GARTENTIPPIhr Auftritt, bitte!

Der Garten ruht nie, man muss nur die Augen offen halten beim Rundgang. Auf den zweiten Blick zeigt sich gar manches kleine Blühwunder.

Sie sind Frostexperten und läuten gerne das Gartenjahr ein: die zarten Schneeglöckchen © FOTOLIA
 

Zugegeben, angesichts der anhaltenden viel zu milden Temperaturen büßen die Winterblüher ein wenig von ihren sonst so spektakulären Auftritten in Schnee und Eis ein: Der Winterjasmin zeigt sich überschüttet mit gelben Blüten, als wäre soeben der Frühling ausgerufen worden; die zartrosa Kugeln des Duftschneeballs verströmen unaufhörlich ihr Parfum; selbst die Zaubernuss mit ihren wuscheligen Blütenbüscheln steht in nichts nach. Sie musste bisher nicht einmal das pflanzeneigene Frostschutzmittel aktivieren oder ihre strahlenden Blüten als schützende Sofortmaßnahme einrollen.

Tipps und Tricks kennen diese frühen Blütenboten genug. Weil es noch an Licht und Wärme als Energielieferant mangelt, haben sie mit raffinierter Taktik in den Zwiebeln, Knollen oder Rhizomen als Reserve Stärke und Mineralstoffe eingelagert. Es pressiert ihnen allen, denn nur so lange Bäume und Sträucher noch kahl sind, haben diese kleinen Vorboten die Chance, genug Licht zu tanken, kurz, aber üppig zu blühen und für die Vermehrung zu sorgen.

Erster ist fast immer das Schneeglöckchen, denn hat sich der Boden auf Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt erwärmt, ist das der Startschuss für den zarten Vorfrühlingsboten, das neue Gartenjahr einzuläuten. Freilich ist es noch sehr früh, Fröste und Schneefälle werden nicht ausbleiben. Zum Glück haben die porzellanenen Geschöpfe einen Frostschutz eingebaut, indem sie Zucker in Stärke umwandeln und so den Minusgraden besser widerstehen, auch wenn es den Anschein hat, sie würden hilflos darniederliegen.

Pflanze der Woche

Die Winter-Heckenkirsche (Lonicera x purpusii), ein duftender Winterzauber, strebt mit ihren cremeweißen Blüten zwischen Dezember und April unaufhörlich der Sonne entgegen. Auch das Laub verbleibt in nicht zu harten Wintern an dem bei uns seltenerem Gehölz aus der Familie der Geißblattgewächse. Der wintergrüne Strauch, der bis zu zwei Meter hoch werden kann, ist  anspruchslos, was Standort und Boden betrifft, er wächst in jeder Gartenerde. Gepflanzt werden kann die Winter-Heckenkirsche in Hecken, lockeren Gruppen mit anderen Gehölzen oder allein, auf jeden Fall in der Nähe von Gehwegen, um ihren Duft ausgiebig zu genießen.

Auch ihr Name ist Programm unter den Frühstartern: die Winterlinge, die mit Bravour dem Schnee und der Kälte trotzen. Auch sie sind gewappnet, wird es gar zu ungemütlich, schließen sie einfach ihre dottergelben Blüten inmitten der grünen Halskrause. Fühlt sich Eranthis hyemalis wohl, überziehen alsbald Blütenteppiche den Winterboden.

Ja, und dann ist da noch das „immerblühende“ Gänseblümchen, kaum hat es sich im Spätherbst mit Laubkrause verabschiedet, ist es andernorts lange vor Weihnachten schon wieder zur Stelle und verwandelt sonnige Plätze zu kleinen Blühwundern.
Es sind die kleinen Zeichen, die in Zeiten, da angeblich vollkommene Winterruhe herrscht, vom Neuanfang künden. Wir werfen staunende Blicke auf winzige Schönheiten, die Knospen der Kornelkirsche etwa, die ein feines gelbes Gespinst entfalten und zu den ersten Nektartankstellen zählen.

Buch der Woche

Ihm gehört eine der bedeutendsten Liebhabergärtnereien in Mitteleuropa, jetzt teilt der Staudengärtner Christian Kreß aus Ort im Innkreis seine Leidenschaft für Stauden mit seinen Lesern: „Meine Welt der Stauden. Staudenbeete anlegen, pflegen und verändern“ (Ulmer, 30,80 Euro) nennt sich die Publikation. Für alle Standorte lassen sich passende Pflanzen finden, die geschickt kombiniert zu den unterschiedlichsten Gartentypen passen. Mithilfe von unzähligen Profitricks lassen sich lebendig wirkende Beete und Gartenbilder schaffen, die ihr Aussehen im Jahreslauf vielfältig ändern. Zudem lädt der Autor zu Reisen an die Standorte seiner Lieblinge ein.

Keiner hat diese Augenblicke besser beschrieben als Karel (C)apek in „Im Jahr des Gärtners“: „Wenn Sie genauer schauen – dabei müssen Sie den Atem anhalten –, finden Sie Knospen und Keimlinge fast überall. Mit einem tausendfachen zarten Puls steigt Leben aus dem Boden empor. Und wir, die Gärtner, lassen nicht mehr locker, eine neue Lebenskraft treibt uns an.“

Noch einer ruht mit Garantie nicht, der Maulwurf. In winterfriedlichen Zeiten, wenn kein Schritt stört und kein Geratter von Gartengeräten nervt, läuft er unterirdisch zur Hochform auf: Sieben Meter in der Stunde schafft der pelzige Geselle, die Auswurfhügel als Etappenziele nicht mitgerechnet.

Was jetzt im Garten zu tun ist

Kübelpflanzen im Keller regelmäßig auf Schädlinge untersuchen, eingelagerte Knollen und Zwiebeln ab und zu kontrollieren.
Immergrüne Pflanzen, auch wenn es im Winter feucht zu sein scheint, an frostfreien Tagen regelmäßig gießen, da sie durch Wintersonne und durch Kälte leicht austrocknen können.
Auf geordnete Vogelfütterung achten, die gefiederten Freunde verlassen sich auf die Futterplätze, leere Vogelhäuschen verursachen bei ihnen unnötigen Stress.
Wenn wirklich nichts mehr zu tun ist, bleibt Zeit, um Gartenkataloge und Saatgutangebote zu studieren und sich mit der Planung für das neue Gartenjahr zu befassen, Pflanzpläne zu erstellen und Projekte zu entwerfen.

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