Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon stockt seine Investitionen in das Werk im malaysischen Kulim massiv auf. In den kommenden fünf Jahren sollten zusätzlich bis zu günf Milliarden Euro für den Bau ausgegeben werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit entstehe die weltweit größte Fabrik für Siliziumkarbid-Leistungshalbleiter auf 200 Millimeter-Wafern.
"Mit dem Ausbau von Kulim sichern wir unsere Führungsposition in diesem Markt", sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck. Das Unternehmen verspricht sich von der erweiterten Anlage - zusammen mit dem Werk im österreichischen Villach - jährliche Erlöse von sieben Milliarden Euro.
Mit seiner neuen Chipfabrik in Malaysia will Hanebeck mit niedrigeren Kosten punkten. "In Halbleitermärkten zählt am Ende neben den Differenzierungsmerkmalen immer auch, wer die beste Kostenposition hat", sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Bei der weniger stark automatisierten Produktion von Leistungshalbleitern auf 200-Millimeter-Wafern, die Infineon in Malaysia ausbauen will, spielten die Personalkosten eine größere Rolle. "Viele Wettbewerber werden jetzt nachrechnen, ob sich die Investition in Siliziumkarbid noch lohnt."
Staatliche Subventionen könnten die Kostennachteile im Westen dabei nicht ausgleichen, weil auch die Baukosten in Europa oder den USA höher seien als etwa in Malaysia, sagte Hanebeck. "Wir haben auch in der Vergangenheit gesehen, dass industrieweit Projekte in einer schwächeren Phase eingestellt oder verschoben worden sind."
Erste Kunden aus Auto- und PV-Branche bereits an Bord
Die ersten Kunden für die Halbleiter sind bereits gefunden: Bei den Autobauern sind es unter anderem Ford sowie SAIC und Chery aus China, daneben SolarEdge sowie drei führende chinesische Photovoltaik-Hersteller. Insgesamt seien Kundenzusagen in Höhe von fünf Milliarden Euro sowie eine Milliarde Euro Vorauszahlungen eingegangen. Ziel für Infineon sei es, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Marktanteil von 30 Prozent bei Siliziumkarbid-Halbleitern zu erreichen.
SiC-Halbleiter sind teurer und schwieriger herzustellen als herkömmliche Silizium-Chips, aber leistungsfähiger, wenn es etwa um das schnelle Laden von Elektroautos oder den Betrieb von Windrädern geht. Die Fertigung auf 200 Millimeter-Wafern - runden Platten mit 20 Zentimeter Durchmesser - verspricht Kostenvorteile, weil mehr Chips auf einen Wafer passen. Allerdings gilt die Produktion der Wafer als kompliziert.
Aktienkurs knickt kräftig ein
Die Aktien von Infineon brachen am Donnerstag indes um gut neun Prozent ein und waren damit klares Schlusslicht im DAX. Analysten des Investmenthauses Jefferies verwiesen auf die sich abschwächenden Gewinnmargentrends. Marktteilnehmer könnten sich daher um den Ausblick des Unternehmens Sorgen machen. Zudem waren die Aktien in den vergangenen Monaten, wie viele Techwerte, stark gelaufen. Trotz des Rutsches vom Donnerstag steht für 2023 ein Kursplus von fast 23 Prozent auf dem Zettel.
Im abgelaufenen dritten Quartal des Geschäftsjahres bis Ende September erwirtschaftete Infineon Erlöse von 4,1 Milliarden Euro, das ist um 1 Prozent weniger als im Vorquartal. Das wichtige Segmentergebnis ging um zehn Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück, nach Steuern verdiente Infineon mit 831 Millionen Euro um 1 Prozent mehr.
"Weiterhin gemischtes Bild am Halbleitermarkt"
Hanebeck sagte, die Entwicklung am Halbleitermarkt zeige weiterhin ein gemischtes Bild. "Einerseits sorgen Elektromobilität und erneuerbare Energien sowie die damit verbundenen Anwendungsbereiche für stabil hohe Nachfrage. Andererseits ist der Bedarf zum Beispiel für Consumer-Anwendungen, wie PCs und Smartphones, nach wie vor gering."
Infineon erwirtschaftet einen großen Teil seines Umsatzes mit Leistungshalbleitern, die unter anderem in Elektroautos oder Solaranlagen benötigt werden. Andere Halbleiterhersteller wie Qualcomm oder AMD hatten zuletzt unter der Absatzschwäche von PCs zu leiden.