Die Entscheidung war keine leichte. Lange Zeit spielte Anna Schrei aus Wildon (Bezirk Leibnitz) mit dem Gedanken, Tanzlehrerin zu werden. Neun Jahre lang arbeitete sie als Industriekauffrau im Personalwesen. „Es war ein sicherer, guter Job“, erzählt die 33-Jährige. „Ich hab aber gewusst: Wenn ich es jetzt nicht mache, wird es mich irgendwann nerven, es nicht gemacht zu haben.“

Anna Schrei gibt Tanzeinblicke:

Bei einem Sommertanz-Camp 2016 kam ihr zum ersten Mal die Idee, Tanzlehrerin zu werden. Etwas vermitteln lag Schrei immer schon, sie arbeitete im Büro als Lehrlingsausbilderin. Doch die Entscheidung zu treffen, bereitete ihr – und auch ihren Eltern – einige schlaflose Nächte. „Selbstständigkeit hat es in meiner Familie nicht gegeben. Der Anfang war auch stressig“, gibt sie zu.

Doch heute bereut sie nichts. Seit 2020 unterrichtet sie, die dreijährige Tanzlehrerausbildung machte sie neben ihrem Büro-Job. Montags bis mittwochs sind ihre Hip-Hop-Tage. Im Forum Kloster in Gleisdorf bringt sie Kindern und Jugendlichen ab sechs Jahren die verschiedenen HipHop-Facetten näher.

Anna Schrei unterrichtet Kinder und tanzt auch selbst bei Meisterschaften.
Anna Schrei unterrichtet Kinder und tanzt auch selbst bei Meisterschaften. © Privat

Von Donnerstag bis Sonntag sind ihre Paartanz-Tage. Als mobile Tanzlehrerin mietet Schrei sich in Säle ein und kommt zu ihren Schülerinnen und Schülern. „Ich bin in Gleisdorf, Fürstenfeld, Feldbach und Stainz“, erzählt sie. Walzer, Discofox oder Polka lernen ihre Schützlinge unter anderem bei ihr. „Die meisten kommen mit einem Auftrag“, weiß Schrei. Sei es die Hochzeit oder der Maturaball, wo man eine gute Figur am Tanzparkett abgeben will. Über Mundpropaganda findet der Großteil zu ihr.

Warum man sich am besten gleich heute noch anmelden sollte? „Tanzen macht Spaß und ist sehr gesund.“ Vor allem Menschen mit Demenzrisiko legt Schrei Tanzen ans Herz. „Als netter Ausgleich zum Sudoku“, meint sie schmunzelnd. „Ich kenne keine Menschen, die keine Musik mögen. Beim Tanzen bewegt man sich zur Musik.“

Letzte Meisterschaftssaison

Die 33-Jährige startete ihre eigene Tanzkarriere „wahrscheinlich bei irgendeinem Faschingsfest mit vier Jahren beim Vogerltanz“, meint sie schmunzelnd. „Im Kindergarten und in der Volksschule war ich bei jeder Aufführung dabei – Hauptsache in der ersten Reihe.“ Mit zwölf Jahren kam Schrei zum ersten Mal mit ihrer großen Leidenschaft in Berührung: Hip-Hop. Von da ging es in Richtung Meisterschaften für sie. „2026 ist meine letzte Meisterschaftssaison“, erzählt die 33-Jährige, die mehrere Stockerlplätze und Qualifikationen in internationalen Wettbewerben ertanzte.

Hip-Hop ist Schreis große Leidenschaft.
Hip-Hop ist Schreis große Leidenschaft. © KLZ / Nicole Stranzl

Ihr Ehrgeiz zeigt sich auch im Alltag. Als selbstständige Tanzlehrerin arbeitet sie zwischen 50 und 60 Stunden pro Woche, tanzt im Schnitt vier Stunden täglich. Am Vormittag und frühen Nachmittag bereitet Schrei Kurse vor, beantwortet Mails, kümmert sich um Veranstaltungen. Drei bis vier Workshops pro Jahr organisiert sie. Danach wird unterrichtet. „Ein Tag kann schon mal bis 21 Uhr dauern.“ Dennoch würde sie heute nicht mehr zurück ins Angestelltenverhältnis gehen, wie sie sagt.

Was ihr besonders wichtig ist? „Dass ich meinen Schülerinnen und Schülerin einen Ausgleich schaffen kann. Hier herrscht eine Atmosphäre, in der du den Alltag vergisst und draußen vor der Tür lassen kannst“, sagt Schrei.