US-Notenbank Fed erhöht Leitzinsen und will heuer noch zweimal nachlegen

Wie bereits im Vorfeld erwartet, hat die US-Notenbank Federal Reserve erneut an der Zinsschraube gedreht. Der Leitzins liegt nun bei 1,75 bis zwei Prozent.

Jerome Powell
Jerome Powell © (c) AP (Carolyn Kaster)
 

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihren Leitzins weiter angehoben. Der Schlüsselsatz, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen, steige um 0,25 Punkte auf eine Spanne von 1,75 bis 2,00 Prozent, teilten die Währungshüter am Mittwoch in Washington mit. Zuletzt hatte es vor zehn Jahren und damit noch vor dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise eine Zwei vor dem Komma gegeben.

An den Finanzmärkten war fest mit der heutigen Entscheidung gerechnet worden. Die Notenbank begründete den zweiten Zinsschritt in diesem Jahr mit der guten Lage der Konjunktur und des Arbeitsmarkts - und signalisierte zugleich noch zwei weitere Zinserhöhungen für heuer.

Seit die Fed Ende 2015 begann, ihre im Zuge der Finanzkrise massiv gelockerte Geldpolitik zu normalisieren, wurde das Zinsniveau nun schon siebenmal um je 0,25 Prozentpunkte erhöht - zuletzt im März. Die US-Notenbank fährt damit einen deutlich strafferen Kurs als die Europäische Zentralbank (EZB), deren Leitzins für den Euroraum noch bei null Prozent liegt.

"Zeichen für den robusten Zustand der US-Wirtschaft"

"Die Entscheidung von heute ist ein Zeichen für den robusten Zustand der US-Wirtschaft", sagte Fed-Chef Jerome Powell nach der Fed-Entscheidung über die bisher zweite Zinserhöhung im heurigen Jahr auf einer Pressekonferenz. Sie mache weitere Fortschritte. "Die Wirtschaft läuft sehr gut", so Powell.

Die Inflation wird sich nach Einschätzung von Powell auf mittlere Sicht beim Zielwert von zwei Prozent stabilisieren. Zuletzt war die Teuerung in den USA über die von der Notenbank angepeilte Zielmarke von zwei Prozent gestiegen, bei der die Fed die Stabilität der Preise als gewährleistet ansieht. Powell machte hier aber auch die gestiegenen Ölpreise verantwortlich.

 

Entwicklung der Leitzinssätze seit 2000
Entwicklung der Leitzinssätze seit 2000 Foto © (c) APA

Höchste Inflation seit sechs Jahren

Mit der Leitzinserhöhung steigen zunächst die Kosten für Geld, das Banken sich über Nacht untereinander leihen. Doch dadurch werden tendenziell auch Kredite für Unternehmen und Verbraucher teurer. So kann die Notenbank die brummende Konjunktur bremsen und einer möglicherweise drohenden Überhitzung der Wirtschaft entgegenwirken.

Die US-Notenbank hat den Auftrag, mit ihrer Geldpolitik die Beschäftigung zu fördern und das Preisniveau stabil zu halten. Dank des US-Wirtschaftsbooms floriert der Arbeitsmarkt, so dass die Fed Spielraum hat, ihren Kurs zu straffen. Die Erwerbslosenquote lag zuletzt bei 3,8 Prozent - so niedrig wie seit 18 Jahren nicht mehr.

Geringe Arbeitslosenrate

Die Aussichten für den bereits auf Vollbeschäftigung zulaufenden US-Arbeitsmarkt werden nun noch günstiger eingeschätzt: Die Arbeitslosenrate soll heuer 3,6 Prozent betragen. Sowohl für 2019 als auch für 2020 wird die Quote mit jeweils 3,5 Prozent etwas geringer gesehen als vor einem Vierteljahr.

Zugleich muss die Notenbank zunehmend aufpassen, dass die Teuerung nicht aus dem Ruder läuft. Die Jahresinflationsrate erreichte im Mai mit 2,8 Prozent den höchsten Wert seit mehr als sechs Jahren. Die Fed strebt eigentlich eine Rate von zwei Prozent an. Höhere Zinsen sind ein Mittel, mit dem Preisauftrieb gedämpft werden kann.

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