Es geht schon im Paradies mit dem Baum der Erkenntnis los, von dessen Früchten Adam und Eva die Finger lassen sollten. Wie überliefert, kam es anders. Da Eva in vielen Darstellungen, etwa bei Lucas Cranach dem Älteren, einen rotbackigen Apfel in Händen hält, wird folgerichtig auf einen Apfelbaum geschlossen. Das soll ein Trugschluss sein und das Gewächs nach jüdischer Überlieferung etwa ein Granatapfelbaum sein.

Kein Zweifel als Paradiesausstattung besteht beim Feigenbaum, immerhin mussten seine Blätter für den ersten Bekleidungsversuch herhalten, als Adam und Eva ihre Nacktheit bedeckten – aller Mode Anfang sozusagen.

Diptam wird auch „brennender Busch“ genannt
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Rund 120 Gewächse nennt das Alte und Neue Testament namentlich, von A wie Aronstab bis Z wie Zwiebel. Der Hirtenstab des Propheten Aron, Bruder von Moses, steht gleich für zweifache Pflanzendeutung. Zum einen soll der Stab Blätter getrieben und reife Mandeln getragen haben, andererseits trägt auch die krautige Pflanze Arum seinen Namen. Die Zwiebel wiederum hat es gerade mit einer Nennung in die Bibel geschafft, als die Israeliten beim Auszug aus Ägypten ihren Verlust bedauern.

Der Akanthus symbolisiert mit seiner Symmetrie die vollkommene Schöpfung
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Wenn wir schon in der Wüste sind, der brennende Dornbusch, in dem Gott Moses erschien, war eine „heilige Brombeere“, sie wird heute noch als Mutterpflanze am Fuße des Berges Sinai gepflegt. Ein Steckling davon gedeiht im Botanischen Garten in Hamburg. Aber auch der Diptam wird „brennender Busch“ genannt. An heißen Tagen strömt er ätherische, entzündbare Dämpfe aus, dieser Umstand beschert ihm die Verbindung mit dem brennenden Dornbusch in der Bibel, obwohl er weder Dornen noch Stacheln hat.

Auch die Lilien des Feldes sollen nicht nur wortwörtlich genommen werden. Neben der Madonnenlilie, dem christlichen Symbol der Reinheit, sind auch Kornblume, Kornrade und Mohnblume gemeint.

Die Madonnenlilie ist ein christliches Symbol der Reinheit
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In vielen Gleichnissen der Bibel spielen Pflanzen eine Rolle. Um ihre besondere Botschaft zu unterstreichen, wurden Bibelgärten angelegt. Während Klostergärten eine lange zurückreichende Tradition haben, sind Bibelgärten ein relativ junges Phänomen. Als ihre Vorläufer gelten die angelsächsischen botanischen Gärten des 19. Jahrhunderts, die Pflanzen aus dem Heiligen Land präsentierten.

Richtig in Schwung kamen die Themengärten erst 2003, als die christlichen Kirchen das Ökumenische Jahr der Bibel feierten – mit unterschiedlichen Konzepten: vom Auszug aus Ägypten in sechs Stationen (Moses-Bibelgarten) bis zum groß angelegten Rundgang durch die Heilige Schrift vom Paradies bis zum Grab Christi.

Anderen wiederum lag die biblische Pflanzenvielfalt am Herzen, heißt es doch „der Same ist das Wort Gottes“ (Lukas 8, 11–15). Wer kennt etwa den Syrischen Akanthus, der mit seiner Blüte und seiner Symmetrie die vollkommene Schöpfung symbolisiert? Auch der eine oder andere Irrglaube wird beseitigt. So trägt die Pfingstrose, die übrigens kein Kind unserer Bauerngärten ist, sondern schon die alten Perser erfreute, ihren Namen nicht, weil sie um Pfingsten blüht, sondern weil ihre Samen als Heilmittel gegen das Stottern eingesetzt wurden und die Jünger beim Pfingstfest laut Bibel „in tausend Zungen sprachen“.

Staunen Sie beim Rundgang durch das eigene grüne Paradies, wie viel Bibel mit Apfel, Christrose, Feige, Efeu, Ginster, Jakobsleiter und Judasbaum, Lorbeer, Myrte, Weinstock, Wermut, Ysop und Zistrose vor ihrer Haustüre wächst.

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