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WohnporträtNeues Wohnprojekt in Graz-Gries

Das Ergebnis eines internationalen Arechitektenwettbewerbs kann sich sehen lassen: Es ist ein Vorzeigeprojekt mit einer gelungenen Verbindung zwischen denkmalgeschütztem Altbau und Neubau geworden.

Gemütlich wohnen auf 42 Quadratmetern © (c) oliver wolf
 

Die Häuser in der Griesgasse spiegeln das wider, was den gleichnamigen Bezirk in Graz ausmacht: Es ist eine kunterbunte Mischung, ein spannendes Miteinander. Kein Haus gleicht dem anderen. Der Gries war immer „das Viertel der gewerblichen Bürger“, sagt Architekt Christian Andexer. Etwa in der Gassenmitte - dort, wo nun lange Zeit ein Loch zwischen zwei Fassaden klaffte - wurde früher Fleisch verkauft. Seit wenigen Monaten steht hier ein neues Wohngebäude.

Architektin Ulrike Bogensberger ist Mieterin der ersten Stunde. Als sie 2017 von den Bauherrn Alexander Pongratz und Helge Leinich beauftragt wurde, einen Architektenwettbewerb für das Projekt zu organisieren, ahnte sie noch nicht, dass sie selbst einmal begeistert die Chance ergreifen und hierher übersiedeln würde. Aber der Reihe nach, denn das neue Gebäude ist nicht der ganze Teil der Geschichte - auch ein altes Haus gehört dazu.

Barocke Fassade

Früher verfügte das denkmalgeschützte Gebäude über eine barocke Fassade und Stuckdecken, allerdings wurden sie im Laufe der Jahre erfolgreich unter einer Menge (Farb-)Schichten versteckt. Der Dachstuhl war nicht mehr zu retten, die Zwischendecke(n) morsch. Es galt also, das denkmalgeschützte Haus zu revitalisieren und um einen Neubau zu ergänzen. Das gelang bravourös.

Zum Projekt

Ein denkmalgeschütztes Haus in der Griesgasse 28 in Graz wurde revitalisiert und um einen Neubau ergänzt. In vier Gebäudeteilen entstanden so auf rund 1378 m² Nutzfläche 23 geförderte Wohnungen von 32 bis 100 m², die meisten mit Freifläche. Über Fußbodenheizung (Fernwärme) verfügen alle.

Baukosten: 2500 netto/m².

Architekt: Christian Andexer

Bauherren: Alexander Pongratz, Helge Leinich.

Restaurator: Hubert Schwarz.

Mietinfos unter: Tel. (0316) 82 15 41

Architekt Christian Andexer schuf eine einzigartige Verbindung zwischen den - auf den ersten Blick so unterschiedlichen - Häusern. Man betritt sie durch einen gemeinsamen Eingang, sie teilen sich Lift und Stiegenhaus. Eichen-Vollholz, Holzparkett, Glas, eine dezente Farbgebung, großzügige Bäder - all das ist im alten wie auch im neuen Bereich bestimmend.

Fällt die Eingangstür ins Schloss, sperrt man das quirlige Griesviertel aus. Ein Laubengang verbindet Alt und Neu - an der Wand die Installation eines lokalen Künstlers. Der Gang öffnet sich zu einem gepflegten Hof, in dem noch Ende letzten Jahres der Grundstein für die Begrünung gelegt wurde. Auch die Dachflächen sollen in frischem Grün leuchten, sobald der Frühling nachhilft.

Einblicke in das Wohnprojekt Gries: Wohnporträt

Projekt Graz-Gries

In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und der ASVK wurde ein internationaler Architektenwettbewerb ins Leben gerufen, den Architekt Christian Andexer für sich entscheiden konnte. Hier der Plan zum Projekt.

Architekturbüro Christian Andexer

Laubengang

Die Idee des ursprünglichen Laubengangs wurde wieder aufgenommen - er trennt den Altbau vom Neubau. Den Komplex aus 23 Wohnungen betritt man durch nur eine Tür.

(c) oliver wolf

Hofseite

Ein Gang verbindet Alt und Neu, außerdem bedeutet er mehr Privatsphäre für die Mieter. Rechts ein Blick auf die Maisonettwohnungen.

(c) oliver wolf

Große Fensterflächen

Viel Licht für die Wohnenheiten bringen breite Fensterfronten.

(c) Peter Eder

Privater Raum

Ein privater Außenbereich, den keiner einsehen kann, ist an jede der Maisonettwohnungen angegliedert.

(c) Peter Eder

Wohnküche

Die Organisatorin des Architektenwettbewerbs, Architektin Ulrike Bogensberger, zog im Oktober 2018 selbst eine der Wohneinheiten. Die Kleine Zeitung durfte eintreten.

(c) oliver wolf

Ruhezone

Zeit für ein Nickerchen auf der Couch. Die Wohnungen sind wie ein langes Rechteck gebaut - in der Mitte das Bad, zur Straße hin Freifläche in Terrassenform mit verschließbaren Lamellen.

(c) oliver wolf

Hofseite

Neben der Küchenzeile versteckt sich ein Abstellraum. Pflanzen zieren die Fensterfront zum Hof.

(c) oliver wolf

Maisonette

Der Stiegenaufgang einer der hellen Maisonettwohnungen.

(c) oliver wolf

Küchen- und Essbereich

Vollholz, Eichenparkett und helle Farben dominieren im gesamten Gebäudekomplex.

(c) oliver wolf

Dachgaube

Die größte Wohneinheit im alten Gebäudeteil liegt im Dach - Profil geben ihr schräge Wände und Gauben.

(c) oliver wolf

Neubau

Im dritten Stock hat man einen schönen Blick über die Dächer von Graz.

(c) oliver wolf

Willkommen

Eingangsschild hinter der einzigen Tür zu den vier Gebäudeeinheiten.

(c) oliver wolf

Entwurf

Der Entwurf des Architekten von der Griesgasse aus gesehen.

Architekturbüro Christian Andexer

Team

Gelungene Umsetzung: das Team rund um Architekt Christian Andexer (2. von rechts).

(c) Lorenz Andexer

Bad

Großzügig angelegt sind die Bäder - sie sind großteils mit großen Duschen ausgestattet und barrierefrei zu begehen.

Oliver Wolf

Die Bauherren

Oben: die Bauherren Alexander Pongratz, Helge Leinich, unten: Architekt Christian Andexer, Mieterin Ulrike Bogensberger

(c) oliver wolf
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Spanische Wand

Zur Straße hin zeigt der Neubau jeden Tag ein anderes Gesicht, denn die Bewohner selbst sind Mitgestalter des Außenauftritts. Wer den Alltag aussperren will, schließt die „spanischen Wände“ vor den Terrassen zur Straße hin. Der Freiraum hält die Straße auf Abstand. Durch die Perforierung bleibt man unentdeckt, sieht aber, was sich draußen tut.

Die neun Wohnungen selbst strecken sich tief in den Hof hinein. Von Ost nach West - von der Morgen- bis zur Abendsonne dringt viel Licht in die Räume. Wo im Hof einst Fleischer ihr Handwerk verrichteten, sind nun schmucke Maisonettewohnungen entstanden, rechts davon eine Einheit mit kleineren Wohnungen. Insgesamt ist es ein großer Komplex, dennoch kommt man sich nicht wie in einer Siedlung vor.

Vielleicht liegt das auch daran, dass man sich hier nicht gegenseitig ins Essen schauen und trotzdem miteinander in Kontakt bleiben kann. Ein Gang umrahmt die Stockwerke im Hof, schafft einen Sichtschutz und wiederum eine Verbindung zum denkmalgeschützten Wohngebäude. Die Wohnungen des Neubaus etwa sind so vom Hof aus - trotz der großen Glasfenster - nicht einzusehen.

Ulrike Bogensberger, Mieterin der ersten Stunde, hat ihr Fenster zum Hof den Zimmerpflanzen gewidmet - eine Oase in der Wohnküche. 42 Quadratmeter Wohlfühlraum hat sie im Neubau für sich erobert. Mit Blick über die Dächer von Graz.

 

Kommentare (1)

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10solach
0
3
Lesenswert?

...ein spannendes Miteinander.

Toll formuliert 😂

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