„Wenn wir nicht sofort etwas tun, hat er nur mehr ein paar Wochen zu leben – das ist uns gesagt worden“, erinnert sich Tanja Bruckner zurück. Die Irdningerin spricht dabei von ihrem Mann und der Diagnose, die er im Jahr 2016 erhalten hat: akute Leukämie. Das Leben von Helmut Bruckner kann gerettet werden, dafür verantwortlich sind ein Deutscher und die Stammzellenspende, die er abgegeben hat. „Die Zeit war nicht ohne, auch weil unsere Söhne damals noch klein waren – sechs und neun Jahre alt. Meinem Mann kennt man jetzt nichts mehr an, er ist gesund“, freut sich Bruckner.

Helmut Bruckner aus Irdning 2016 im Spital gemeinsam mit seinen Söhnen Mateo und Jonas. Eine Stammzellenspende rettete sein Leben
Helmut Bruckner aus Irdning 2016 im Spital gemeinsam mit seinen Söhnen Mateo und Jonas. Eine Stammzellenspende rettete sein Leben © Privat

Weil das Paar etwas zurückgeben wollte, hat es im Oktober 2021 in Irdning gemeinsam mit dem Verein „Geben für Leben“ eine Stammzellen-Typisierungsaktion durchgeführt. 130 Menschen sind gekommen und haben sich registrieren lassen.

„Es ist überwältigend“

Unter ihnen war auch Julian Tatzl. „Tanja ist eine Freundin meiner Mutter und deshalb habe ich habe an dem Tag mitgeholfen. Und weil ich schon dort war, habe ich auch gleich mitgemacht“, erzählt der heute 23-Jährige. Im August 2025, Tatzl ist zu dem Zeitpunkt gerade auf Amerika-Reise, erreicht ihn ein Anruf vom Verein „Geben für Leben“: Er kommt als Spender infrage.

Nach diversen Voruntersuchungen und fünf Tagen mit je zwei Spritzen ist es im Februar soweit: Julian wird zum Spenden ins LKH Graz gerufen. Vier Stunden lang dauert die Entnahme der Stammzellen, während dieser Zeit liegt der junge Ennstaler in einem Bett, darf die Arme nicht bewegen.

Hat er erfahren, wer sie erhalten hat? „Ich habe gehört, dass es jemand aus Italien ist“, sagt Tatzl. Und ergänzt: „Wenn man weiß, dass die Spende einem Menschen Hoffnung auf Leben gibt, ist das schon ein besonderes Gefühl. Es ist überwältigend.“ Der 23-Jährige ist der Meinung, „dass jeder, der die Möglichkeit hat, sich registrieren lassen sollte. Man kann möglicherweise jemandem das Leben retten. Das ist so viel wert. Und auch, wenn man als Spender nicht infrage kommt: Wer sich einfach nur typisieren lässt, hat schon etwas Großes geleistet“.

„Nicht viel machen, aber ganz viel erreichen“

Diese Meinung teilt Marie-Theres Stachl aus Aigen im Ennstal. „Es ist nicht viel, was man machen muss. Aber man kann ganz viel damit erreichen“, sagt sie. Die 21-Jährige war ebenfalls bei der Typisierungsaktion der Bruckners. Dass auch sie für einen Patienten – es ist „ein Mann mittleren Alters aus den USA“ – als Spenderin infrage kommt, erfährt sie im Oktober 2025.

Jonas Bruckner hat in der Schule eine Typisierungsaktion ins Leben gerufen
Jonas Bruckner hat in der Schule eine Typisierungsaktion ins Leben gerufen © privat

Am 12. Jänner gibt sie Stammzellen ab, das Prozedere ist dasselbe wie bei Julian Tatzl. Was dabei auf sie zukommt, weiß sie von ihrem Onkel. Er hat seiner Gattin, die ebenfalls an Leukämie erkrankt war, Stammzellen gespendet. Die Tante Stachls hat bei einem Spitalsaufenthalt Helmut Bruckner kennengelernt. Und ihre Nichte von der Notwendigkeit, sich registrieren zu lassen überzeugt.

Aktion im Regionalbüro

„Dass bei unserer Aktion gleich zwei passen, war für uns ein Wahnsinn“, sagt Tanja Bruckner. Wie wichtig das Thema für die Familie heute noch ist, hat Sohn Jonas jüngst gezeigt – und in seiner Schule eine Typisierungsaktion organisiert. Auch hier waren es rund 130 Schüler, die sich mittels Wangenabstrich registrieren haben lassen.

Wenn auch Sie helfen und möglicherweise ein Leben retten wollen, bekommen Sie dazu im Regionalbüro der Kleinen Zeitung die Gelegenheit – und zwar am Mittwoch, 20. Mai (siehe Factbox).