Wenn unablässig Autos am Wohnhaus vorbeiziehen, dann kann das den Schlaf empfindlich stören: Straßenverkehrslärm gehört zu den häufigsten Lärmquellen in Europa. Langjährige Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass dauerhafte Lärmbelastung mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist.
Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz zeigt nun, dass Verkehrslärm auch den Schlaf stört: Selbst relativ geringer Lärm löst demnach messbare Stressreaktionen aus und Straßenlärm kann bereits nach einer einzigen Nacht das Herz-Kreislauf-System schädigen.
Lärmschutz ist Herzschutz
Im Rahmen der Studie stellten die deutschen Forschenden fest, dass selbst Verkehrslärm von durchschnittlich rund 41 bis 44 Dezibel messbare Stressreaktionen im Körper auslösen kann. „Die Studie liefert Hinweise darauf, dass akuter nächtlicher Straßenverkehrslärm direkt in die Regulation des Gefäßsystems eingreift“, betont Studienleiter Omar Hahad.
Die Studienautoren plädieren daher für konsequente Lärmschutzmaßnahmen, wie beispielsweise Tempo 30 und mehr Grünflächen als natürlichen Schallschutzpuffer. „Lärmschutz ist Herzschutz: Jede Dezibel-Reduktion bedeutet weniger Stress für Gefäße, weniger Entzündung im Blut – und langfristig weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle“, betont Kardiologe Thomas Münzel.
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Schnarchen so laut wie ein Staubsauger
In Österreich ist laut Bundesumweltamt ein beträchtlicher Prozentsatz der Bevölkerung in der Nacht über 55 Dezibel (dB) ausgesetzt. „Das entspricht etwa der Lautstärke eines in zehn Meter Entfernung vorbeifahrenden Autos“, erklärt Gerald Icha, Hörakustik-Experte von Neuroth, anlässlich des Tages gegen Lärm am 29. April. Noch lauter kann es im eigenen Schlafzimmer werden – und zwar ganz ohne Verkehr. Schnarchen kann zum Beispiel eine Lautstärke von 60 bis 70 Dezibel erreichen, was beinahe so laut ist wie ein Staubsauger.
Lärm kann nicht nur zu Schlaflosigkeit führen, sondern wirkt sich auch auf das vegetative Nervensystem aus: „Ab einer Umgebungslautstärke von rund 50 Dezibel nimmt im Alltag bereits die Konzentrations- und Lernfähigkeit nachweislich ab“, sagt Gerald Icha. Wichtig sei, dass unsere Ohren zwischendurch zur Ruhe kommen – tagsüber und vor allem in der Nacht. Helfen kann dabei auch ein individuell angepasster Schlafschutz, den man in der Nacht im Ohr trägt und der störende Geräusche reduziert. Das Läuten des Weckers hört man aber trotzdem.