Die Flut an Bombenalarmen, die seit letzter Woche in den E-Mail-Postfächern an kroatischen Schulen, Einkaufszentren und Flughäfen einlangen, nimmt kein Ende. Über 500 Mal mussten vergangene Woche Polizei und Bombenentschärfungsdienste ausrücken und Gebäude evakuieren. Alle waren Fehlalarme. Die Nerven in Kroatien liegen mittlerweile blank, doch auch diese Woche geht der Bombenalarm-Terror weiter. 130 Drohschreiben langten am Montag in Zagreb, Dubrovnik und Rijeka ein. Am Dienstag empfingen neben über dreißig Schulen in Split, Dubrovnik, Rijeka und Zagreb auch Krankenhäuser und Redaktionen großer kroatischer Medienhäuser wie 24sata und Index Bombendrohungen.

Über die Verfasser der Drohschreiben gibt es bisher keine gesicherten Informationen. „Ihr Ziel ist es, Panik zu säen, Misstrauen gegenüber dem Staat und den staatlichen Institutionen zu schüren, Inkompetenzgefühle zu verbreiten, aber auch die emotionale Seite der Bevölkerung zu beeinflussen, die sich Sorgen um das Schicksal ihrer Kinder macht“, erklärte Universitätsprofessor und Sicherheitsexperte Gordan Akrap gegenüber Dnevnik.

Terror an der Bevölkerung

Für Ante Letica, den ehemaligen Leiter des kroatischen Sicherheitsnachrichtendienstes (SOA - Sigurnosno-obavještajna agencija), seien mittlerweile jegliche Grenzen überschritten worden. „Die Drohungen haben ein Ausmaß erreicht, dass man von Terrorisierung der Bevölkerung sprechen kann. Besorgniserregend ist vor allem, dass sich der Großteil der Schreiben an Schulen und sogar Kindergärten richtet.“ Letica zeigt sich aber gegenüber 24sata zuversichtlich, dass man gemeinsam mit Polizei und Nachrichtendiensten in Kroatien und in der EU den Tätern auf die Spur kommen werde: „Es ist aufwändig und kompliziert, aber es gibt technische Möglichkeiten, die IP-Adressen und die Identitäten der Täter zu ermitteln.“

Kommen die Drohungen aus Estland?

Internationale Ermittlungen laufen, laut inoffiziellen Quellen soll es auch eine erste Spur geben, alle E-Mails sollen über einen Server einer Firma mit Sitz in Estland verschickt worden sein, berichtet Nova TV. „Die E-Mail-Signaturen stammen aus dem Ausland, weshalb die Ermittlungen nicht nur in Kroatien, sondern international laufen und unterschiedliche Kriminaldienste einschließen. Wir arbeiten eng mit unseren Partnern auf EU-Ebene zusammen“, bestätigte der Innenminister Kroatiens, Davor Božinović, der die Drohungen als hybride Kriegsführung klassifizierte und als Angriff auf Kroatien wertete.