WhatsApp-StrafeWirtschaftlich kratzt der Spruch den Milliardenkonzern kaum, die Signalwirkung ist aber stark

Fehlende Transparenz im Umgang mit Nutzerdaten: Strafe für den Nachrichtendienst aus dem Hause Facebook dringt ins Innerste des IT-Riesen vor. Datenschutzbehörden kommen zunehmend „in die Gänge“.

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Markus Zottler
Markus Zottler © Kleine Zeitung
 

Und sie bewegt sich doch! Irlands Datenschutzbehörde, bis dato ein Symbol der Regungslosigkeit, spricht ihre erste Strafe seit Inkrafttreten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung im Jahr 2018 aus: WhatsApp, berühmt-berüchtigter Nachrichtendienst aus dem Hause Facebook, soll 225 Millionen Euro zahlen.

Der Befund der Behörde dringt ins Innerste des IT-Riesen vor. Bemängelt wird fehlende Transparenz im Umgang mit Nutzerdaten, die zwischen den einzelnen Facebook-Unternehmen ausgetauscht werden. Der Vorwurf wiegt schwer und erinnert frappant an die fehlende Glaubwürdigkeit des IT-Riesen. Noch bei der Fusion von WhatsApp und Facebook im Jahr 2014 wurde hochheilig versprochen, Nutzerdaten gar nicht zu verschränken. Derlei Willkür wirkt die irische Datenschutzbehörde jetzt entgegen.

Wirtschaftlich wird der Spruch den Milliardenkonzern Facebook kaum kratzen, die Signalwirkung kann dennoch stark sein. Lange kritisch beäugte Datenschutzbehörden kommen zunehmend „in die Gänge“. Erst jüngst wurde auch Luxemburgs Behörde aktiv und bedachte Amazon mit einer Strafe von 746 Millionen Euro.

Wie weitreichend die irische Entscheidung am Ende sein wird, liegt aber auch an der Behörde selbst. WhatsApp kündigte umgehend an, gegen den Spruch juristisch vorzugehen. Vor Gericht müssen Irlands Datenschützer nun stand- und glaubhaft bleiben und so zeigen, dass ihnen der Fall mehr wert ist als eine gute Schlagzeile oder ein schneller Vergleich.

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