„Meine Saison hatte zwei völlig unterschiedliche Gesichter“, erzählt Skibergsteiger Paul Verbnjak. „Einerseits war sie extrem erfolgreich – vor allem in den Weltcups und in der Gesamtwertung. Besonders auf den längeren Distanzen lief es fast besser als erwartet.“ Doch ausgerechnet das größte Ziel des Winters sorgte für Enttäuschung: „Olympia ist leider komplett daneben gegangen. Das war verkorkst, so ehrlich muss ich sein.“ Wie es für den Kärntner künftig weitergeht, hängt nun von einem grundlegenden Entschluss ab: „Im Juni fällt die Entscheidung, wie es olympisch mit dem Skibergsteigen weitergeht. Die Signale sind aktuell einmal nicht ganz so schlecht.“ Vor allem auf eine Disziplin hofft Verbnjak besonders: „Ich persönlich wünsche mir, dass auch das Individual olympisch wird. Wenn die Entscheidung positiv ausfällt, dann wird mich der Sport sicher noch die nächsten vier Jahre begleiten.“

Am Samstag, dem 30. Mai, wartet auf die Extremsportler allerdings ein Abenteuer, der besonderen Art: das Everesting am Dobratsch. Das Prinzip klingt eigentlich simpel, verlangt den Teilnehmern aber nahezu alles ab: Innerhalb eines einzigen Tages müssen mit dem Rad genau so viele Höhenmeter bewältigt werden wie der höchste Berg der Erde misst – also unglaubliche 8848 Meter, die exakte Höhe des Mount Everest. Die stärksten Sportskanonen werden voraussichtlich rund siebeneinhalb Stunden benötigen und sich dabei gleich sage und schreibe achtmal den Villacher Hausberg hinauf kämpfen.

„Für den Großteil ist es eine Challenge“

Auf die Frage, warum man sich solche Strapazen überhaupt antut, muss der Großbucher selbst schmunzeln: „Das habe ich mich auch schon mehrfach gefragt, aber genau darin liegt der enorme Reiz. Für manche ist es ein Rennen, für die meisten aber eine persönliche Challenge – einfach durchzukommen.“ Gerade dieses gemeinsame Leiden mache den besonderen Spirit solcher Events aus: „Es motiviert, weil man weiß, dass sich alle anderen genauso quälen. Wir sind halt, ohne zu übertreiben, alle komplette Fanaten – bis zum Anschlag“, beschreibt es der 24-Jährige mit einem Augenzwinkern. Dass er Herausforderungen nicht scheut, bewies er bereits im vergangenen Sommer: Damals wagte der „Duracell-Hase“ im Development-Team von Lidl-Trek an der Seite von Patrick Konrad und Aleix Espargaró das „Wagnis“ Tour of Austria und feierte dabei sein Debüt bei der Österreich-Rundfahrt.

Im Augenblick steht jedoch ein kleines Fragezeichen hinter seinem Antreten, da sein Knie „etwas zwickt. Es ist aber nichts Gravierendes. Eventuell bin ich im Zweierteam unterwegs oder wenn es sich irgendwie gar nicht ausgehen sollte, bin ich definitiv als Supporter dabei“, versichert der 1,91-Meter-Hüne, der sich wohl erst an die Startzeit gewöhnen muss. „Vier Uhr früh ist nicht ohne. Das ist absolut nicht meine Zeit. Dann können die Besten brunchen gehen, wenn sie fertig sind“, grinst der Red-Bull-Athlet, der heuer zwar in keinem Radteam involviert ist, „aber das eine oder andere Rennen werde ich fahren. Nur ist diese Doppelbelastung, auch vom Kopf her, auf so einem Niveau auf Dauer nicht möglich“, sagt Verbnjak, der mit ÖSV-Kollegin Sarah Dreier liiert ist und zwischen Kärnten und dem Pinzgau switcht.