Wenn man Christian Steinbrückner an seinem Arbeitsplatz im Jufa Bad Radkersburg sucht, ist man gut beraten, im großen Gartenbereich des Hotels nachzuschauen. Hier befinden sich die meisten Aufgaben des 49-Jährigen: „Ich habe immer draußen gearbeitet. Ich will draußen arbeiten.“
Dass Steinbrückner einen Beruf gefunden hat, in dem er aufgeht, ist nicht selbstverständlich, denn der Bad Radkersburger lebt mit einer Behinderung. Für Menschen mit Behinderung ist es nach wie vor schwer, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Mit Zahlen untermauerte das kürzlich die Statistik Austria: „Mehr als zwei Drittel der rund 760.000 Personen mit einer ‚registrierten Behinderung‘ in Österreich beziehen eine Pension, knapp 15 Prozent sind erwerbstätig.“
Komplexe Zuständigkeiten und Angebote
Die Zahl 15 Prozent sei allerdings nicht ganz richtig, sagt Eva Skergeth-Lopic, Vorstandsvorsitzende des Dachverbands Berufliche Inklusion Austria. Denn neben den sogenannten arbeitsfähigen Menschen mit Behinderung spreche man in Österreich auch von nicht arbeitsfähigen Personen, erklärt die langjährige Chance-B-Geschäftsführerin: „Zweitere fallen unter das steirische Behindertengesetz und werden großteils von den Tageseinrichtungen der verschiedenen Träger betreut.“ Die 15 Prozent der Statistik Austria stammen aus der ersten Gruppe, für die grundsätzlich das AMS zuständig sei.
Die Frage nach Kündigungsschutz und Unterstützung sei für viele Unternehmer immer noch der brennendste Punkt, so Skergeth-Lopic. Steinbrückners Chefin, Dagmar Pfleger, ist es ein Anliegen, jedem eine Chance zu geben, deshalb setzte sie bereits als Leiterin des Jufa in Tieschen auf Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe. Herausfordernd sei allerdings die Bürokratie und manchmal auch die Suche nach dem richtigen Arbeitsbereich, erzählt Pfleger.
Übergang von Tageseinrichtung auf ersten Arbeitsmarkt
Grundsätzlich gibt es über das sogenannte „Netzwerk Berufliche Assistenz“ (Neba) zahlreiche Aufklärungs- und Unterstützungsangebote für Unternehmer sowie Arbeitssuchende. Auch für Personen, die unter das steirische Behindertengesetz fallen, gibt es von Lebenshilfe und Co. viele Programme. Eines davon ist das Konzept „Teilhabe an der Beschäftigung in der Arbeitswelt“ (TAB). Es stellt den Übergang von einer Beschäftigung in einer Tageseinrichtung zu einer Fixanstellung nach Kollektivvertrag dar.
„Die ganze Abrechnung läuft über die Lebenshilfe. Christian ist also nicht direkt bei uns angestellt“, erklärt Pfleger das TAB-Konzept. Sie sieht darin ein zukunftsweisendes Projekt, denn: „Es gibt für uns dadurch keine Bürokratie“, so Pfleger.
Knackpunkt Verdienst
Skergeth-Lopic sieht allerdings noch Aufholbedarf, bei der Anzahl an Personen, die über das TAB den Einstieg in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt schaffen. Das Thema Lohn ist dabei eine große Herausforderung, weil mit einer Anstellung nach Kollektivvertrag viele staatliche Leistungen verloren gehen: „Es geht darum, dass ein Mensch von seiner Anstellung wirklich leben kann“, betont Skergeth-Lopic. Praktika zum Einstieg und zur Erprobung seien daher für beide Seiten ein Erfolgsweg.
Steinbrückner ist stolz auf seine Arbeit
Etwa 580 Euro pro Monat bekommt er für seine rund sieben Stunden Arbeit an vier Tagen pro Woche, sagt Steinbrückner und ergänzt: „Da bin ich zufrieden damit. Ich kriege andere Förderungen noch dazu.“ Vor allem aber ist er stolz auf sich und seine Arbeit: „Die unbefristete Anstellung beim Jufa war das schönste Geschenk“, sagt der 49-Jährige gegenüber Dagmar Pfleger. Für die Hotelleiterin war die fixe Einstellung Steinbrückners logisch: „Ich kenne Christian seit 30 Jahren, er ist offen, ehrlich und fleißig. Wir hoffen, dass er noch lange da bleibt.“