Mehr als eine Million Liter Kernöl werden Jahr für Jahr am Standort Wollsdorf bei St. Ruprecht an der Raab produziert. Nach eigenen Angaben ist Steirerkraft, eine Marke der Alwera-Gruppe, damit der weltweit größte Kernölproduzent. Über allem thront die Geschmacksfrage und dafür ist der Rohstoff, Steirerkraft wird von 1000 Vertragslandwirten beliefert, ebenso essenziell wie der Prozess des Röstens der Kürbiskerne. Dieser sei „hochsensibel“, wie betont wird. Denn „beim Rösten der gemahlenen Kerne entscheidet sich, ob das Endprodukt die typische nussige Tiefe erreicht“. Kommt es bei diesem Prozess zu Änderungen, ist entsprechendes Know-how gefragt.
Bei Steirerkraft wurde nun „die Energiewende in der Röstpfanne“ eingeleitet. In Wollsdorf wurden die Röstpfannen von gasbefeuerten Systemen auf eine eigens entwickelte elektrische Technologie umgestellt. Strom statt Gas, ein Verfahren, das es nicht „von der Stange gibt“, sondern selbst entwickelt und getestet wurde. Zunächst mittels eines Prototypen, dann in einer schrittweisen Umstellung – jetzt sei der „finale Ausbau erfolgt“, wie betont wird. „Das Rösten ist einer der zentralen Schritte in der Kürbiskernölproduktion. Wir haben diesen Prozess neu und nachhaltiger gedacht, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen – technologisch wie ökologisch“, so Vorstandsmitglied Andreas Cretnik. Bei der technischen Realisierung war es hilfreich, dass die Alwera-Gruppe u. a. auch mit 50 Prozent am Maschinenbauer Milteco mit Sitz in Viertelfeistritz beteiligt ist.
Bisher wurden die Anlagen direkt mit Erdgas befeuert. Das sei aber mit hohen Abstrahlverlusten und entsprechendem Energieeinsatz verbunden gewesen. „Die neue Lösung basiert auf elektrisch betriebenen Heizplatten, die eine gleichmäßige Wärmeverteilung ermöglichen und gleichzeitig Wärmeverluste massiv reduzieren.“ Dadurch sinkt der Energiebedarf um mehr als 50 Prozent, die jährliche CO₂-Reduktion entspricht rund 420 Tonnen, was umgerechnet der Jahresemission von rund 200 Fahrzeugen entspricht, wie man bei Steirerkraft vorrechnet. Durch die elektrische Versorgung könne beispielsweise auch „die Temperatur in der Pfanne deutlich präziser und konstant über einen längeren Zeitraum gehalten werden“, sagt Cretnik. „Die Elektrifizierung der Röstpfannen ist auch ein wesentlicher Schritt in Richtung energieautarker Produktion.“ Der Anspruch sei es, „die gesamte Wertschöpfungskette nachhaltig weiterzuentwickeln – vom Saatgut bis zum fertigen Lebensmittel“. Bis 2030 wolle man die Standorte vollständig energieautark und unabhängig von fossilen Brennstoffen betreiben. Daher wurde und wird in zusätzliche Photovoltaikanlagen investiert, auch in ein neues Heizsystem wurde investiert. Die Röstpfannen seien hier „ein entscheidender Hebel“, sagt Cretnik.
„Insgesamt haben wir zuletzt rund zehn Millionen Euro in Maßnahmen investiert, um bis 2030 bilanziell energieautark zu werden. Der größte Teil – rund acht Millionen Euro – ist in die neue Energiezentrale geflossen“, so der Vorstand. Diese sei „zentral für die Steuerung von Heizung, Kühlung und insbesondere der Trocknungsprozesse – allen voran für Saatmais – am Standort“. Weitere rund zwei Millionen Euro investiere man in die Umstellung von Öl und Gas auf fossilfreie Energieträger.
Für einen Liter Kürbiskernöl benötigt man laut Steirerkraft übrigens ungefähr 2,5 bis drei Kilo getrocknete Kürbiskerne. Diese Menge entspricht den Kernen von etwa 30 bis 40 Kürbissen.