Die Erinnerung ist überfüllt mit Sorgen, Ängsten und Aufregung. Anfang vergangenen Winters trieb die unsichere Versorgungslage bei Gas die Energiepreise schnell und massiv in die Höhe. Schmerzvoll wurde die Verwundbarkeit der heimischen Unternehmen in Sachen Energieversorgung durch die einseitige Abhängigkeit von Russland spürbar. Auch wenn gegenüber damals die Preise jetzt wieder gefallen sind: Laut Internationaler Energieagentur sind die aktuellen Gaspreise in Europa noch immer bis zu vier Mal so hoch wie in den USA und dreimal so hoch wie in China.

Der hohe Anteil der Energie an den Gesamtproduktionskosten wirkt sich damit unverändert negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen aus. Denn gerade auf den internationalen Märkten ist der Konkurrenzdruck hoch und die Möglichkeit der Preisweitergabe gering. Das drückt in der Exportwirtschaft die Erträge und kann mittelfristig zur Auslagerung wichtiger Produktionen führen, darüber hinaus sind auch KMU massiv betroffen, warnt man bei der WKO.

Die Gefahr ist noch nicht gebannt. Denn die angepeilten Ausbauziele für erneuerbare Energiequellen als Alternative sind komplex und kostspielig. Damit diese Kosten nicht von den Endverbrauchern, also Konsumenten und Unternehmen, getragen werden müssen, schlägt das IWS in Zusammenhang mit der Energiewende einen kostenneutralen Ausbau der Netzinfrastruktur vor. Die Netztarife in der Steiermark würden im Bundesländervergleich ohnehin im Spitzenfeld liegen. Auch der Ausbau von Speicherinfrastruktur dürfe nicht verhindert beziehungsweise verzögert werden, verweist man als warnendes Beispiel auf der Koralm. Die internationale Kulisse düstert sich schon wieder ein: Mit dem aktuellen Krisenherd im Nahen Osten steht eine Region im Fokus, aus der ein Drittel der globalen Erdölimporte kommt.

WKO_Praesidium am 27.05.2020
Herbert Ritter, Vizepräsident WK Steiermark © Foto Fischer

Herbert Ritter, Vizepräsident WK Steiermark

„Die Kombination aus steigenden Lohn- und Energiekosten sind für einen exportorientierten Standort ein Ritt auf der Rasierklinge. Um die Wertschöpfung zu halten, braucht es Hochtechnologie-Produkte, die wir gegen Ausverkauf schützen müssen.“

Monika Zechner, Obfrau WK-Fachgruppe Holzindustrie
Monika Zechner, Obfrau WK-Fachgruppe Holzindustrie © Foto Fischer

Monika Zechner, Obfrau WK-Fachgruppe Holzindustrie

„Die hohen Energiekosten wirken wie ein Brandbeschleuniger für die Inflation. Preise und Zinsen steigen, die Verbraucher sind verunsichert. die Unternehmen verlieren Wettbewerbsfähigkeit. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, um Menschen und Unternehmen zu entlasten.“

Heinz Regula, Landesinnungsmeister Lebensmittelgewerbe
Heinz Regula, Landesinnungsmeister Lebensmittelgewerbe © Melbinger

Heinz Regula, Landesinnungsmeister Lebensmittelgewerbe

„Die „Die Energiepreise haben sich verdreifachtt, Entspannung ist nicht in Sicht. Die Preissenkung bei Fernwärme nach den massiven Erhöhungen sind eine Augenauswischerei. Es ist katastrophal, wenn nicht bald etwas passiert. Ich hoffe auf eine politische Lösung.“