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Antrag der BWB Baukartell: Strabag erwartet Geldbuße von mehr als 45 Millionen Euro

Wettbewerbshüter beantragten gegen Baukonzern geminderte Geldbuße wegen Kooperation im Kronzeugenprogramm. Weitere Anträge auf Geldbußen für Kartellmitglieder werden "zeitnah" folgen, so die Bundeswettbewerbsbehörde.

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++ THEMENBILD ++ STRABAG
++ THEMENBILD ++ STRABAG © (c) APA/HERBERT P. OCZERET (HERBERT P. OCZERET)
 

Wegen der Teilnahme an dem vor einigen Jahren in Österreich aufgeflogenen großen Baukartell droht dem Strabag-Baukonzern eine Geldbuße von 45,37 Millionen Euro. Den Antrag auf Verhängung der Buße hat die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) am Mittwoch beim Kartellgericht gestellt, wie die Behörde und auch der börsennotierte Baukonzern bekannt gaben. Die betroffenen Konzerngesellschaften hätten ein Anerkenntnis im Rahmen eines Settlements abgegeben, so die Strabag.

Die Behörde hat nach eigenen Angaben eine geminderte Geldbuße beantragt, weil die Strabag im Rahmen des Kronzeugenprogramms "kontinuierlich und umfassend" kooperiert habe. Die beiden Konzerngesellschaften Strabag AG und F. Lang u. K. Menhofer Baugesellschaft m.b.H. & Co. KG hätten, so die Strabag in einer Aussendung, von Anbeginn vollumfänglich mit der BWB kooperiert und zuletzt ein Anerkenntnis im Rahmen eines Settlements abgegeben

Strabag-Chef: "Große persönliche Enttäuschung"

„Dass sich die Vorwürfe nach intensiven Untersuchungen als zum Teil begründet herausgestellt haben, ist eine große persönliche Enttäuschung für mich. Unleugbar schmerzt uns die Geldbuße wirtschaftlich. Wir haben jedoch daraus unsere Lehren gezogen und treiben seit geraumer Zeit mit breitgefächerten Maßnahmen einen Prozess der unternehmensinternen Aufarbeitung und der Verfestigung einer Unternehmenskultur mit hohen Ansprüchen an Integrität voran; auch haben wir als erster Baukonzern in Österreich freiwillig ein externes Monitoring eingeführt“, so Thomas Birtel, der Vorstandsvorsitzende der Muttergesellschaft Strabag.

BWB: "Strabag kooperierte kontinuierlich"

Seitens der Wettbewerbsbehörde wird betont: "Strabag kooperierte kontinuierlich und umfassend im Rahmen des Kronzeugenprogrammes. Zudem wurde durch Strabag ein zertifiziertes Compliance-System in Verbindung mit einem neuartigen Monitoring-System eingeführt, um zukünftige Zuwiderhandlungen gegen das Kartellverbot hintanzuhalten." Das Unternehmen habe "im Rahmen der Kooperation mit der BWB, unter Einbindung des Bundeskartellanwalts, auch ein Anerkenntnis für das kartellgerichtliche Verfahren abgegeben", wird betont. "Vor diesem Hintergrund hat die BWB eine geminderte Geldbuße beantragt."

Dass im Zuge der Ermittlungen rund um das Baukartell weitere Strafen folgen dürften, geht aus den Angaben der BWB indes ebenfalls deutlich hervor: "Gegen die weiteren beteiligten Unternehmen laufen die Ermittlungen, die zeitnah zu weiteren Anträgen führen werden."

Das Baukartell

Im Frühjahr 2017 hatte die BWB im Rahmen ihrer Ermittlungen zu möglichen Absprachen in der Bauwirtschaft Hausdurchsuchungen durchgeführt und dabei u. a. auch umfangreiches Datenmaterial sichergestellt.

Im Herbst 2019 ergingen die ersten Mitteilungen der Beschwerdepunkte an die betroffenen Unternehmen.

Dabei handelt es sich um einen förmlichen Schritt der BWB, mit dem die Unternehmen schriftlich über die gegen sie vorliegenden Beschwerdepunkte in Kenntnis gesetzt werden. Gegen die weiteren beteiligten Unternehmen laufen die Ermittlungen, die zeitnah zu weiteren Anträgen führen werden.

Die BWB wirft den Kartellmitgliedern vor, den Wettbewerb im Bausektor ausgehebelt zu haben, um sich gegenseitig zu Aufträgen zu verhelfen und um Marktanteile und Margen zu sichern oder zu erhöhen. Demnach sollen die Firmen über rund 15 Jahre Preise festgesetzt, Kunden und Märkte aufgeteilt und wettbewerbssensible Informationen ausgetauscht haben. Die Absprachen sollen sowohl zwischen zwei Bauunternehmen als auch in größeren Gesprächsrunden erfolgt sein. Die Kartellmitglieder sollen sich regelmäßig getroffen haben und seien auch per E-Mail und Telefon in Kontakt gestanden.

Im Tiefbau sind laut BWB unter anderem der Bau von Autobahnen, Schnellstraßen, Brücken, Kanalarbeiten und Gleisbauten betroffen. Im Hochbau sollen die Absprachen private Büro- und Wohngebäude, öffentliche Schule und Kindergärten, Gesundheitseinrichtungen, Tankstellen und Kraftwerke betroffen haben.

Kommentare (6)
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future4you
0
10
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Jetzt dürfte die Spende

für eine Partei wohl etwas geringer ausfallen.

gobli
1
12
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Was für ein lächerlicher Betrag

Bei 75000 Mitarbeiter weltweit .

Peterkarl Moscher
0
19
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Wahrheit tut weh !

Das zahlen die aus der Portokassa !!!

dieRealität2020
0
14
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Ausschreibungsabsprachen haben zum Großteil bereits seit Anfang der 60iger Jahre bei nahezu allen Ausschreibungen stattgefunden.

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Jetzt wacht man auf durch eine eigene Behörde. Seit 15 Jahren? Lachhaft, ist halt seit 15 Jahren für diese Behörde nachweisbar? Die Gegenseitigkeit ist doch erklärbar und verständlich. Primär wollen die meisten Unternehmen aufgrund des Arbeitsmarktes in ihrem eigenen Umkreis bleiben.
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Auch wurden oft ausführende Firmen für die Zwischenfinanzierung eines Projektes ins Boot genommen. Nicht einmal machten potente Unternehmen die nicht u.a. aus der Baubranche stammten mit. Das ist bis heute legal. Und am Ende werden dann die Geschäftsanteile changiert.
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Wer weiß was Sache ist, weiß auch was hier bei den Ausschreibungen über die Bühne läuft. So werden oft knapp oder während des Baus oft das günstigste Gebot step by step überschritten, da Ausführungen (Materialverbesserungen) u.a. erweitert werden. Das kann außerhalb der Ausschreibung erfolgen. Vollkommen legal
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Nach jahrzehntelanger Manipulationen und Selbstverständlichkeiten dachte halt keiner mehr dass es an die Oberfläche kommen könnte. Allerdings wenn man u.a. so offen kommuniziert und alles einsehbar macht, dann sollte man sich nicht wundern wenn es eines Tages schiefgeht.

Hapi67
2
12
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Eine große persönliche

Enttäuschung für den Vorstandsvorsitzenden, der natürlich nichts davon wusste.

Man kann im Unternehmen einfach nicht jede Kleinigkeit wissen oder Millionen von Kleinigkeiten einfach übersehen.

Letztens wurde ich bei Angebotslegung auch gefragt, wer den die Mitanbieter sind und im konkreten Falle war das Unternehmen plötzlich nicht mehr zur Angebotslegung interessiert-das Schmunzeln seinerseits auf Nachfrage erklärte alles weitere.

Vielen Dank

joe1406
0
23
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Spitze des Eisberges

und selbst die können mit dem Versprechen "sowas wird nie wieder vorkommen" mit einem blauen Auge davon kommen.