürfte einer der Glockenstuhlbauer als Glücksbringer hinterlassen haben © KLZ / Veronika Teubl-Lafer

Besucher erfahren von ihm warum, auf der Glocke der Heilige Sebastian und die Heilige Margarethe zu sehen sind, was es mit dem kleinen, silbernen Kreuzerl im Glockenstuhl auf sich hat und wieso die Glocke in einem besonderen Takt läutet.

Blick über Rollsdorf aus dem Fenster des Mesnerturms
Blick über Rollsdorf aus dem Fenster des Mesnerturms © KLZ / Veronika Teubl-Lafer

Was sich der 75-Jährige wünscht? „Dass die Gebäude erhalten bleiben und sich viele Leute für die Geschichte interessieren.“ Für die Erhaltung und Pflege hat er sich nun junge Verstärkung geholt. „Andreas Salmhofer wird mich künftig unterstützen.“

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