Der Sturz der eigenen Mutter und ihr stundenlanges, verzweifeltes Warten auf Hilfe war für Bart Scholte van Mast der Anlass, mit seiner Frau, Elise van Harxen, ein Assistenzsystem für ältere Menschen zu entwickeln. „Obwohl meine Mutter einen Notfallknopf hatte, war sie nicht in der Lage, diesen zu drücken“, erklärt der Techniker, der im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit unter anderem komplexe Produktionsmaschinen für die Halbleiterindustrie entwickelte. So etwas sollte nicht mehr wieder passieren, nahm sich das Paar, das im Jänner das Unternehmen P.SYS Caring Systems in Villach gründete, vor.

Bart Scholte van Mast und Elise van Harxen
© P.SYS Caring Systems

Nach fünfjähriger Forschungstätigkeit präsentierten die beiden nun einen Bettmonitor, der genau solche Fälle im privaten Bereich und in Pflegeheimen verhindern soll.“ Es handelt sich um Künstliche Intelligenz, die vom Bewohner lernt“, erklärt Scholte van Mast. Der Computer, der unter dem Bett angebracht ist und auf dessen Sensoren das Bett steht, braucht zwischen zehn und 30 Minuten, um den üblichen Herzschlag des Patienten zu erlernen, ein bis zwei Nächte, um die üblichen Bewegungsmuster in der Nacht zu erkennen, und etwa zwei bis drei Wochen für die gewohnten An- und Abwesenheiten im Bett. Das System speichert keine Daten und ist nur, wenn es aufgrund der statistischen Daten Alarm schlägt, dafür kurz mit dem Internet verbunden. Geeignet ist der Bettmonitor sowohl für Pflegebetten als auch für ganz normale Betten im privaten Bereich.

Der Bettmonitor von P.SYS Caring Systems in Villach ist bei der Diakonie de la Tour bereits im Einsatz
© P.SYS Caring Systems


Derzeit ist der Bettmonitor im Tageszentrum Möllbrücke und bei der Diakonie de la Tour im Einsatz. Mit weiteren Institutionen gibt es bereits Vereinbarungen, deren Umsetzung sich allerdings aufgrund von Covid verzögert hat. Laut Scholte van Mast will das Villacher Start-up sich auf den Kärntner Markt konzentrieren, bevor es auch Anfragen aus Italien und Deutschland behandelt.

Entwicklung für die Pharmazeutische Industrie

Pharmtelligent mit Sitz im Lakesidepark Klagenfurt vereint den jungen Blickwinkel eines Start-ups mit dem Know How eines Weltmarktführers, und zwar des 1967 gegründeten Maschinenbauers Bausch & Ströbel aus Baden-Württemberg. Die Idee, ein Entwicklungscenter 2021 ausgerechnet in Kärnten zu etablieren, fiel bewusst: „Wegen der räumlichen Distanz zum operativen Geschäft. Wegen der Lebensqualität hier, dem Forschungsumfeld. Und nicht zuletzt, weil wir in Kärnten ein Arbeitskräftepotenzial sehen durch die vielen Rückkehrer“, sagt der gebürtige Klagenfurter Geschäftsführer Georg Egger (47). Derzeit besteht sein Team aus 19 Leuten. Weitere werden gesucht, auch weil Pharmtelligent noch heuer einen zweiten Standort am Südring in Klagenfurt eröffnen wird - zum Prototypenbau. Eine halbe Million Euro wird dafür investiert.

Pharmtelligent-Geschäftsführer Georg Egger „Ein zweiter Standort in Klagenfurt ist in Planung“
© Pharmtelligent

Aber, worum geht es eigentlich? Pharmtelligent entwickelt Maschinen, die zur Reinigung, Sterilisation, Befüllung und Etikettierung von Medikamenten dienen, etwa Arzneimittelflaschen, Ampullen, Spritzen oder Injektionsfläschchen. „Die Herausforderung ist, Maschinen so zu entwickeln, dass sie die Sicherheit des Medikaments gewährleisten“, sagt Egger. Pharmtelligent arbeitet dafür mit Künstlicher Intelligenz. In Zukunft werden die einzelnen Chargen kleiner, die Medikamente individueller: Ein neuer Anspruch an die Anlagen.

Medikamentenabfüllung, entwickelt von Pharmtelligent
© Pharmtelligent

"Dating-App" für den Pflegebereich

Auf die Vermittlung von Betreuungspersonal hat sich das 2015 gegründete Klagenfurter Start-up Harmony & Care spezialisiert. Eine innovative Software ermöglicht das „Matching“ der bestgeeigneten Betreuungskraft für Pflegebedürftige, ähnlich einer Dating-App. Ziel ist es, so Geschäftsführerin Anja Silberbauer, Betreuungswechsel zu reduzieren.

Anja Silberbauer setzt auf die zielgerichtete Suche nach Pflegekräften
© Harmony/KK

Es wird nicht nur ein Persönlichkeitsprofil erstellt, sondern es werden auch soziale Kompetenzen, Neigungen und Interessen sowohl der Betreuungsperson als auch des zu Betreuenden erfasst. Mit „Care+“ und dem „Harmony Check“ sei man in Deutschland und der Schweiz erfolgreich, in Österreich laufe es derzeit aber noch nicht so gut, so Silberbauer. Hoffnungen setzt die Unternehmerin auf ein neues Angebot: Care Plus. Hier werden in der 24-Stunden-Betreuung Tablets eingesetzt. Daten wie Puls, Gewicht oder aber auch ob jemand beispielsweise Diabetiker ist, werden über das Tablet in das System eingespielt, erklärt Silberbauer. Die Betreuungskraft übermittle dann regelmäßig die Werte, und das erlaube es, fristgerechter einzugreifen. „Wir sind gerade dabei, die Tablets österreichweit bei den Kunden auszurollen.“