Ohne Blaulicht, vollkommen unauffällig, dafür mit Kennerblick und dem richtigen Riecher sucht der Inspektor akribisch nach Spuren – genauer gesagt nach Schmutz, Schimmel und anderen unhygienischen Zuständen. Der Mann arbeitet für die Lebensmittelaufsicht der Landeshauptstadt Klagenfurt und hat den Auftrag, in einem etablierten Lokal in der Innenstadt nach dem Rechten zu sehen. Also wirft er einen prüfenden und vor allem strengen Blick in einen der Kochtöpfe und nimmt Messer und Schneidebretter etwas genauer unter die Lupe. Zum Abschluss rührt er mit einem eigenen Mess-Stab im Frittieröl. Aber, alles in Ordnung.
Rund 2000 solcher Kontrollen führen die insgesamt sechs Lebensmittelinspektoren bei den rund 2500 lebensmittelverarbeitenden oder -erzeugenden Betrieben in Klagenfurt pro Jahr durch. In diesem Jahr waren es bislang 1485 Kontrollen (Stand: 1. Oktober) „Wir kontrollieren die Nahrung vom Acker bis zum Teller, also bei allen Erzeugern und Händlern“, erklärt Reinhard Harrer, seines Zeichens Sachgebietsleiter in der Behördeneinheit. Oft gehen die „Schnüffler vom Dienst“ Hinweisen nach, oft brauchen sie einen starken Magen. Abgelaufene Lebensmittel sind dabei noch das geringste Übel.
Tierhaare, Batterien und Schädlinge
„Neben Darmbakterien, haben wir auch schon Fremdkörper im Essen gefunden“, erzählt Harrer aus der Praxis. Unter Fremdkörper versteht er Glassplitter, Tierzähne, Tierhaare, aber auch Metallteile und sogar Batterien. „Schädlinge in verzehrfertigen Speisen, Lebensmitteln und Rohstoffen erfordern oftmals rasches Handeln“, fügt Harrer weiter aus. Eine besondere Herausforderung besteht, wenn ein lebensmittelbedingter Krankheitsausbruch gemeldet wird. Die Suche nach der Ursache wird dann zur Detektivarbeit. „Dies gelingt dann nur in intensiver Zusammenarbeit mit den Amtsärzten und der Lebensmitteluntersuchungsanstalt.“
Neben einem guten Riecher und einem starken Magen müssen die sechs Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht für die Ausführung ihres Jobs eine Ausbildung mitbringen. Diese umfasst 480 theoretische Unterrichtseinheiten in Wien sowie eine praktische Ausbildung über 960 Einheiten bei der entsprechenden Behörde. Dann, nach einem Jahr, folgt noch eine Prüfung, zuerst eine fünfstündige schriftliche, dann noch eine mündliche Prüfung über eine Stunde. „Freilich müssen sich die Mitarbeiter laufend fort- und weiterbilden“, ergänzt Reinhard Harrer.
Unangemeldete Kontrollen
Mit einer Checkliste, Laptop und sterilem Werkzeug rücken die zwei Frauen und vier Männer zu den amtlichen Kontrollen, die grundsätzlich unangemeldet durchgeführt werden, aus. Und die „Gäste“ sind nicht immer gern gesehen. „Die Reaktionen der Unternehmer sind unterschiedlich – von überrascht bis gefasst“, erzählen die Kontrolleure. Und natürlich gibt es auch jene, die abwertend und aggressiv reagieren. Im schlimmsten Fall wird dann eine Kontrolle mit polizeilicher Unterstützung durchgeführt. Abhängig vom Kontrollzweck, wie beispielsweise bei einer landesweiten Schwerpunktaktion im August dieses Jahres explizit bei Kebabbetrieben, werden bauliche und hygienische Aspekte und vor allem der Umgang mit Fleisch, Fisch und Gemüse überprüft. Darüber hinaus werden Dokumente, wie Hygieneschulungen, der Warenfluss, Herkunfts- und Allergenkennzeichnungen überprüft.
Werden Mängel festgestellt, gibt es zunächst eine Verwarnung. Wenn die Mängel binnen einer gewissen Frist nicht beseitigt werden, drohen Geldstrafen, in weiterer Folge Anzeigen (bei Verwaltung oder Gericht) und – im schlimmsten Fall – sogar Betriebsschließungen, wie auch schon in diesem Jahr. Wiederkehrende mikrobielle Verunreinigungen, sprich Bakterien, Pilze und andere Viren waren die schlimmsten Vergehen in diesem Jahr.