Mehrere Klimaschützerinnen und Klimaschützer haben am Dienstag eine Veranstaltung der Wirtschaftskammer (WKÖ) gestört. In dem Event mit WKÖ-Präsident Harald Mahrer sollte es um die "Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien" gehen, als junge Aktivisten, darunter Lena Schilling, das Podium stürmten und Mahrers Rede unterbrachen. Schilling warf der Wirtschaftskammer und Mahrer vor, weiter für fossile Energien zu lobbyieren und kritisierte die Veranstaltung als "Greenwashing".

"Wir fordern tatsächlich eine Wärmewende, und das bedeutet de facto, dass wir aus den Fossilen rausmüssen. Wir müssen jetzt anfangen. Ich möcht' nicht noch 30 Jahre warten, ich habe das 'Blabla' satt", sagte Schilling auf der Bühne laut einem Video, das von ihr auf Twitter verbreitet wurde. An den obersten Vertreter der heimischen Wirtschaft gerichtet sagte sie: "Herr Mahrer, Sie tragen eine historische Verantwortung und die haben Sie bis jetzt nicht wahrgenommen."

Mahrer: "Höchste Zeit, Turbo zu zünden"

Mahrer selbst sagte bei der Veranstaltung laut Presseaussendung, dass die Dekarbonisierung nur mit unterschiedlichen Technologien gelinge. "Nun ist es höchste Zeit, den Turbo zu zünden! Wir brauchen mutige Investitionen und einen breiten Schulterschluss von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik."

Nachdem die Klimaschützer die Bühne verlassen hatten, kritisierte Mahrer "die Intoleranz einer bestimmten Gruppe, unterschiedliche Meinungen nicht zu akzeptieren". Mahrer lud Schilling und ihre Mitstreiter ein, zu bleiben und zuzuhören. "Anpacken statt ankleben ist das Motto dieser Zeit", sagte der WKÖ-Chef.

Auf inhaltlicher Ebene sah der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) in der Wirtschaftskammer-Veranstaltung "erste Anhaltspunkte zur Öffnung der Wirtschaftskammer Österreich für die so dringend nötige Wärmewende". "Inzwischen scheint man auch in der Wiedner Hauptstraße auf Wärmewende-Kurs der Bundesregierung zu sein", konstatierte die Erneuerbaren-Interessenvertretung.

Kritik, Klimaschutzmaßnahmen zu bremsen

Die von ÖVP-Politikern dominierte Wirtschaftskammer steht seit Längerem in der Kritik, bei Klimaschutzmaßnahmen zu bremsen. Mahrer forderte heuer unter anderem, die Einführung des CO₂-Preises zu stoppen und die Mineralölsteuer zu senken.

Das Institut für Höhere Studien (IHS) identifizierte 2021 in einer Studie "treibende und bremsende Kräfte", warum in Österreich im Kampf gegen die Klimakrise so wenig konkrete Maßnahmen gesetzt werden. Die Wirtschaftskammer wird darin ähnlich wie die Industriellenvereinigung (IV) tendenziell als bremsend gesehen.