Welchen Karriereweg soll ich gehen? Dieser Frage muss man sich in Österreich schon früh widmen – erste Weichen werden schon nach der Volksschule im zarten Alter von zehn Jahren gestellt und dementsprechend häufig entscheiden eher die Eltern über die Laufbahn. Darauf deutet auch die Erhebung „Bildung in Zahlen 2022/23“ von Statistik Austria hin: Neun von zehn Schülerinnen und Schülern, die eine AHS-Unterstufe abschließen, besuchen danach eine maturaführende Schule. Die Flexibilität, die unser Bildungssystem eigentlich ermöglicht, wird häufig nicht genutzt. Eine Lehre wird von so manchem Elternhaus von vornherein nicht in Betracht gezogen. Und das, obwohl sie sehr erfolgsversprechend ist. Der Lehrabschluss bringt den schnellsten Berufseinstieg mit sich: Durchschnittlich 32 Tage nach der Abschlussprüfung starten Lehrlinge im Job durch (Bildung in Zahlen 2021/22).

Das komplette Gespräch zum Anschauen

Modern und chancenreich

Zudem bietet die Lehre Chancen, mit der kaum eine andere Ausbildung mithalten kann. Das betonten auch die Teilnehmer des Kleine Zeitung-Business Talks, den wir als Einstieg unserer Kampagne „Jobs mit Zukunft“ am 22. April in Klagenfurt veranstalteten.

Die Lehre ist etwa in vielerlei Hinsicht moderner als die schulische Ausbildung. Andreas Görgei, Geschäftsführer des Wifi Kärnten, dazu: „Das entwickelt sich dynamisch. Die Unternehmen melden: Da gibt es ein Berufsbild, das passt nicht mehr. Das wird unter den Sozialpartnern besprochen und wenn die sich einig sind, kann der Beruf schon im nächsten Lehrjahr geändert sein. Damit sind wir um Lichtjahre agiler und schneller als jedes Schulsystem.“ „Dem Befund kann ich recht geben“, unterstreicht Peter Wedenig, Geschäftsführer des AMS Kärnten: „Der Impact, der von außen kommt, wirkt hier viel schneller. Der Konkurrenzdruck und die Nachfrage am Markt wirken sich direkt auf das Lehrbild aus.“

Bei Schnuppertagen in die Berufswelt eintauchen
Bei Schnuppertagen in die Berufswelt eintauchen © Adobe Stock

Die Lehre ist aber nicht nur dynamisch, sondern auch besonders vielfältig, meint Christoph Appé, Referatsleiter für Lehrlinge und Jugend bei der Arbeiterkammer: „So gute Ausbildungsmöglichkeiten wie wir sie heute haben, hat es in Österreich zuvor noch nie gegeben. Die Lehre ist nicht das Ende der Fahnenstange, die Möglichkeiten sind nach oben hin offen. Es passiert sehr viel Gutes in diesem Bereich, man muss es nur annehmen und nutzen. Dazu gehört auch, den Berufsorientierungsunterricht und die berufspraktischen Tage in der Schule nicht als Nebensache zu sehen, sondern diese Chance zu ergreifen und vielleicht in weiterer Folge den Job für die Zukunft zu finden.“

Der Job für die Zukunft – das heißt nicht nur ein Beruf, der zukunftssicher ist, sondern auch einer, der ein Leben lang spannend bleibt und im besten Fall Freude macht. Peter Wedenig weiß: „Egal, welchen Beruf man ausübt, er muss immer sinnstiftend sein. Und das Modell der Lehre an sich ist etwas Sinnstiftendes. Anders als in der akademischen Ausbildung erschafft man etwas. Das entspricht auch dem Zeitgeist: Jugendliche wollen etwas entstehen lassen, blühen lassen. Der Wirtschaftsstandort Kärnten ist hier breit aufgestellt und bietet sehr viele Möglichkeiten.“ Andreas Görgei ergänzt: „Wir wollen die Menschen zu den Themen bringen, für die sie brennen.“ Und die Auswahl ist groß, weiß Christoph Appé: „Wir haben in Kärnten 167 verschiedene Lehrausbildungen. Man kann den Jugendlichen nur raten, hier aus dem Vollen zu schöpfen und sich nicht zu sehr auf die zehn beliebtesten Jobs zu fokussieren.“

Im handwerklichen Beruf erzielt man Ergebnisse zum Angreifen
Im handwerklichen Beruf erzielt man Ergebnisse zum Angreifen © Adobe Stock

Deutschland macht es vor

Die Palette reicht von der Augenoptik bis hin zur Zerspanungstechnik - wichtig ist, den Jugendlichen diese Vielfalt an Möglichkeiten näherzubringen. Und genau da setzen wir mit der Kampagne „Jobs mit Zukunft“ an. Über die nächsten Wochen werden Sie in der Kleinen Zeitung immer wieder über zukunftsweisende Berufsausbildungen und Karrierewege lesen. Denn wer gut informiert ist, hat die Chance, starre Strukturen zu durchbrechen.

Dass die Karrierewege in Österreich besonders oft noch traditionellen Vorbildern folgen, zeigt auch ein Blick zu unseren Nachbarn. Andreas Görgei: „In Deutschland beginnen 22 Prozent der Abiturienten nach dem Abitur mit einer Lehre. Bei uns machen dies nur zwei Prozent der Maturantinnen und Maturanten. Das hat damit zu tun, dass den jungen Menschen eingeredet wird, sie hätten mit einem Studium die interessantesten Jobs, die besten Einkommenschancen und die höchste Reputation. Dieses Problem kommt ganz stark aus dem Elternhaus und wir müssen hier ansetzen, damit sich das ändert.“

In Kooperation mit:

Diese Serie erscheint als Medienkooperation der Kleinen Zeitung und wird von den teilnehmenden Unternehmen finanziell unterstützt.