Staat greift Unternehmen anMilliarden an Börsenwert vernichtet: Wo China jetzt überall reguliert

Online-Handel, der Bildungssektor oder die Immobilienbranche: Chinas politische Führung greift immer stärker in unterschiedlichste Branchen ein.

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Im Visier der chinesischen Behörden: Online-Handels-Krösus Alibaba
Im Visier der chinesischen Behörden: Online-Handels-Krösus Alibaba © AP
 

Die seit Monaten laufende Regulierungskampagne der chinesischen Regierung lässt Anleger im Regen stehen. Allein vergangene Woche wurden an den Börsen in China und in der Sonderverwaltungszone Hongkong ein Marktwert von mehr als 560 Milliarden Dollar (480 Milliarden Euro) vernichtet. Fondsmanager nehmen Reißaus, weil sie nicht wissen, welche Sektoren die Aufseher als Nächstes ins Visier nehmen.

Hier eine Liste mit Sektoren, für die bereits verschärfte Regeln gelten oder die ins Visier der chinesischen Aufseher geraten könnten:

ONLINE-FINANZEN

Im Herbst vergangenen Jahres vereitelten Chinas Behörden den geplanten Börsengang des Fintech-Konzerns Ant Group und belasteten damit auch den Mutterkonzern Alibaba. Nur zwei Tage vor dem geplanten Debüt an den Börsen in Shanghai und Hongkong bemängelte die Finanzaufsicht bei Alibaba-Gründer Jack Ma, wegen veränderter Regularien die Offenlegungspflichten wohl nicht zu erfüllen. Kurz vor der Ziellinie platzte damit der mit mehr als 37 Milliarden Dollar weltgrößte Börsengang von Chinas Branchenführer beim mobilen Zahlungsverkehr. Zugleich legten die Bankenaufseher Regeln für eine strengere Kontrolle für die Vergabe von Online-Krediten vor.

ONLINE-HANDEL

Der traditionelle Online-Handel steht besonders im Fokus der chinesischen Regulierer. Amazon-Rivale Alibaba war im April eine Rekordstrafe von 2,75 Milliarden Dollar aufgebrummt worden. Auch kleineren Plattformen wurden mit Geldbußen wegen des Verstoßes gegen Verbraucherrechte belegt. Der neueste Vorstoß der Regulierungsbehörde sieht vor, dass Unternehmen keine Daten oder Algorithmen verwenden dürfen, um den Datenverkehr zu lenken oder die Entscheidungen der Nutzer zu beeinflussen. Im Visier hat die Behörde auch Marketingkampagnen, die auf gefälschte Bewertungen oder Ratings abzielen.

GAMING UND SOCIAL MEDIA

Die Social-Media- und Computerspiele-Branche ist noch nicht offen von den Regulierungsbehörden mit Einschränkungen belegt worden. Heftige Kritik in staatlichen Medien etwa zur Videospielsucht von Prominenten hat aber bereits Anleger aufgeschreckt und zu massiven Kursverluste geführt. Für Unruhe sorgte im August etwa der Bericht eines chinesischen Staatsmediums, in dem Online-Spiele als "spirituelles Opium" bezeichnet wurden. Dies ließ den Marktwert des Branchenriesen Tencent in der Spitze um 60 Milliarden Dollar einbrechen und schürte die Befürchtung, die Regierung könnte demnächst auch beim Videospiele-Sektor härter durchgreifen. Tencent reagierte mit Einschränkungen für Minderjährige beim beliebten Spiel "Honor of Kings" und versprach Maßnahmen, damit Kinder weniger Zeit mit Videospielen verbringen.

Weibo, das einen Twitter-ähnlichen Dienst betreibt, gab nach Kritik am Promi-Hype der sozialen Medien eine Ranking-Liste auf.

BILDUNG

Die Regierung beschloss im Juli, dass Firmen aus der Bildungsbranche, die Nachhilfe in den Kern-Schulfächern anbieten, künftig keine Gewinne mehr abwerfen dürfen und begründete dies mit einer finanziellen Entlastung von Familien. Dies ließ die Kurse von betroffenen börsennotierten Bildungsanbietern wie Gaotu, TAL Education und New Oriental Education zeitweise um bis zu 70 Prozent einbrechen.

FAHRDIENSTE

Nur Tage nach der Börsennotierung in New York untersagte die chinesische Internetaufsicht CAC dem heimischen Uber-Rivalen Didi, neue Kunden in China zu akquirieren, was den Kurs des Fahrdienstvermittlers um rund ein Fünftel einbrechen ließ. Zugleich sperrten die Aufseher die Didi-App für den Download. Zur Begründung wurden schwerwiegende Verstöße bei der Sammlung und Nutzung persönlicher Daten genannt. Analysten und Investoren sahen die Maßnahmen eher im Zusammenhang mit der Kritik von Auslandsnotierungen chinesischer Konzerne sowie der Sammlung großer Datenmengen.

BITCOIN

Bitcoin & Co sind der Führung in Peking schon lange ein Dorn im Auge. Im Mai weiteten die Finanzaufseher die Beschränkungen für Kryptowährungen aus, indem sie ihre Verwendung für Zahlungen oder Abrechnungen durch Banken und Online-Unternehmen untersagten. Im Laufe des Sommers ordneten die Behörden zudem die Schließung von Serverfarmen an, die im Fachjargon als "Schürfer" oder "Miner" bezeichnet werden und schickten damit Bitcoin auf Talfahrt. Bislang war weltweit rund die Hälfte der neuen Bitcoin in China geschürft worden.

IMMOBILIENMARKT

Die Regierung sowie Regulierungsbehörden nahmen im Juli den Immobiliensektor ins Visier, was rund ein Zehntel des CSI 300 Real Estate Sub-Index ausradierte. Die Behörden beschränkten die Immobilienkreditaufnahme und legten Obergrenzen für Immobilienentwickler und Banken fest. Damit solle eine Immobilienblase verhindert werden, hieß es zur Begründung.

WAS KOMMT ALS NÄCHSTES?

Nachdem der Staatsrat im Juni niedrigere Preise für Medikamente sowie Reformen gefordert hatte, befürchten Investoren Maßnahmen im Gesundheitssektor. Auch Technologieunternehmen stellen sich auf weitere Einschränkungen ein. Unter anderem rüsten sie sich gegen ein Datensicherheitsgesetz, das Risikobewertungen und Berichte an Behörden vorschreibt. Spuren wird auch ein geplantes Gesetz haben, das die Speicherung von Benutzerdaten regelt. Die von Präsident Xi Jinping angestrebten Einschnitte für Superreiche in China setzt zudem Luxuswerte unter Druck.

Kommentare (13)
david965bc
7
1
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China legt sich mit der heimischen Finanzindustrie an,

da jubelt der chinesische Bürger, weil sich das der Staat traut.

In europäischen Großstädten wird das Wohnen immer weniger leistbar, auch hier ist die Politik gefordert, die Wohnungen bauen soll, aber möglichst klimafreundlich.

Dabei geht es hier um die geburtenstarken Jahrgänge, die jetzt in Pension gehen, nach deren Tod werden dann Wohnungen im Überfluss da sein, wenn man zu viel baut, ausgenommen man lässt viel illegale Einwanderung zu.

Der Markt kann das zwar regeln, aber Klimatechnisch ist das ein Desaster, wenn man das den Markt regeln lässt.

Besser wäre, wenn viele Pensionisten aus den geburtenstarken Jahrgängen freiwillig von der Stadt aufs Land ziehen, damit die Superministerin Gewessler nicht so gestresst ist, wie sie Strassenbauvorhaben verhindert.

In die Höhe zu Bauen wäre auch eine Lösung, aber dagegen hat dann was der Denkmalschutz. Man bringt es oft nicht mal hin, das man Geschäfte und Wohnungen vereint. Die Trennung der Shopping Citys von den Wohnungen der Bürger sollte längst nicht mehr zeitgemäß sein.

david965bc
5
1
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Geld wird erst wertvoll, wenn Menschen Produkte und Dienstleistungen mit den dafür notwendigen Rohstoffe schaffen, die auch nachgefragt werden

Es ist demnach keine Vernichtung von Geld, weil die Produkte noch gar nicht produziert oder verkauft worden sind, weil die Börse spekuliert, das später der Verkauf passiert und damit Gewinne kommen. Für das Unternehmen ist es mal eine Rufschädigung, mehr nicht.

Aktien sind zwar relativ sicher, aber sie können auch einen großen Verlust bescheren, wenn man zum falschen Zeitpunkt kauft und zum falschen Zeitpunkt verkauft.

anda20
2
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Die aktuellen Top 3

Themen der EU laut Homepage

-Corona
-Schengen und EU Grenzpolitik
-Migration

Schade, dass Die Welt an der EU vorbeiläuft.

Wetten, dass Biden, EU und Konsorten noch in Jahren vom bevorstehenden Durchbruch bei einer globalen Mindeststeuer schwärmen.

Vielen Dank

beneathome
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21
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Eins

muss man Xi Jinping lassen, bevor Europa überhaupt die erste Scheinmaßnahme gegen den entartenden Kapitalismus losbläst, hat er schon die Erfolge seiner Maßnahmen eingeheimst und überlässt den Rest der Welt seinen Finanzhaien dem Fraß. Trotzdem brauche ich kein China, der aktuellen Art.

smithers
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Man darf die Chinesen keinesfalls unterschätzen.

Was die drauf haben sieht man beispielsweise sehr gut am Hafen Hambantota auf Sri Lanka, oder auch beim Hafen in Piräus in Griechenland. Die dortige Bevölkerung wurde dermaßen perfekt über den Tisch gezogen. Ich bin überzeugt wir sehen selbige Aktionen in nächster Zeit auch in Ostafrika.

hansi01
3
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Was wurde vernichtet?

Etwas was es nie gab, aber man einfach einen fiktiven Wert angibt. Am Anfang war das Getreide, das hatte einen Wert und heute sind es Daten die Milliarden Wert sein sollen. Keine Produktion, keine Wirtschaftsleistung die dahinter ist. Eine Blase ungeahnder Größe.

david965bc
3
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Das Geld verschwindet ja nicht,

es landet dann in der Regel bei anderen Aktienunternehmen oder Projekten.

Verluste hat der Verkäufer ja in der Regel nur, wenn er zum falschen Zeitpunkt kauft und verkauft. Die Verkäufer der Aktien werden ja in der Regel mit Gewinn aus Alibaba ausgestiegen sein.

Das sind meist Spekulanten, die oft kaufen und verkaufen, der Sparer verkauft die Aktien ja nur im Notfall. Dieser Kursverlust wäre für den langfristigen Sparer kein Grund, seine Aktien zu verkaufen.

Der Sparer von Aktien soll sich von Spekulanten nicht nervös machen lassen, sonst ist es besser, er legt sein Geld auf einem Sparbuch an, und leicht gestresste Menschen sind eher unfähig für das Börsengeschäft.



checker43
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Wer

einem Getreidebauern Saatgut borgte und Geld für Land gab, setzte auf den fiktiven Wert einer reichen Ernte, mit dessen Erlös der Bauer das Geld zurückzahlt.

umo10
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Unglaublich

Ich hab auch noch 2 ChinaFonds in meinem Portfolio. Der Verfall ist gewaltig. Gut, dass es nur 5% der investierten Summe ist

david965bc
4
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Und wieviel Rendite hast du noch,

denn auch bei einem Verfall an der Börse kann man mit Gewinn aussteigen, wenn man zum richtigen Zeitpunkt gekauft und zum richtigen Zeitpunkt verkauft hat.

Die Börsenspekulanten tun mir nicht Leid, wenn die jammern, sie jammern meist auf hohem Niveau.

lamagra
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Also, bei all diesen Maßnahmen,

war mMn jetzt nicht so wirklich was falsches dabei!
Dies würde weltweit endlich ein paar Phantasiegebilde, an den Börsen, zum Einsturz bringen, was ich jetzt nicht unbedingt für falsch halte.
Es müssen einfach viele Werte wieder zurück zur Realität!

Helmut67
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24
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Die Chinesen

Sind schlauer als man glaubt.

umo10
8
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Schlauer? Sie brechen Anstandsregeln!

Sie ändern weltweite Spielregeln; das ist strafbar und ist wie ein einarmiger Bandit (kleines Glücksspiel) von Novomatic. Dort wird auch die Gewinnschwelle mit dem „Schraubenzieher“ hinten verändert