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"Herzstillstand"In der Autobranche droht eine Pleitewelle

Conti-Chef Degenhart: "Unsere Branche hat in Europa einen Herzstillstand erlitten" - Kompletter Wechsel auf alternative Antriebe hält er erst bis 2040 für möglich.

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Der Chef des deutschen Autozulieferers Continental, Elmar Degenhart, erwartet für den Fall eines anhaltenden Nachfrageeinbruchs wegen der Coronakrise drastische Folgen für die gesamte Autobranche. Die Politik müsse daher gegensteuern.

Schon der schwierige Strukturwandel aus Digitalisierung, E-Mobilität und Assistenzsystemen sei für viele kleine Firmen kaum zu schaffen, sagte der Conti-Vorstandsvorsitzende im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Obendrauf kommt eine Marktkrise, die so seit 1930 nicht mehr da war. Wenn sich im Sommer keine deutliche Belebung des Marktes in Europa abzeichnet, befürchten wir trotz aller Stützungsmaßnahmen eine Reihe von Konkursen."

Verschärfung des Sparkurses

Bei Continental selbst war in einer internen Videokonferenz jüngst von einer möglichen Verschärfung des Sparkurses die Rede. "Auch bei Continental ist eine Garantie für den Fortbestand mancher Jobs nicht mehr möglich", sagte Degenhart. "Es dürfte dazu kommen, dass wir über Kündigungen verhandeln müssen." Er sorge sich aber auch um andere.

"Viele Unternehmen haben im Vergleich zum gesunkenen Umsatz jetzt zu hohe Kosten. Bei einer nur langsamen Erholung können wir das mit Maßnahmen wie Kurzarbeit nicht aussitzen." Man tue alles, um Ausgaben "intelligent" zu senken und Stellenstreichungen zu minimieren. Hätten die Maßnahmen keinen Erfolg, könnten zahlreiche Jobs wegfallen - "in Deutschland und Europa sowie in Hochlohnländern rund um die Welt".

Der deutschen Schlüsselbranche machen ausbleibende Autokäufe und Probleme in den Lieferketten zu schaffen. Bei Herstellern stauen sich die Fahrzeuge in den Lagern, bei Zulieferern gehen die Bestellungen in den Keller.

"Schwierigstes Quartal der Nachkriegszeit"

"Das zweite Quartal wird wohl wirtschaftlich das schwierigste der Nachkriegszeit werden", meinte Degenhart mit Blick auf große Lieferanten ganzer Ausstattungssysteme wie Conti. Auch gesamtwirtschaftlich sei die Lage dramatisch: "Das Ausmaß der Krise ist ungleich höher als das, was wir 2009 durchlebt haben. Das zeigen die Arbeitslosenzahlen in Amerika sowie die Kurzarbeit in Europa."

Das bisherige Konjunkturprogramm des deutschen Bundes sieht der Manager mit gemischten Gefühlen. "Dieses 130-Milliarden-Paket beinhaltet eine Vielzahl positiver Elemente für die Gesamtwirtschaft." Die Absenkung der Mehrwertsteuer bis zum Jahresende werde zwar "einen gewissen Effekt" haben. Aber der Ausschluss moderner Verbrenner aus den Autokaufprämien sei für ihn enttäuschend, so Degenhart: "Man muss sich vergegenwärtigen, dass E- und Hybridautos in Deutschland einen Marktanteil von 8 Prozent haben. Das zeigt, dass die Wirkung begrenzt bleiben wird." Sehr gut seien dagegen die aufgestockte Förderung der Ladeinfrastruktur sowie der Ausbau von Forschung und Entwicklung.

"Branche hat in Europa Herzstillstand erlitten"

"Unsere Branche hat in Europa einen Herzstillstand erlitten", betonte Degenhart. "Ein solcher lässt sich nicht mit einer hohen Dosis Vitamin C beheben - es bedarf vielmehr eines Defibrillators." Es hätte kräftigerer Konjunkturimpulse bedurft. "Diese Chance wurde verpasst." Wichtig sei Unterstützung aus der Politik nun vor allem beim Thema Energiekosten: "Sie bleiben in Deutschland mit am höchsten, die EEG-Umlage könnte 2021 einen erheblichen Sprung machen." Das Finanzierungskonzept der Energiewende müsse auf den Prüfstand.

Einen kompletten Wechsel von Verbrennern auf alternative Antriebe hält Degenhart in der Autoindustrie erst bis 2040 für möglich. Die Geschwindigkeit des US-Elektroauto-Pioniers Tesla könne man mit deutschen Anbietern nur schwer vergleichen. "Das Unternehmen hat nicht dieselbe Produktbasis wie ein traditioneller Hersteller mit einem Volumen von fünf bis zehn Millionen Fahrzeugen pro Jahr, die transformiert werden müssen. Der Ansatz war der einer Neugründung auf der grünen Wiese und Nischenproduktion." Besonders wertvoll sei Tesla wegen seiner Kompetenz bei Elektronik, Programmierung und Vernetzung.

Kommentare (52)

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wischi_waschi
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Entscheidung

Ich, habe mich schon entschieden , habe mir ein Pferd gekauft.
Da kann sicher nichts mehr schief gehen.
Die Autobranche hat nicht das "Corona" kaputt gemacht, sondern dafür ist alleine die Regierung schuld , mit Ministern die keine , aber schon keine Ahnung von der Autoindustrie hat.
Ja , ich bin auch der Meinung das viele Autohändler in die Pleite schlittern werden...………...

Amadeus005
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Individualverkehr ist sowieso eine Sackgasse

Wenn pro Person 1000 kg zu bewegen sind. Egal ob Diesel oder Batterie. Bei einem öffentlichen Verkehrsmittel sind es rund 200 kg. Spart also sehr viel Energie.

top8
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Die befürchtung

ist auch dass magna gerade jetzt die produktion weg aus graz und der steiermark in billiglohnländer verlegt! Und dass sind 1000 ende arbeitsplätze!

melahide
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Natürlich

wird sie das machen. Das ist eben der Preis dafür dass man viel auf ausländische Investoren setzt und Konzerne. Österreich bzw ganz Europa muss neue Wege gehen! Produktionen müssen nach Österreich zurück kommen. Die Zukunft kann nur sein, dass wieder viele Klein- und Mittelbetriebe entstehen die der Konsument so brav umgebracht hat. Weil die importierte Semmel aus Polen 20 Cent billiger ist. Natürlich fallen bei uns dann die Arbeitsplätze weg! Und ohne „CO2“ Steuer, die heimische Produkte billiger und importierte teurer macht, geht es halt nicht!

fwf
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Wunsch

Natürlich wäre es gut, die Produktion wichtiger Güter wieder nach Österreich zu bringen, aber ohne Importzölle wird das bei den unterschiedlichen Produktionskosten nicht gehen. Da zeigt sich der Unsinn der Handelsabkommen, vorallem wenn es lebensnotwendige Güter betrifft (Semmel, Fleisch, Getreide, Medikamente,...)

melahide
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Jo

Verkehrswende gehört ohnehin eingeläutet. Kutschenbauer ist auch nur noch eine Liebhaberei! Außer Fahrzeuge mit E-Motor sollte gar nichts mehr gebaut werden!

Die Wirtschaft muss sich wandeln und neue Jobs müssen entstehen. 3/4 unser Kinder werden später in Berufen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Und die Schule von gestern soll sie darauf vorbereiten!

Wichtig wird in Zukunft nur sein, dass jeder Mensch dennoch ein würdevolles Leben haben kann. Mit einem Arbeitsplatz der Zukunft und den restlichen mit einem Grundeinkommen!

UVermutung
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@Melanie Du hast recht...

...bis auf's bedingungslose Grundeinkommen. Es ist würdelos. So oft in der Geschichte ist es nicht vorgekomman, aber es war immer die Ursache für Degeneration und soziale Verwerfungen.
Es gibt genug zu tun mit Recycling, Herstellen und Reparatur von reparablen Geräten, nachhaltige Landwirtschaft, Verbesserung der Energieeffizienz in Produktion, Transport und Gebäuden, Verringerung der eutrophierung. Zahlreiche soziale, künstlerische, medizinische und wissenschaftliche Aufgaben.
Es wird einen ganz schwindlig was alles zu tun ist...

melahide
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Was

sagen da 32 Daumen nach unten? Wir können nicht so verschwenderisch weiter machen wie bisher. Und die Autoindustrie hat ihren Anteil

Kristianjarnig
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Die mittlerweile 34 Daumen nach unten zeigen das Sie ein bißchen auf dem falschen Dampfer sitzen.

Willkommen in der Realität. "Nichts anderes bauen als mit E-Motor", basierend auf welchem Wissen? Strom kommt aus der Steckdose, schon klar....
Und Öl aus der Pipeline.

Man sollte sich schon eigene, vollstäandige Gedanken über ein Problem machen und nicht das wiederkauen was einem die Medien - je nach politischer Lage - so mitteilen.

melahide
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Auch

der von Basti favorisierte Wasserstoff treibt einen E-Motor an! Und wirkt nach dem gleichen Prinzip wie ein E-Auto. Nur das die Energie nicht im Akku gespeichert wird sondern der Wasserstoff, vereinfacht ausgedrückt, als Energieträger zur Steomgewinnung dient. Wasserstoff braucht zur Produktion aber Unmengen an Strom. Quasi verbrauche ich Strom um etwas zu erzeugen das Strom produziert. Wenn Wasserstoff mit erneuerbarer Energie produziert wird kann die Rechnung aufgehen! Öl zu Benzin zu raffinerieren braucht ebenso Unmengen an Strom. Mal abgesehen davon, dass Öl einmal gefördert wird, mit Schweröl betriebenen Tankern um die halbe Welt geschifft wird, mit Tanklastwagen weiter, dann erst verarbeitet wird (Strom ohne Ende), dann wieder mittels Lastwägen zu den Tankstellen kommt und dort den Schaden anrichtet!

Alles was das beendet ist gut!

UVermutung
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@kristian noch ein vollständiger Gedanke...

Wenn wir all die fossilen Energieträger die im Erdmittelalter über jahrmillionen über Algen und Farne und sonstige lebewesen aus der luft in den Untergrund eingelagert wurden, wieder in die Luft blasen, werden wir eine Atmosphäre haben wie im Erdmittelalter.
Dagegen ist dein Steckdosenproblem relativ überschaubar...

Kristianjarnig
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@UVermutung...

....jein. Würde ich sagen. Die E-Technik ist bestenfalls eine Zwischentechnologie die bei weitem noch nicht ausgereift ist, ich rede hier nicht von der Elektrik, die ist ok. Schon lange gibt es Top Bürstenlose Motoren mit exzellenten Wirkungsgraden.

Das Problem liegt aber beim Akku und obwohl es riesige Fortschritte gibt ist die TEchnik nicht massentauglich. Langzeitstudien fehlen. Klar. Gibt es ja noch nicht so lange. Und ich nutze Akkus(LiPos) ziemlich viel, RC Sport, E-Bike. Schon seit fast 17 Jahren. Die Fortschritte sind da, keine Frage. Trotzdem ermüden die Akkus recht schnell, im E-Autobau wird ein bißchen "getrickst" indem man in Akkus mehr Zellen einbaut als sie benötigen und damit merkt man anfangs den Schwund nicht(bis die Reserven alle verbraucht sind).

Die E-Mobilität stellt uns alle vor große Probleme - ich fahre z.b. regelmäßig 1100km mit meinem Diesel. Innerhalb von 10 Stunden bin ich am Ziel. Nun planen Sie mal so eine Reise mit einem E-Mobil. Und dann kalkulieren wir vielleicht noch Urlaubsverkehr und überfüllte Ladestationen mit ein wo man dann auch mal länger warten muß bis man drankommt.

Die E-Mobilität hat derzeit ihre Nische - ich würde sagen Stadtverkehr bzw. Pendelverkehr bei dem man IMMER sein Auto in der eigenen Garage an der Wallbox vollladen kann. Solarpanels wären besser.

Hat man gar nur eine "Sternderl"(also unter freiem Himmel, wie so viele) Garage dann wird E-Mobilität richtig mühsam kann ich mir vorstellen.

Stratusin
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Glauben sie wirklich,

die Erde und die Menschheit hat nur ein Problem? Und zwar das man 1.100 km ohne Zwischenstopp durchfahren kann! Wenn das die Sorgen sind, das es nicht möglich ist. Ist die Zukunft schon besiegelt. Gott sei Dank bin ich schon Älter, aber meine Kinder sind arm wenn sie unter solchen Bedingungen und Menschen leben müssen.

UVermutung
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@kristian ich stell mir vor,

Das emobil wird etwas sein, das einen von zuhause zum Bahnhof bringt und von da zum eigentlichen Ziel. Etwas das man nicht besitzt aber nutzt um von A nach B zu kommen.
Staatssymbol wird eher z.b. die photovoltaik Anlage werden, nach dem Motto 22,3% Wirkungsgrad voll geil. u.dgl.
Es wird deutlich anders sein, aber nicht schlechter, im Gegenteil.
Aber es werden schon ein paar geburtswehen kommen, bis die metamorphose vollzogen ist.

scionescio
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@UVermutung: Da bin ich ganz ihrer Meinung - nur der Wechsel des Antriebsstrangs wird unser Mobilitätsproblem nicht lösen .....

... erst ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr und günstige Sharingkonzepte werden uns einen entscheidenden Schritt weiterbringen.

Kristianjarnig
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In einer fernen Zukunft wird es so sein. Sicher.

Derzeit hapert es schon beim "zum Bahnhof bringen für A nach B"(angesehen das die Pendlerzüge dann sowas von überfüllt sind und man sich schon früh morgens von Lebensqulaität verabschieden kann, andere Story).

Außer ein paar guten Hauptverbindungen gibt es doch bei uns - nichts. Aber auch um uns rum. Abgesehen von der Schweiz vielleicht, da hatte ich schon vor 18 Jahren von meinem damaligen Arebitsgeber Swiss ein erster Klasse Jahresticket für die Verbindung Basel - Zürich. Stündlich(!). Bis zum Flughafen. Ein Fußmarsch von knapp 10 Minuten über die Grenze(D Rheinfelden) nach CH Rheinfelden, rein in den Zug, knapp eine Stunde später war ich am Züricher Flughafen zum Arbeiten bereit. Danach dann wieder den selben Weg zurück, schön war es(und dann kam die Lufthansa...ebenfalls andere Story, was für Memoiren^^). Aber das ist die Schweiz und keinesfalls mit Österreich(oder einem anderen EU Staat) zu vergleichen.

Der Punkt ist - Züge fahren meist Knotenpunkte an, sind geographisch limitiert(kennen wir von KLU-VIE) und sind in den wenigstens Ländern so ausgebaut wie sie sollten(Japan, Schweiz, eventuell Frankreich, da fehlt mir der Einblick), der Großteil ist da weit zurück.

Es gibt VIEL Arbeit, da stimme ich Ihnen zu. Aber wir reden hier nicht von Jahren sondern Jahrzehnten die wir eventuell nicht mehr haben werden.

UVermutung
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Auch ein langer Weg beginnt...

...mit einem Schritt. 🙂
Und wenn der Hut brennt geht oft was weiter.

UVermutung
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Statussymbol

Natürlich

Balrog206
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Sagen

Wir so jedes Familien 2 Auto könnte meistens ein E Auto sein !

Stratusin
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Ich fahr beruflich und privat elektrisch,

allerdings am Tag nur 50-300km. Im Schnitt also um die 150-200km täglich. Im Jahr zwischen 40 bis 45.000km. Bisher habe ich nur einmal auswärts laden müssen, ansonsten nur zuhause. Sehe das Problem nicht. Es ist vielleicht eines für die, die regelmäßig 1.000 km plus fahren. Aber sind das überhaupt 1000 Leute in Österreich, die Verantwortungslos 1.000 km ohne Pause durchfahren? Das entspricht auch nicht dem Arbeitnehmergesetz. Und wer privat nicht 2 mal für 20 Minuten in 10 Stunden Pause machen kann in seiner Freizeit, sollte sein Freizeitverhalten überdenken.

weinsteirer
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es wird halt so sein wie in den medien....

hier liest man ja auch kaum ein kritisches wort über die autoproduzenten...

vorne ein bisserl Umwelt und hinten die dicken beilagen über Auto und Motor...

wer zahlt schafft an ist auch hier das motto!

schadstoffarm
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Die verhaberung der übermächtigen

Autoindustrie mit der Politik hat ihr laue schadstoffgrenzen, verschrottungsprämien, Steuervorteile und zusatzgewinne verschafft. Die hättens besser in Entwicklung statt in Marketing investiert dann wär nicht ein noname an ihr vorbeigezogen.

brosinor
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Ich trau mich es zu deponieren:

Die Autobranche in der gegenwärtigen Form ist sowieso überfaellig!
Gepushte überschnelle Abwertung bzw.Entwertung eines noch voll funktionsfähigen Produkts nur um den Leuten immer wieder ein neues Auto aufs Aug drücken zu können ist ein Umweltverbrechen!
Autoindustrie ist Emissionsspitzenreiter und Rohstoffvernichter!

Banjul69
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???

Muss es nicht überflüssig heißen?

erstdenkendannsprechen
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überfällig passt mmn gut.

hat ihren sinn und ihre guten zeiten gehabt, aber änderung/anpassung/visionen sind überfällig.

Viertelputzer
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Conti und Arbeitsplätze

Conti hat 1985 Semperit übernommen und Jahre später das Werk in Traiskirchen geschlossen. Und jetzt soll die Politik wieder Unterstützungsmaßnahmen setzen?

 
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