Immer mehr Bürokratie, viel Druck und Stress, wenig Zeit für die Kunden, Personalmangel. Wenig Geld für viel Verantwortung und hohe psychische und körperliche Belastung. Die Schattenseiten der Pflege sind allseits bekannt. „Dennoch würde ich mich immer wieder für den Beruf entscheiden“, sagt Ingrid Enthaler. Die Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP) arbeitet seit 1997 in der Pflege, seit 2004 ist sie beim Mobilen Dienst der Volkshilfe Weiz tätig. „Es ist ein schöner, sinnstiftender Beruf“, sagt die 53-jährige Weizerin. „Auch, wenn das System schwierig ist, bekommt man sehr viel zurück.“

Jacqueline Herold stimmt ihr zu. Die 40-Jährige arbeitet als Heimhilfe im Mobilen Dienst. „Das Wissen, gebraucht zu werden, lässt mich in der Früh aufstehen, selbst, wenn ich mal nicht so motiviert bin.“ Der Kontakt mit den Kunden, das Wissen, man tut ihnen was Gutes, bestätigt sie in ihrer Berufswahl.

Die Kundinnen und Kunden im Mobilen Dienst werden teilweise nur eine Woche lang, teils über Jahre hinweg betreut. „Unsere längste Kundin ist seit zirka 15 Jahren bei uns“, weiß Enthaler. Da bleiben auch persönliche Bindungen nicht aus.

„Ich hatte eine Kundin, die hat immer zu mir gesagt: Du bist wie meine Tochter“, erzählt Herold. Als die Heimhilfe schwanger wurde, freute sich die Kundin riesig auf das Baby. „Leider starb sie zwei Monate vor der Geburt, bei der Verabschiedung haben ihre Verwandten gesagt, dass sie bis zum Schluss von meinem Baby geredet hat“, erinnert sich Herold.

Geburtstagsfeier geplant

Irmgard Haberl ist seit 2021 Wohnbetreuerin für die Volkshilfe in Fladnitz an der Teichalm und für zwölf Wohnungen zuständig. Deren zwölf Bewohner organisierten zu ihrem 60. Geburtstag heimlich eine Feier. „Mit Musik und Pipapo“, erzählt Haberl. „Wir haben von halb zwölf bis acht am Abend gefeiert und Spiele gespielt. Das war so eine große Wertschätzung, das werde ich niemals vergessen.“

17 Jahre lang arbeitete Haberl in der Hauskrankenpflege, bei ihrem jetzigen Job organisiert sie sehr viel für ihre Schützlinge. So hilft sie etwa bei Anträgen betreffend das Pflegegeld, organisiert Arzttermine, kümmert sich darum, wenn in den Wohnungen etwas kaputtgeht, unterstützt bei Problemen mit Radio, Handy oder Fernsehen, organisiert Aktivitäten wie Gedächtnis-Trainings oder Spielenachmittage. „Es ist sehr umfangreich und interessant“, zieht sie Bilanz. Was ihr am meisten gefällt? „Ich hab jetzt mehr Zeit für die Leute.“

Zeitdruck ist in der Pflege oft ein großes Problem. Als Enthaler angefangen hat, gab es mehr Personal und weniger Kunden. „Man spürt die Überalterung, wir haben einige Kunden zwischen 90 und 100 Jahren. Auch die Angehörigen haben weniger Zeit, weil jeder selbst so viel Druck in seinem Leben hat.“ Manchmal kommen die Mitarbeiterinnen des Mobilen Dienstes zu „heillos überforderten und überlasteten Angehörigen“.

Die Hilfe der DGKPs, Pflegeassistentinnen und Heimhilfen werde daher sehr wertgeschätzt, sind sich Enthaler und Herold einig. Es sei jedoch auch wichtig, die Bewohner bzw. die Kunden wertzuschätzen, weiß Haberl. „Man muss für den Beruf geschaffen sein und viel Empathie mitbringen“, ergänzt Herold.