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Handels-KVForderung nach Gehaltsplus für Arbeitgeber "realitätsfremd"

Erste KV-Runde am Dienstag. Gewerkschaft fordert für Handel ein Gehaltsplus von 4,4 Prozent, fast so viel wie für Metaller. Für Arbeitgeber sind Forderungen "überzogen".

START DER KV-VERHANDLUNGEN IM HANDEL: MARCHHART / BUCHMUeLLER / MUeLLAUER
Auftakt für Verhandlungen © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Der Start der Handels-KV-Verhandlungen am Dienstag ist durch die im Vorfeld geäußerte gewerkschaftliche Forderung nach einem Gehaltsplus von 4,4 Prozent bestimmt gewesen. Die Verhandler erwarten langwierige Gespräche. Bei der Forderungsübergabe ließen sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter nicht in die Karten blicken und verwiesen darauf, an konstruktiven Verhandlungen interessiert zu sein.

Die Gewerkschaft betonte beim Verhandlungsstart, ihre Kompromissbereitschaft. "Wir sind immer zu guten Lösungen gekommen, die beide Seiten mittragen können", sagte die gewerkschaftliche Chefverhandlerin Anita Palkovich von der GPA. Sie erwartet "herausfordernde Verhandlungen, wie jedes Jahr". WKÖ-Handelsobmann Peter Buchmüller wünscht sich "faire und sachliche Verhandlungen". Der Handel müsse - wie in den Vorjahren - bei den KV-Verhandlungen ein Vorbild sein.

Arbeitgeber verärgert

Die Gewerkschaft ging im Vorfeld der Handels-KV-Verhandlungen mit ihren Forderungen bereits an die Öffentlichkeit. Die Arbeitgeber zeigten sich über die gewerkschaftliche Vorgehensweise verärgert, weil normalerweise die Forderungen in der ersten Verhandlungsrunde präsentiert wurden.

Das sind die Forderungen

Die Arbeitnehmer fordern 100 Euro Entgelterhöhung auf Vollzeitbasis für die 413.000 Angestellten im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel, das wäre ein durchschnittliches Plus von 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Metaller fordern aktuell plus 4,5 Prozent. Das von der Gewerkschaft geforderte Gehaltsplus für Handelsangestellte würde von 6,1 Prozent für niedrige Einkommen bis 2,1 Prozent für hohe Gehälter reichen. Gestiegene Mieten und Lebenserhaltungskosten würden eine derartige Erhöhung rechtfertigen, argumentiert die Gewerkschaft. Die Gewinnentwicklung der Handelsbetriebe würde ein derartiges Gehaltsplus erlauben. Außerdem fordert die Gewerkschaft im Rahmen der KV-Verhandlungen drei Freizeittage.

"Realitätsfremd"

WKÖ-Handelsobmann Buchmüller bezeichnete die Forderungen der Gewerkschaft vergangenen Freitag als "überzogen und realitätsfremd". Beim heutigen Verhandlungsstart äußerte sich Buchmüller nicht zu den Gewerkschaftsforderungen.

Ausgangslage

Aktuell liegt das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte im alten Handels-KV bei 1.634 Euro brutto pro Monat, das sind 1.307 Euro netto laufender Bezug, und im neuen KV bei 1.677 brutto oder 1.334 Euro netto. Seit Dezember 2017 gilt der neue, reformierte Handels-KV. Die rund 80.000 Handelsbetriebe haben allerdings bis Ende 2021 Zeit, auf das neue Schema umzusteigen. Die großen Handelsketten haben laut Gewerkschaftsangaben noch nicht auf den neuen Handels-KV umgestellt. Laut WKÖ-Angaben verwenden aber schon zahlreiche kleine und mittlere Händler sowie neugegründete Handelsbetriebe den reformierten Handels-KV.

Knapp zwei Drittel der Angestellten im Handel in Österreich sind Frauen, im Einzelhandel liegt der Frauenanteil noch etwas höher. Viele Frauen arbeiten Teilzeit. Im vergangenen Dezember hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach fünf Verhandlungsrunden für 2019 auf ein Gehaltsplus zwischen 2,5 Prozent und 3,2 Prozent geeinigt. In der ersten Runde der KV-Verhandlungen fixieren die Sozialpartner üblicherweise die heranzuziehende Inflationsrate.

Nach der ersten KV-Runde am Dienstag sind weitere Termine für den 29. Oktober und 12. November angesetzt.

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