Wir könnten in dieser Wohnung am Grazer Griesplatz einem Durchschnittsmann begegnen, einem 28-jährigen Kärntner, über dessen Wohnung wir dann wohl sagen würden: Hier hat eine Frau eingerichtet. Oder: Dieser Mann liebt es blumig. Egal, der Travestiekünstler hat sich ohnehin dafür entschieden, seine Gäste als Cora Hard zu empfangen, und lässt uns auch gleich wissen, warum wir in seinem Zuhause sicher Augen machen werden: „Travestie ist die Kunst der Verwandlung, bei der man aus einem Durchschnittsmann eine Frau schafft, die schillernd und glamourös wird, die Weiblichkeit in Extremform.“ Coras Vorlieben? „Halligalli, Pink, gewagte Outfits, Fotos und der Hang zum Extremen.“ Der Einrichtungsstil, der dazu passt: „Gediegen ausgeflippt“, sagt Cora. Das war allerdings nicht immer so. Früher hatte sie es eher „schneeweiß, Hochglanz, mit weniger Farbe“ um sich. Ohne Glitzer ging es freilich nie.
Cora hat es vor zehn Jahren nach Graz verschlagen, nach drei Mietwohnungen begann sie vor einem Jahr in einem Dachgeschoß am Grazer Griesplatz Wurzeln zu schlagen. Die 94 Quadratmeter große Maisonette ist Eigentum. Zu den Kaufargumenten zählte neben der „Badewanne“ vor allem die 21 Quadratmeter große Dachterrasse – auf der bereits üppig das Gemüse in die Höhe rankt. „Alles selbst gepflanzt“, sagt die Dame des Hauses. Und alles selbst gehegt und gepflegt. Soweit dafür halt die Zeit ist zwischen den Bühnenauftritten mit ihren „Grazien“, wie sich Coras Ensemble nennt.
Aber wer interessiert sich schon für Blattsalat und Balkonblumen, wenn er einen Blick in Coras Wohnung werfen darf? Das berühmte offene Koch-, Ess-, Wohnzimmer lassen wir hier auch gerne außen vor. Wir fragen lieber ganz ungeniert: Wo ist das Kleiderzimmer? Denn wo Cora ist, muss es mehr als „70 Perücken, 150 Kostüme und vier Koffer Schminke“ geben. Voilà: Gleich neben dem Schlafzimmer befindet sich der Raum, der wirklich voller Stoff für Träume ist: „Alle Kostüme sind selbst entworfen, angefertigt von bis zu fünf Schneidern und aufwendig selbst mit Strasssteinen oder Federn verziert.“ Der „Durchschnittsmann“, der hinter Cora steckt, war zum Glück schon vieles in seinem Leben: auch Modeschmuckdesigner und Visagist. Das mit dem Schminken hat er folglich auch ganz gut im Griff: Cora, das kann das Resultat von bis zu drei Stunden Arbeit sein. „Wenn es sein muss, bin ich aber auch in 10 Minuten geschminkt“, lacht die Dame ganz getreu ihrem Lebensmotto: „A bissl mehr geht immer.“ Der Rest ist Improvisation. Und großes Theater.