Im Zuge der Diskussion über gekürzten Lateinunterricht hat Frido Hütter den Kommentar „Und was ist mit Mathematik?“ verfasst, der einigermaßen verwundert. Er schlägt darin vor, den Matheunterricht auf die Unterstufe und die „erweiterten Grundrechenarten“ zu beschränken, und begründet das auch damit, dass ihm die Mathematik sehr schwergefallen sei.
Dass das Schulfach Mathematik viele Schülerinnen und Schülern herausfordert, ist unbestritten; die Lösung kann aber nicht darin bestehen, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Dazu ist die Mathematik viel zu zentral in unserer Geisteswelt verankert und Grundlage vieler innovativer Wissenschaften. Die „Künstliche Intelligenz“, der Ausgangspunkt der Diskussion, ist ohne Mathematik gar nicht denkbar.
Der Unterricht hat sich verändert
Wenn das Gymnasium seine Absolventinnen und Absolventen auf alle Universitätsstudien vorbereiten soll, dann muss es Mathematik auf einem angemessenen Niveau vermitteln. Nicht nur Technik und Naturwissenschaften kommen ohne Mathe nicht aus; auch Medizin, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften, Pharmazie und Soziologie erfordern eine solide mathematische Ausbildung. Dazu gehören auch die von Herrn Hütter als verzichtbar genannten Integrale, Polynome und Hypothesentests.
Für alle, deren Schulzeit länger zurückliegt, sei hier bemerkt, dass sich der Matheunterricht sehr verändert hat. Die rein abstrakten Aspekte wurden stark zurückgedrängt, stattdessen die Alltagsanwendungen deutlicher hervorgehoben. Wie gut das gelungen ist, wäre eine andere Diskussion. Dass die Mathematik aber ein integraler Bestandteil der Schulbildung bleiben muss, steht außer Zweifel.
Sine mathematica sciri non potest (Ohne Mathematik kann die Welt nicht verstanden werden).
Peter Grabner leitet das Institut für Analysis und Zahlentheorie der TU Graz und ist Ansprechperson der Studienrichtung Mathematik für Kinder und Jugendliche.