Was heute wie ein paradiesischer Rückzugsort anmutet, war einst ein unmöglicher Ort. Der Bergbau in Hochtregist bildete vor mehr als 25 Jahren das exakte Gegenteil zum heutigen Idyll in Grün, „dazu das ständige Piepsen der Lkw und eine Tankstelle als Nachbar. Zuerst wollten wir gar nicht bleiben“, gibt Filmregisseur und -produzent Wolfgang Scherz zu. Dazu kam, dass das Haus, das seine Frau Barbara geerbt hatte, in keinem guten Zustand war, es gab keine Drainage, das Mauerwerk bröckelte. „Wir haben uns dann doch entschlossen hierzubleiben, weil sich der Bergbau langsam auflöste. Und das Erste, was ich gemacht habe, war, um 5000 Schilling Bäume zu kaufen.“ Damals waren sie einen Meter hoch, heute blicken wir auf rund zwanzig Meter hohe Parkbäume.

Diese Bäume waren ihm extrem wichtig. „Die Medienbranche ist extrem stressig, und ich brauchte einen Rückzugsort. Schatten ist mir wichtig, ich wollte eine Oase, einen Inselcharakter.“ Er blickt sich um. „Dieses Haus und der Grund dazu, das ist ein Geschenk.“ Dass aus dem anfänglichen Bergbauareal eine solche Paradiesinsel wurde, ist freilich dem Tatendrang seiner Bewohner zu verdanken. „Wenn ich etwas finde, kaufe ich es und baue mir daheim etwas zusammen.“ Nicht immer sind die Wände dann gerade, oder so, wie man es eben gewohnt ist, „anfangs dachten die Leute auch, ich hätte kein Werkzeug. Weil alles etwas anders aussah.“ Aber in Wahrheit baute Scherz sich seine Welt, so wie sie ihm gefällt, oder wie er es nennt, „mit Hasenstalltechnologie“.

Zwei Projekte im Jahr gingen sich in den vergangenen Jahrzehnten aus, eine Werkstatt, ein Carport, ein Atelier, dazu unzählige Ecken zum Verweilen. „Barbara hat sich immer bekreuzigt, wenn ich ein neues Projekt angefangen habe“, lacht er, „aber es waren ja auch nie kleine Dinge.“ Seit vergangenem Jahr ist Wolfgang Scherz aber in Pension und hat sich heuer vorgenommen, sich nur der Pflege des Anwesens zu widmen. Und seinen Bildern. Denn auch wenn er weiterhin an Filmproduktionen beteiligt ist – wie etwa der unlängst vorgestellten TV-Doku „Vision und Zusammenhalt - die Kraft der steirischen Regionen“ –, will er auch sein neues Hobby, das eigentlich ein altes ist, in den Mittelpunkt rücken. Eine Ausstellung ist schon lange angekündigt – und wer weiß, vielleicht wird ja demnächst doch noch ein weiteres Großprojekt daraus.