Mit 195 km/h war der Südsteirer über die Autobahn gerast. Er hatte Alkohol und Cannabis im Blut und gesteht: „Ja, während der Fahrt habe ich ein Bier getrunken.“ Auf der A 9, bei der Raststation Gralla, krachte er in den kleinen Alfa, welcher 250 Meter nach vorne katapultiert wurde. Der durch die Wucht des Anpralls aufgerissene Tank ging in Flammen auf – die zwei ungarischen Insassen (27 und 30 Jahre alt) verbrannten hilflos im Wrack.

„Sie steigen betrunken in Ihr Auto, trinken während der Fahrt noch weiter. In Ihrem Fahrzeug findet man 21 leere Bierdosen – das ist doch Wahnsinn. Ihnen ist hoffentlich bewusst, dass wegen Ihnen zwei unschuldige Leute zum Handkuss gekommen sind“, rügt Staatsanwältin Laura Markt-Holzmann den angeklagten Unfallverursacher. Grob fahrlässige Tötung lastet sie ihm beim Prozess in Graz an, der Mann wird im Laufe der Verhandlung mit keinem Wort widersprechen: „Es tut mir furchtbar, furchtbar leid“, sagt er.

Richter Gerhard Leitgeb
Richter Gerhard Leitgeb © Penz

„Viele Bier“ getrunken, zwei Männer verbrannt

„Mein Mandant weiß, dass etwas ganz, ganz Schlimmes passiert ist. Etwas, das er in seinem ganzen Leben nie wieder gutmachen kann. Er übernimmt die volle Verantwortung dafür“, erklärt der Verteidiger. 1,43 Promille hatte der 38-Jährige beim fatalen Unfall. „Ich habe in Graz bei einem Freund Bier getrunken. Keine Ahnung wie viele. Aber viele“, mangelt es dem Angeklagten an einer konkreten Erinnerung. Er weiß nur mehr von einem „Klescher“. Augenzeugen berichteten damals von einem Feuerball. Von chancenlosen Helfern.

Bei Unfall: Alkohol und Cannabis im Blut

„Haben Sie das Auto vor sich nicht wahrgenommen?“, fragt Richter Gerhard Leitgeb über den Unfall, der sich im Oktober ereignete. Der Angeklagte, selbst dabei nur leicht verletzt, verneint. „Warum sind Sie trotz Alkohol- und Cannabiskonsum gefahren?“ – „Ich hätte eh besser bei meinem Freund in Graz schlafen sollen, das wäre schlauer gewesen.“ Laut Gutachten ist der 38-Jährige ungebremst auf das Auto der Ungarn aufgefahren: Tempounterschied: rund 100 km/h. Bei Einhaltung des Tempolimits und ohne Beeinträchtigung durch Alkohol wäre der Unfall vermeidbar gewesen, ist der Gutachter überzeugt.

„Es tut mir furchtbar, furchtbar leid“, sagte der Unglückslenker vor Gericht
„Es tut mir furchtbar, furchtbar leid“, sagte der Unglückslenker vor Gericht © Penz

Schuldspruch nach Feuerunfall

„Zwei Unschuldige kamen ums Leben“, sagt der Vorsitzende nach dem Urteil: Zwölf Monate Haft, vier davon unbedingt. Mildernd wird die geständige Verantwortung und die Unbescholtenheit des Angeklagten gewertet. Auch hat er sich freiwillig in eine Entwöhnungstherapie begeben. „Auf Sie wird wohl auch noch ein Zivilverfahren zukommen“, prognostiziert der Richter. Die Eltern der beiden Opfer (einer war Fußballer, der andere fünffacher Familienvater) haben nämlich bereits je 80.000 Euro Trauerschmerzensgeld gefordert.