Der FC Bayern München ist zum 35. Mal deutscher Meister. So weit, so gut, so wenig überraschend. Der „Stern des Südens“ überstrahlte die Bundesliga auch in dieser Saison wieder, weshalb auch vier Spieltage vor Schluss bereits Klarheit herrschte, dass die Schale in München bleibt. Die Pflicht ist also erledigt, jetzt folgt die Kür: Bayern zog zuletzt erstmals nach 2020 wieder ins Pokalfinale ein. Damals hatte übrigens ein gewisser David Alaba den 4:2-Cupsieg über Leverkusen mit dem 1:0 eröffnet (16.).

Heute steht ein anderer, ein Landsmann Alabas, mittendrin im Fokus bei den Bayern. Und obwohl er Österreicher ist, könnte man Konrad Laimer inmitten der hochdekorierten, hochveranlagten Truppe getrost als „Schweizer Taschenmesser“ bezeichnen. Denn bis auf Torhüter und Stürmer hat Laimer schon fast jede Position bekleidet, sprang stets ein, wenn Not am Mann war, musste sogar inmitten des Viertelfinal-Rückspiels gegen Real Madrid (4:3) von der linken auf die rechte Außenverteidigerposition wechseln.

Laimer streut seiner Mannschaft Rosen

„Es macht einfach Spaß mit den Jungs auf dem Platz. Im Training und im Spiel“, nimmt es der bodenständige Salzburger wie immer sehr pragmatisch. Dass sich der eigentliche Mittelfeldspieler unter Trainer Vincent Kompany zu einem der aktuell besten Außenverteidiger der Welt entwickelt hat, kommentiert er ebenfalls gelassen: „Klar, für mich läuft es wirklich gut. Aber das liegt auch an unserer guten Mannschaft. Am gegenseitigen Vertrauen ineinander, wir haben in Spielen immer das Gefühl, uns aufeinander verlassen zu können. Weil jeder das Zeug hat, seinen speziellen Moment zu haben und die Partie zu entscheiden.“

Auch die Meisterfeier fiel in München noch nicht überschwänglich aus, „es war auch davor nicht geplant“, verriet Laimer. Es stehen noch zu viele große Tage an. Noch vor dem DFB-Pokalfinale ist jetzt der Weg ins Champions-League-Finale in Budapest das große Ziel. In den Weg stellt sich niemand Geringerer als Titelverteidiger PSG. 2025 trafen die beiden Klubs bereits zweimal aufeinander, Paris gewann das Klub-WM-Viertelfinale im Sommer gegen die Bayern 2:0, die Revanche gelang in der Champions-League-Ligaphase im November, Bayern siegte in Frankreich 2:1. „Das ist für das Halbfinale aber nicht bedeutend, die Teams haben sich entwickelt, treten im Frühling anders auf als in der Ligaphase im Herbst“, sagt Laimer, fügt aber an: „Klar ist, dass wir genau wissen, wie sie spielen, sie aber auch, wie wir spielen, man kennt sich.“

Die Träume des kleinen Konrad Laimer

Am Vertrauen in die eigene Stärke fehlt es jedenfalls nicht, auch nicht an Vorfreude. „Das ist ja ein Traum. Als kleiner Junge willst du genau solche Spiele erreichen, deshalb spielen wir alle Fußball“, sagt Laimer mit einem Strahlen in den Augen. Jetzt hat man in München eben, wie Laimer sagt, „noch ein paar Dinge zu erledigen“, dann geht es mit dem ÖFB-Team zur WM nach Amerika. „Ebenfalls ein Traum“, so Laimer, der die Gruppengegner Argentinien, Jordanien und Algerien „extrem cool“ findet. „Eine richtige WM-Gruppe, kein zweites europäisches Team dabei und alles Gegner, gegen die ich noch nie gespielt habe“, so Laimer, der sich auf das Duell mit Messi freut, das Auftreten des Weltstars aber auch nicht überbewertet: „Ich habe ja schon gegen ihn auf Klubebene gespielt.“

Geht es für Laimer und Co so weiter, könnte er den Gegnern als frisch gebackener Triplesieger noch mehr Respekt einflößen.