Als Folge des Ukraine-Kriegs hat der Erdgaspreis in Europa einen neuen historischen Höchststand erreicht und erstmals die Marke von 200 Euro pro Megawattstunde geknackt.

Am wichtigen niederländischen Handelspunkt TTF wurde die Megawattstunde Erdgas für den Liefermonat April am Freitag für 213,895 Euro gehandelt. Bisher kommen rund 40 Prozent von Europas Erdgas-Importen aus Russland.

Der Ukraine-Krieg wirkt sich auch auf die Energiemärkte aus und heizt Debatten über eine energiepolitische Neuausrichtung an.

Schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte der Gaspreis in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt, was auch in Deutschland die Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher und die Inflationsrate in die Höhe getrieben hatte. Ende 2021 lag der Preis beispielsweise bei rund 148 Euro je Megawattstunde. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel bewegte er sich laut Vergleichsportalen zwischen zehn und 25 Euro.

Schwankungen

Auch wenn Russland seine Lieferverpflichtungen bisher einhält, so schwanken die Liefermengen zumindest durch die Jamal-Pipeline in Deutschland stark. An der Verdichterstation Mallnow (Brandenburg) stoppten die Gasflüsse am Freitag, zeigen Daten des deutschen Netzbetreibers Gascade zum vorläufigen Lastfluss.

Die Zuflüsse nach Deutschland über Mallnow notierten in der Früh bei 101,119 Kilowattstunden pro Stunde, während sie über Nacht bei rund 13,5 Millionen Kilowattstunden pro Stunde gelegen waren. Am Freitagvormittag wurden gar keine Lieferungen mehr angezeigt.

Preisdeckel

Angesichts der sich zuspitzenden Lage, spricht sich das gewerkschaftsnahe Momentum-Institut für einen Kostendeckel bei den stark steigenden Energiepreisen aus, dies sei weit wirkungsvoller als der Kostenausgleich der Bundesregierung von 150 Euro pro Person. "Ein Preisdeckel würde die Vorteile der verschiedenen Instrumente bei insgesamt weniger Nachteilen vereinen. Insbesondere würde ein Preisdeckel auch bei noch höher steigenden Energiepreisen automatisch helfen", so Momentum-Ökonom Joel Tölgyes.