In Sachen Digitalisierung steht Österreich laut einer aktuellen Erhebung im EU-Vergleich auf Platz zwölf von 28 und bei der Verwendung von Big Data sogar an vorletzter Stelle. Kein Wunder also, dass PwC-Senior-Managerin Bernadette Fellner, die Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützt, den heimischen Firmen einen gewissen Aufholbedarf attestiert. "Nur rund zehn Prozent sind gut aufgestellt", sagt die Expertin, die beim diesjährigen Digitalforum in Villach zu den Referentinnen zählt. Aber zumindest haben viele von jenen, die es noch nicht sind, erkannt, dass sich etwas ändern muss. Im Zuge einer PwC-Studie nannten rund 50 Prozent der befragten CEOs "Digitale Transformation" als eine ihrer höchsten Prioritäten und gaben an, dass sie ihr Investment in diesem Bereich um zehn Prozent oder mehr erhöhen würden.

Für das größere Bewusstsein ist unter anderem auch Corona verantwortlich. "Wir haben in der Zeit der Pandemie einen Sprung in der Entwicklung gemacht, die sonst zehn Jahre gedauert hätte", sagt Fellner. Videotelefonie sei mittlerweile normal und für Personen, die zuvor nie online eingekauft haben, ist der Internet-Einkauf Alltag geworden. "Damit ist aber auch der Anspruch der Kunden an die Unternehmen gewachsen", sagt die PwC-Managerin. Und dem werde sich jede Firma stellen müssen. "Denn die Digitalisierung geht nicht mehr weg", sagt Fellner.

Oben auf der Prioritätenliste

Firmenchefs, die glauben, mit der Anschaffung einiger digitaler Tools sei alles erledigt, sind auf dem Holzweg. "Viele Unternehmen vergessen auf die Mitarbeiter. Diese müssen verstehen, warum sie etwas machen und die Kompetenz dafür haben. Digitalisierung ist kein rein technisches Unterfangen. Dafür braucht es auch das Mindset und alle Abteilungen eines Unternehmens müssen an einem Strang ziehen", sagt Fellner. Darüber hinaus müsse man aber auch immer genau schauen, wo der Vorteil für den Kunden liegt und welche Erfahrung er damit macht. Hat er ein echtes Problem, könne man ihm nicht zumuten, stundenlang in der Warteschleife zu hängen und mit einer Maschine zu sprechen.

Die Technik müsse dem Menschen helfen und könne ein Schlüssel sein, um Fehler zu vermeiden und effizienter zu werden. In vielen Betrieben fehle für Anliegen der Kunden ein Ticketsystem, das sowohl den Kunden aber auch den Mitarbeitern den aktuellen Status bis zur Erledigung zeigt.