Der seit April neue Casinos-Austria-CEO Erwin van Lambaart verpasst dem Glücksspielkonzern eine neue Strategie. Einerseits stehe die Attraktivität des Glücksspiels im Fokus, andererseits müsse der Spielerschutz weiter ausgebaut werden, erklärt der Niederländer.

Nach den Einschränkungen durch die Pandemie hätten sich die vergangenen Monate gut entwickelt. "Allerdings sind November und Dezember für uns wichtig. Dann sehen wir, ob die Casino-Besuche anhalten oder es nur ein kurzfristiger Trend war", sagt van Lambaart.

Er sehe ein Casino als touristischen Magnet, der für die Region von Bedeutung sei. "Jedes Bundesland hat seine eigene Identität", so van Lambaart. Daher müsse man auch regional darauf reagieren. Bereits unter seiner Vorgängerin Bettina Glatz-Kremser wurde in Baden ein Wirtschaftsclub ins Leben gerufen. Unternehmerinnen und Unternehmer sollen als Mitglieder im Klub die Wirtschaft und den Tourismus der Stadt ankurbeln und damit auch das Geschäft im Casino. Schließlich seien dem Casino seit Ausbruch der Pandemie viele Gäste ferngeblieben, die es wiederzugewinnen gäbe.

Erwin van Lambaart
Erwin van Lambaart
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Er schätze Österreich und die Tradition, aber diese stehe bisweilen der Innovation im Wege, merkte van Lambaart an. So sei die Digitalisierung des Unternehmens ein weiterer, wesentlicher Punkt seiner Strategie.

In den Casinos Baden, Bregenz sowie an zwei weiteren Standorten sind Experience Zones geplant. In diesen Casino-Bereichen könne bereits mit geringen Einsätzen gespielt werden. Darüber hinaus solle auch der "Entertainment value", der Unterhaltungswert, gesteigert werden. Den Vorwurf, damit eine neue Klientel heranzuziehen, die der Spielsucht verfalle, lässt er nicht gelten.

Bei den bisherigen Einsätzen an den übrigen Casino-Tischen und Automaten will van Lambaart nichts ändern. "Es gibt Leute, die kommen zwei- bis dreimal in der Woche, um mit einem geringen Einsatz zu spielen. Aber es gäbe auch Spieler, für die seien Einsätze von 10, 100 oder 1000 Euro in Ordnung und finanziell kein Problem.

Abgesehen davon will Casinos Austria den Spielerschutz weiter verstärken. Im April 2023 sollen noch strengere Maßstäbe gelten. Vor allem jüngere Casino-Besucher seien gefährdet. Wobei lediglich rund ein Prozent der Besucher anfällig seien, in die Spielsucht abzugleiten, verweist der CEO auf entsprechende Daten aus den Niederlanden.

Starke Online-Konkurrenz

Vor allem bei den Online-Spielen seien nicht lizenzierte Anbieter eine starke Konkurrenz. Er verstehe nicht, dass viele Online-Glücksspielanbieter in Österreich aktiv seien, obwohl diese Aktivitäten illegal seien. "Wir haben online nur einen Marktanteil von 50 Prozent", so Lambaart. Er spreche sich daher weiterhin für entsprechende Maßnahmen aus, um dies zu unterbinden. In der Praxis bedeute dies jedoch, einerseits ein attraktives Angebot – etwa durch neue Spiele – zu haben und den Schutz auszubauen, ohne jedoch die Kunden zur illegalen Konkurrenz zu treiben.

Wenn die Lizenzen für die Casinos in Österreich 2027 bzw. 2030 neu vergeben werden, wolle sich die Casinos Austria für alle 12 Standorte bewerben. Derzeit wisse man nicht, wie das Verfahren zur Lizenzvergabe aussehen werde. Aber bisher habe es Casinos Austria gut verstanden, Glücksspiel und soziale Verantwortung unter einen Hut zu bringen, etwa durch das Sponsoring von Kultur und Sport. Wobei er dies etwa beim Sportsponsoring weiter ausbauen werde: Männer, Frauen oder Personen mit Einschränkungen müssten gleichermaßen gefördert werden.