Österreichische Produkte werden für den Weltmarkt zu teuer. Für ein Land mit kleinem Inlandsmarkt und großer Abhängigkeit vom Export wächst daraus ein veritabler Wettbewerbsnachteil, dem die neue Regierung entschieden entgegentreten muss. Ein Blick in den Rückspiegel zeigt die Dramatik: 2024 verzeichnete Österreich einen der stärksten Lohnanstiege innerhalb der Eurozone. Während die Löhne pro Kopf laut Europäischer Kommission hierzulande um 7,3 Prozent in die Höhe kletterten, fiel der Zuwachs in Deutschland mit 4,8 Prozent und im Durchschnitt der Eurozone mit 4,3 Prozent wesentlich moderater aus.

Problematisch ist das deshalb, weil parallel das Produktivitätswachstum nicht mit dem kräftigen Lohnkostenanstieg Schritt halten konnte. Das führte zu einer Verteuerung der Lohnstückkosten. In Österreich liegt der diesbezügliche Zuwachs seit über zehn Jahren durchgehend deutlich über dem EU-Schnitt. Von 2015 bis 2023 erfuhren die nominellen Lohnstückkosten hierzulande einen Anstieg von mehr als 30 Prozent. Die Kostensteigerung in Österreich liegt damit beispielsweise deutlich über jener des wichtigsten Handelspartners Deutschland. In den vergangenen beiden Jahren vergrößerte sich der Abstand aber deutlich.

So stiegen die Lohnstückkosten 2023 in der EU durchschnittlich um 6,6 Prozent – in Österreich um 9,7 Prozent. 2024 lag der EU-Wert bei 4,3 Prozent – in Österreich bei 7,2 Prozent. Im einschlägigen Ranking sackte Österreich damit vom 16. auf den 23. Platz ab. Auch in Japan, den USA und der Schweiz blieben die Kostensteigerungen moderater, was die Konkurrenzfähigkeit österreichischer Produkte am Weltmarkt weiter schwächt. Die Entwicklung ist zu einem strukturellen Standortnachteil geworden.

WK-­Steiermark-Präsident Josef Herk
WK-­Steiermark-Präsident Josef Herk © WKO/Wolf

„Gerade in der aktuellen konjunkturellen Schwächephase wirkt sich das fatal aus“, warnt der steirische Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk: „Die hohen Arbeitskosten wirken als Wachstumshemmnis, wir verlieren an preislicher Wettbewerbsfähigkeit.“ Das „Hausaufgabenheft“ für die neue Regierung sei daher gut gefüllt, um im Tandem mit Sozialpartnern dem Negativtrend bei Lohnstückkosten entgegenzuwirken.

Herk erwartet sich aus dem neuen Regierungsprogramm heraus gezielte Maßnahmen zur Attraktivierung des Standorts und Unterstützung der Unternehmen. Konkret gefordert werden kostensenkende Maßnahmen, etwa im Bereich der Lohnnebenkosten, die Sicherung wettbewerbsfähiger Energiepreise und eine Reduktion der alles lähmenden Bürokratie. Um die Produktivität zu steigern, drängt er darauf, den Fokus auf exzellente Ausbildung, lebenslanges Lernen und den effizienten Einsatz neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz und Robotik zu lenken.