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In LeopoldsdorfEs geht um 150 Jobs: So soll Agrana-Zuckerfabrik gerettet werden

Ein Branchenpakt soll die Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf retten. is Mitte November müssen Rübenbauern den Anbau von 38.000 Hektar zusagen.

© (c) APA/HARALD SCHNEIDER (HARALD SCHNEIDER)
 

Ein Branchenpakt soll die niederösterreichische Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf im Marchfelde mit 150 Mitarbeitern für die nächsten drei Jahre retten. Das ist das Ergebnis eines Treffens von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) mit Vertretern der Zuckerbranche. Die Rübenbauern müssen bis Mitte November 38.000 Hektar Anbaufläche zusagen, heuer lag sie bei 26.000 Hektar.

Landwirtschaftsministerin Köstinger, NÖ-Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (beide ÖVP), Agrana-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart und Rübenbauernverband-Chef Ernst Karpfinger haben einen "Pakt zur Rettung des heimischen Zuckers" unterzeichnet, unter anderem mit einer Wiederanbauprämie in Höhe von 250 Euro pro Hektar Schadfläche. Die Kosten für die geplante Prämie teilen sich der Bund und die betroffenen Bundesländer. Außerdem übernimmt die Agrana die Kosten für das Saatgut beim Wiederanbau. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir ein deutliches Signal an die Bauern aussenden", sagte Landwirtschaftsministerin Köstinger am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Wiederanbauprämie werde das Risiko für die Rübenbauern minimieren. Ziel des Pakts sei es, die Versorgungssicherheit in Österreich mit Zucker sicherzustellen.

"Wir werden die Landwirte wieder zurückzuholen"

Das Aus für die Zuckerfabrik Leopoldsdorf sei vom Tisch, wenn bis Mitte November die mit den Bauern vereinbarte Rübenanbaufläche für die Jahre 2021 bis 2023 auf 38.000 Hektar steige, sagte Agrana-Chef Johann Marihart. Dann wäre der Standort für die nächsten drei Jahre gesichert.

Ende August hatte der Agrana-Konzern wegen der stark gesunkenen Zuckerrübenanbaufläche in Österreich das Aus der Rübenzuckerfabrik in Leopoldsdorf im Jahr 2021 anvisiert. Die Agrana - bekannt durch die Marke "Wiener Zucker" - betreibt in Tulln und Leopoldsdorf die zwei einzigen Zuckerfabriken in Österreich.

Weiters fixiert wurde im Rahmen des Branchenpakts die mögliche Notfallzulassung von Neonicotinoid-haltigen Pflanzenschutzmitteln für die Saatgut-Beizung, inklusive wissenschaftlicher Prüfung durch das Bundesamt für Ernährungssicherheit und ein begleitendes Bienenmonitoring. Umweltschutzorganisationen kritisieren den Einsatz von Neonicotinoiden und bringen das Mittel in den Zusammenhang mit dem Bienensterben.

Der Obmann des österreichischen Rübenbauernverbandes, Ernst Karpfinger, will in den kommenden Wochen die Bauern überzeugen, im nächsten Jahr deutlich mehr anzubauen. "Wir werden die Landwirte wieder zurückzuholen." Er sei zuversichtlich, dass die Bauern die anvisierte Anbaufläche von 38.000 Hektar zusagen, aber es werde "eine große Herausforderung". Karpfinger zeigt sich "sehr froh" mit dem heute unterzeichneten Pakt.

Rübenrüsselkäfer und Trockenheit

Auch der niederösterreichische Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) war mit den Ergebnissen des heutigen "Rübengipfels" zufrieden. Er rechne damit, dass der Standort Leopoldsdorf gesichert sei. "Die heimischen Bauern wollen produzieren, man muss sie aber auch lassen", so Pernkopf. Eine lokale Zuckerproduktion sei auch aus Umweltgründen sinnvoll. "Für jedes Kilo Zucker, das nicht in Europa produziert wird, brennt der Regenwald."

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Zuckerrübenanbaufläche in Österreich fast halbiert. Der Rückgang hat mehrere Gründe: Der Anbau für die Bauern wurden wegen gesunkener Preise weniger lukrativ und massiver Schädlingsbefall durch den Rübenrüsselkäfer und Trockenheit ließen die Ernteaussichten deutlich sinken.

 

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