Im Fall um mögliche Erpressung mit vergifteten Babykostgläschen soll die Polizei neben dem Burgenland auch in Oberösterreich suchen. Das berichtet der „Spiegel“. Das Magazin beruft sich dabei auf die bayerische Polizei: Dieser zufolge werde neben dem Burgenland auch in Oberösterreich gesucht. Weitere Einzelheiten nannte die Ingolstädter Kriminalpolizei, die die Ermittlungen führt, aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Die oberösterreichische Polizei sei in derlei Ermittlungen derzeit nicht involviert, hieß es am Sonntagnachmittag von der Landespolizeidirektion.
Zuvor war bekannt geworden, dass im Fall um mögliche Erpressung mit vergifteten Babykostgläschen von Hipp ein zweites manipuliertes Behältnis im Burgenland gekauft worden sein dürfte. „Wir gehen davon aus, dass zumindest noch ein zweites Glas unterwegs ist“, sagte Polizeisprecher Helmut Marban am Sonntag auf APA-Anfrage. Das Produkt könnte, so wie das am Samstag in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sichergestellte Glas, mit Rattengift versehen sein.
Das am Samstag in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sichergestellte Gläschen, dessen Inhalt bei einer Untersuchung positiv auf Rattengift getestet wurde, war bei Spar in Eisenstadt gekauft worden, bestätigte Marban. Auch das zweite Produkt, das sich noch im Umlauf befindet, soll von dort stammen. Auf dieses Geschäft dürfte sich auch ein Hinweis an die Ermittler bezogen haben, der nach anfänglichen Erhebungen in Deutschland auf behördlichem Weg zur heimischen Polizei gelangt war. In Tschechien und der Slowakei seien ebenfalls markierte Gläser polizeilich sichergestellt worden, hieß es bereits am Samstagabend in einer Aussendung.
Indes hat die Staatsanwaltschaft Eisenstadt Ermittlungen wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung aufgenommen. Das teilte Behördensprecherin Petra Bauer am Sonntagvormittag auf APA-Anfrage mit. „Eine genaue toxikologische Untersuchung des sichergestellten Glases wurde angeordnet“, sagte Bauer. Es gehe jetzt vorrangig „um Gefahrenabwehr“, skizzierte sie den derzeitigen Ermittlungsstand.
Kommentar
Ermittlungen in Bayern
Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord bestätigte der APA inzwischen Ermittlungen in Deutschland. Zuvor hatte die deutsche Presseagentur dpa berichtet, dass die Kriminalpolizei Ingolstadt die Erhebungen führt und koordiniert und in engem Kontakt mit dem Unternehmen steht. Deutschland sei nicht von manipulierten Hipp-Gläschen betroffen. Hipp hat jedoch seinen Firmensitz in Pfaffenhofen an der Ilm in Bayern. Weitere Einzelheiten wurden aus ermittlungstaktischen Gründen laut dpa nicht genannt, auch eine Erpressung wurde nicht bestätigt. Gegenüber der APA hieß es seitens des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, dass am Sonntag keine Auskunft mehr zu dem Fall erteilt werde.
Manipuliertes Hipp-Glas noch im Umlauf
Die Polizei appellierte zur Vorsicht, insbesondere in Bezug auf dieses möglicherweise manipulierte Behältnis, das noch im Umlauf sein dürfte. Nach aktuellem Ermittlungsstand seien verdächtige Produkte erkennbar an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden. Hinzu komme ein geöffneter oder beschädigter Deckel und ein fehlender Sicherheitsverschluss, wodurch das sogenannte Knack-Geräusch beim ersten Öffnen fehlt.
Das zuletzt in Schützen am Gebirge sichergestellte Glas - der Inhalt schlug bei einer Untersuchung positiv auf Rattengift an - wurde in einer Spar-Filiale in Eisenstadt gekauft, sagte Marban weiters. Auf dieses Geschäft dürfte sich ein Hinweis an die Ermittler bezogen haben, der nach anfänglichen Erhebungen in Deutschland auf behördlichem Weg zur heimischen Polizei gelangt war. In Tschechien und der Slowakei seien ebenfalls markierte Gläser polizeilich sichergestellt worden, hieß es bereits am Samstagabend in einer Aussendung.
Kein Foto wegen Nachahmer-Gefahr
Ein Foto des am Samstag sichergestellten Glases veröffentlicht die burgenländische Polizei indes nicht. Marban verwies hier auf die Gefahr möglicher Nachahmer, insbesondere hinsichtlich des weißen Aufklebers und des roten Kreises am Glasboden. Dass es in der Causa um Erpressung geht, bestätigte Marban nicht. Generell äußerte er sich auch nicht zu konkreten Ermittlungsschritten und möglichen Verdächtigen. Es gebe laufende Ermittlungen in Deutschland, „die ich nicht konterkarieren möchte“. Welche deutsche Region betroffen ist, ließ der Polizeisprecher ebenfalls offen.
Weiterhin bittet die Polizei auch um Hinweise unter der Telefonnummer +43-5913310-3333. Hier seien seit dem späten Freitagabend „viele Telefonate von besorgten Bürgerinnen und Bürgern eingegangen“, zog Marban Zwischenbilanz. Die Exekutive mahnte auch zur Vorsicht, vor allem in Bezug auf das möglicherweise manipulierte Behältnis, das noch im Umlauf sein dürfte. Die Bevölkerung solle „aufmerksam bleiben“ und schauen, „ob vielleicht ein Glas in den letzten Tagen gekauft worden ist und man noch nicht darauf gekommen ist“, betonte Marban im APA-Gespräch.
Nach aktuellem Ermittlungsstand seien verdächtige Produkte erkennbar an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden. Hinzu komme ein geöffneter oder beschädigter Deckel und ein fehlender Sicherheitsverschluss, wodurch das sogenannte Knack-Geräusch beim ersten Öffnen fehlt. Das bereits sichergestellte Produkt habe zudem in Konsistenz und Geruch verdorben gewirkt, skizzierte Marban.
Der Rückruf aller Babykostgläschen von Hipp bei Spar Österreich war am späten Freitagabend bekannt geworden. Konkret geht es um den Artikel „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel“ 190 Gramm. Dass Rattengift beigemengt worden sein könnte, zeichnete sich ab Samstagabend ab, Gesundheitsministerium und Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sprachen daraufhin davon, dass „besondere Vorsicht geboten ist, bis der Fall vollständig aufgeklärt“ ist.
Bei Spar wurden umgehend sämtliche Artikel „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel“ aus dem Sortiment genommen. „Bei 1.500 Filialen in Österreich war das eine ordentliche Menge“, sagte Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann am Sonntag auf APA-Anfrage. Noch keinen Überblick hat man bei Spar, wie viele Gläser zusätzlich von Konsumentinnen und Konsumenten in die Filialen zurückgebracht wurden.
Auf die Frage, ob ein Erpresserschreiben vorliegt und inwieweit es Bezüge zu einem deutschen Ermittlungsverfahren gibt, hielt sich die Sprecherin bedeckt. Dazu könne man „in Absprache mit der Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen“, meinte Berkmann.
AGES rät zu Wachsamkeit
Infolge dessen kann es zu einer verminderten Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen. Mögliche Folgen davon sind Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken und Blut im Stuhl. Die AGES rät Eltern, die bei ihren Kleinkindern diese Symptome in Verbindung mit extremer Schwäche oder Blässe feststellen, unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen und diese zu informieren, ob ihr Kind zuletzt Babykost zu sich genommen hat.
„Bei entsprechender ärztlicher Behandlung, insbesondere durch die Gabe von Vitamin K, ist die Vergiftung gut behandelbar“, betonte die AGES.
Strengere Regeln für Verkauf seit 2026
Rattengift aus dem Baumarkt? Wenn es nach der EU geht, ist das bereits seit 1. Jänner 2026 nicht mehr erlaubt. Denn seither gilt ein neues EU-weites Gesetz, das den Verkauf von Rattengift an Privatleute verbieten soll. Die Europäische Biozidverordnung (EU 528/2012) ist die Basis dafür. Künftig soll eine Abgabe von Rodentizide, die umgangssprachlich als „Rattengifte“ bezeichnet werden, nur noch an geschulte Personen erfolgen. Betroffen davon sind Produkte mit den Wirkstoffen Brodifacoum, Bromadiolon, Chlorophacinon, Coumatetralyl, Difenacoum, Difethialon oder Flocoumafen.
Fall erinnert an deutschen Supermarkt-Erpresser
Der Fall weckt Erinnerungen an einen deutschen Supermarkt-Erpresser, der im September 2017 fünf mit Ethylenglycol vergiftete Gläschen mit Babynahrung in Geschäften in Friedrichshafen am Bodensee deponiert hatte. Er forderte einen zweistelligen Millionenbetrag und drohte, er werde bei Nichtzahlung 20 Gift-Anschläge in ganz Deutschland verüben.
Bevor er seine Drohungen umsetzen konnte, wurde der Täter, nach dem eine 220-köpfige Sonderkommission „Apfel“ gefahndet hatte, von der deutschen Polizei ausgeforscht und festgenommen. Auf die Spur war man ihm dank Bildern aus Überwachungskameras in Supermärkten gekommen. Der damals 54-Jährige wurde im Oktober 2018 vom Landgericht Ravensburg wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer räuberischer Erpressung zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht ging davon aus, dass der Mann, der als Motiv Geldnot angab, den Tod von Kindern billigend in Kauf genommen hatte.
Weiterer Deutscher drohte mit Zyankali
Bereits im Juli 2017 hatte ein 74-jähriger Deutscher in Bonn drei Jahre und neun Monate für die versuchte Erpressung des deutschen Süßwarenherstellers Haribo sowie der Supermarktketten Lidl und Kaufland ausgefasst. Er hatte unter anderem mit der Vergiftung von Gummibärchen und Tiefkühlpizza gedroht. Motiv: Altersarmut und hohe Schulden. Der Mann verlangte eine Million Euro in Bitcoins, hatte es aber bei der bloßen Drohung mit Zyankali belassen.
Im Juni 2022 wurde in Italien ein 47-jähriger Mann aus Triest festgenommen, nachdem er Supermärkten gedroht hatte, Mineralwasser und Lebensmittel mit Zyanid und Rattengift zu vergiften, sollte er nicht Geld in Form von Kryptowährung erhalten. Betroffen waren auch Unternehmen in Österreich, die Festnahme erfolgte in Zusammenarbeit mit der österreichischen Polizei und Europol.
Mit Rattengift versetzte Praline für Spitzer Bürgermeister
Ein besonders spektakulärer Kriminalfall ereignete sich im Zusammenhang mit Rattengift hierzulande im April 2008 in der Wachau. Der damalige Bürgermeister von Spitz an der Donau wurde mit einer mit Strychnin versetzten Mon-Cheri-Praline vergiftet. Man hatte ihm die mit einer mehrfach tödlichen Dosis präparierte Süßigkeit unter Beilage einer Glückwunschkarte hinter den Scheibenwischer seines Pkws geklemmt.
Der Ortsvorsteher erlitt nach dem Verzehr einen Herzstillstand und verlor das Bewusstsein. Er konnte zwar reanimiert werden, blieb aber wegen irreparabler Hirnschäden ein Pflegefall.
Ein mit ihm verfeindeter Heurigenwirt wurde als Täter ausgeforscht, da sich dessen DNA-Spuren auf dem beigelegten Billet nachweisen ließen. Er wurde am Ende wegen versuchten Mordes rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt. Mehrere Anträge des Heurigenwirts auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurden von der Justiz abgewiesen.