Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Jede 2. Filiale sperrt zuKahlschlag bei der Commerzbank: 10.000 Stellen fallen weg

Deutsche Commerzbank setzt radikal den Rotstift an: Personalabbau bis zum Jahr 2024 geplant. In Deutschland betrifft Abbau jeden dritten Arbeitsplatz.

© (c) APA/AFP/dpa/BORIS ROESSLER (BORIS ROESSLER)
 

Wenige Wochen nach seinem Antritt setzt Commerzbank-Chef Manfred Knof zum großen Kahlschlag an. In Deutschland streicht er jeden dritten Arbeitsplatz und macht jede zweite Filiale dicht. Weltweit fallen 10.000 Stellen weg, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. "Wir wollen uns auf die Stärken der Commerzbank konzentrieren und damit ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig sichern", sagte Knof, der Anfang des Jahres das Ruder von Martin Zielke übernommen hatte.

Die Kosten sollten in allen Bereichen erheblich sinken, die Rentabilität steigen. Die Commerzbank arbeitete seit fast einem Jahr an einer neuen Strategie, nachdem die im Herbst 2019 angekündigten Umbaupläne bei Anlegern und Analysten durchgefallen waren.

Derzeit noch knapp 40.000 Vollzeitstellen

"Unsere Ziele sind sehr anspruchsvoll, aber wir werden alles Notwendige tun, um sie zu erreichen", sagte der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Knof. Konkret plant die zweitgrößte deutsche Privatbank, die Zahl der Filialen auf 450 von derzeit 790 zu reduzieren. Die Bankangebote sollen generell digitaler werden. Insgesamt 1,7 Mrd. Euro will der Vorstand für den Ausbau der IT in den kommenden vier Jahren in die Hand nehmen. Gleichzeitig sollen die Kosten bis 2024 um rund 1,4 Milliarden Euro, also um etwa ein Fünftel, im Vergleich zu 2020 sinken. In den kommenden Tagen beraten die Gremien über die Pläne, am 3. Februar will der Aufsichtsrat darüber entscheiden. Die Bank hat in den vergangenen Jahren immer wieder Tausende Jobs abgebaut, derzeit zählt sie noch knapp 40.000 Vollzeitstellen.

Die Maßnahmen sollen die Bank profitabler machen. Die Eigenkapitalrendite (RoTE) solle bis 2024 auf 6,5 bis sieben Prozent steigen, kündigte Knof an. 2019 lag diese Kennziffer bei 2,4 Prozent. Mit dem letzten Ziel einer Eigenkapitalrendite von vier Prozent musste der damalige Chef Zielke harsche Kritik von Investoren einstecken. Der Streit mit Großaktionär Cerberus eskalierte, im Sommer 2020 nahm Zielke dann zusammen mit dem damaligen Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann den Hut.

Verlust in Milliardenhöhe

Die Pläne für die Restrukturierung liegen seit Monaten in der Schublade. Knof hatte den Chefposten aber erst im Jänner von Zielke übernommen und wollte sich zunächst selbst ein Bild machen. Bereits wenige Tage nach seinem Start machte er in der Bilanz reinen Tisch: Er schrieb rund 1,5 Milliarden Euro auf Firmenwerte ab und erhöhte die Risikovorsorge für faule Kredite auf 1,7 Milliarden Euro. Zudem verbuchte die Bank wegen eines Jobabbaus zusätzliche Kosten von 610 Millionen Euro im vierten Quartal. 2020 dürfte deshalb ein Verlust in Milliardenhöhe angefallen sein. Die Ergebnisse stellt Knof am 11. Februar vor.

Insgesamt rechnet die Bank mit Umbaukosten von 1,8 Milliarden Euro, die komplett aus eigenen Mitteln finanziert würden. Die Aufwendungen sollen bis Ende 2020 vollständig in der Bilanz erfasst sein. Wegen ihrer starken Ausrichtung auf deutsche Mittelständler belastet die Coronakrise die Commerzbank besonders stark.

 

Kommentare (8)
Kommentieren
Hapi67
0
5
Lesenswert?

Zuerst 2000, dann 4000

geplante Stellenreduktion, nachdem das Management nicht mehr mitwollte dieses getauscht und siehe die erfreuliche Endbilanz-es werden 10.000.
Gute Nachricht für die Boniempfänger-mit guten Willen geht es.
Dazu knapp 700 Millionen, in der Vergangenheit schon mehrere Hunderte Millionen Euro um das Personal loszuwerden-es läuft und läuft.

Nur gut für diesen und andere Vorzeigebetriebe, dass der Normalverbraucher bei diesen Zahlen vorher aussteigt.
Sonst könnten unschöne Bilder in den Medien auftauchen.
An diesem und vielen anderen Beispielen sieht man, wie Menschen und Zahlen geschoben werden und Staaten nur mehr machtlos zuschauen können.

Hapi67
0
4
Lesenswert?

Liebe KLZ

Fände es spitze, wenn Ihr bei Berichten wie Novomatic, Bezos und Tusk, Facebook vs. Apple, Commerzband und anderen Berichten auch kritische Ergänzungen/redaktionelle Meinungen ergänzend dazu bringen würdet.

KleineZeitung
0
2
Lesenswert?

Anregung

Ihre Anregung habe ich an die Kollegen weitergeleitet.
Mit freundlichen Grüßen,
die Redaktion

joe1406
1
10
Lesenswert?

Heuchelei

Auf Kernkompetenzen konzentrieren heißt ganz einfach, dass 30.000 die Arbeit von 40.000 machen werden. Das einzige was die großen Manger gelernt haben ist, dass bei Großbetrieben auch mit 50% der Belegschaft nichts den Bach runter geht. Außer natürlich die gekündigten Mitarbeiter und die Gesundheit jener die bleiben "dürfen".

pregwerner
1
9
Lesenswert?

Interessante Rhetorik


Lt. dem Artikel werden Brutto 10.000 Arbeitsplätze bis 2024 abgebaut.

Wie viel Arbeitsplätze sind das genau Netto?

KleineZeitung
0
3
Lesenswert?

Brutto/Netto

Danke für den Hinweis. Ein Kollege hat den Bericht korrigiert und um neue Informationen und Reaktionen ergänzt.
Freundliche Grüße,
die Redaktion

compositore
0
5
Lesenswert?

Nehme an,

hier handelt es sich um eine Mischung von natürlichem Abgang (Pension) und echten Kündigungen.

compositore
0
3
Lesenswert?

Irrtum

meinerseits, sorry!