Dogecoin Börsenrebellen pushen jetzt Witz-Kryptowährung

Die Spaß-Kryptowährung Dogecoin stieg um fast 350 Prozent innerhalb von 24 Stunden.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Der Kurs von Dogecoin explodiert gerade
Der Kurs von Dogecoin explodiert gerade © Reddit, u/cindereynolds
 

Der Angriff von Kleinanlegern auf große Hedgefonds hat in den USA für massives Aufsehen gesorgt. Mithilfe von Trading-Apps wie RobinHood kaufen derzeit viele kleine Investoren Aktien von Unternehmen wie GameStop oder der Kinokette AMC. Das Ziel: Möglichst viel Schaden an Hedgefonds anrichten. Diese hatten nämlich auf fallende Kurse bei diesen Firmen gesetzt, die aufgrund der Coronakrise massiv unter Druck geraten sind. Bisher sollen die Börsenzocker dadurch rund 70 Milliarden US-Dollar verloren haben.

Allein bei den Wetten gegen GameStop sind Ortex zufolge bisher Verluste in Höhe von 1,03 Mrd. Dollar entstanden. Der Berliner Online-Broker Trade Republic ist wegen des Börsen-Hypes um Gamestop an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Kunden hätten die App am Donnerstag wegen einer "außerordentlichen Überlastung" der angebundenen Handelsplätze nicht in vollem Umfang nutzen können, teilte Trade Republic mit. Hintergrund sei das extrem hohe Handelsaufkommen in normalerweise illiquiden Aktien wie der des US-Videospielehändlers Gamestop und anderer Firmen wie AMC Entertainment, BlackBerry, Nokia oder Bed Bath & Beyond.

Kritik an Online-Broker

Nachdem der Online-Broker Robinhood den Handel mit diesen Aktien eingeschränkt hatte geriet zuletzt massiv in die Kritik und in den Verdacht, Kleinanleger gegenüber Wall-Street-Großinvestoren zu benachteiligen. Bei Firmen wie Gamestop oder der Kinokette AMC verloren Hedgefonds zuletzt viel Geld mit Wetten auf fallende Kurse, unter anderem weil sich Hobby-Händler in Online-Foren organisierten und die Aktien der Unternehmen erfolgreich nach oben trieben.

Dass Robinhood den Handel mit den Papieren so einschränkte, dass sie nur noch verkauft, aber nicht mehr gekauft werden können, könnte nun zum Politikum werden und eine größere Debatte um Regulierung lostreten. Laut US-Medien plant auch die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, Maxine Waters, eine Anhörung. Dabei soll es um die jüngsten Turbulenzen am Finanzmarkt und um die Rolle von Hedgefonds dabei gehen. Auch andere ranghohe Politiker der demokratischen Partei wie Elizabeth Warren und Alexandria Ocasio-Cortez forderten Aufklärung. Vertreter der republikanischen Partei äußerten ebenfalls Unverständnis für Robinhoods Entscheidung.

Auf den Mond

Inzwischen geschieht indes etwas Eigenartiges. Denn der Fokus der Masse an Kleinanlegern verschiebt sich gerade auf Kryptowährungen. Allerdings sind es nicht die großen Titel wie Bitcoin oder Ethereum, auf die Anleger nun setzen. Es ist das Spaßprojekt Dogecoin. 2013 wurde diese Kryptowährung als Parodie auf Bitcoin gegründet. Technisch gesehen ist es eine Kopie von Litecoin. Im Gegensatz zu Bitcoin gibt es allerdings keine Begrenzung der digitalen Münzen und hat fixe Zuwachs-Raten.

Das führt zu massiven Kursschwankungen bei der Kryptowährung mit einem Shiba Inu (japanische Hunderasse) als Maskotchen. Nun wird auf der Diskussions-Plattform "Reddit" dazu aufgerufen, Dogecoin auf den Mond zu bringen, also gesammelt für massive Kursaufschläge zu sorgen. Und der Aufruf wirkt. Innerhalb von 24 Stunden ist der Wert der Dogecoin von 0,007 Cent auf 0,05 Cent gesteigen. Ein Plus von 363 Prozent.

Kommentare (3)
scionescio
3
7
Lesenswert?

Die Börse verkommt zur Zockerplattform, wo sich gevifte Spekulanten mit naiven Kleinanlegern ein Match liefern, wo aber schon vorher klar ist, wie es ausgeht ...

... auf der Strecke bleiben die Kleinen, weil das Geld an der Börse ja nicht entsteht, sondern nur umverteilt wird.
Damit schadet man aber der Wirtschaft enorm, weil seriöse Firmen zusehens einen Wettbewerbsnachteil erleiden und gehypte Blasen die naiven Kleinanleger anziehen wie das Licht die Motten.
Geplatzte Blasen produzieren aber keine Güter mehr und der Mitbewerb hat zuwenig Geld um Innovationen voranzutreiben dh die große Mehrheit hat Nachteile, damit sich ein paar Spekulanten die Taschen vollstopfen können (manche schaffen es auf diese Weise sogar bis zum PLatzen der Blase bei der Liste der Supperreichen ganz vorne zu stehen).
Fun Fact: in den letzten Monaten wurden in Amerika mehr Dollars gedruckt als in der ganzen Zeit seit dem zweiten Weltkrieg - es ist so viel überschüssiges Geld vorhanden, dass die Spekulanten es sich leisten können, auch in absehbare Blasn zu investieren, weil sie nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld ... dass der große Knall nicht ausbleiben kann, liegt auf der Hand!

SagServus
2
7
Lesenswert?

es ist so viel überschüssiges Geld vorhanden, dass die Spekulanten es sich leisten können, auch in absehbare Blasn zu investieren

Ich glaube du hast nicht ganz verstanden was hier abläuft.

Die Spekulanten/Hedgefonds sind diejenigen die auf auf fallende Aktienpreise von Gamestop oder AMC gesetzt haben.

Die "Kleinanleger" haben jetzt aber angefangen selbst Aktien zu kaufen was den Kurs hat steigen lassen. Das wiederum hat die Hedgefonds dazu gebracht ebenfalls Aktien kaufen zu müssen um ihre Verluste irgendwie auszugleichen.
Was wiederum den Aktienkurs noch weiter hat steigen lassen und somit den Verlust der Hedgefonds noch größer hat werden lassen.

Das Pikante bei z.B. Gamestop ist, dass 140% der Aktien "geshortet" wurden. Sprich die Hedgefonds haben mit mehr Aktien spekuliert als überhaupt am Markt sind.
Somit haben sie das Problem, dass sie auch kaufen müssen wenn ihre Deadline da ist.

Natürlich wird am Ende irgendwer auf der Strecke bleiben. Nach derzeitige Sicht sinds einmal die Hedgefonds sein, da diese am lautesten nach einer Regulierung und Aussetzung des Handels schreien. Stellt sich halt die Frage, auf welche Seite sich am Ende die Aufsicht und die Politik stellt (die Hedgefondsanwälte sprechen ja schon davon, dass diese Redditgruppe unerlaubte Absprachen getätigt haben und somit die ganzen Trades illegal seien).

Das ganze zeigt ausserdem, wie pervers das ganze Sytem ist.

scionescio
1
1
Lesenswert?

@Servus: "Das ganze zeigt ausserdem, wie pervers das ganze Sytem ist."

Da bin ich ganz bei dir!

Was mein Verständnis betrifft: mir ist schon klar, was da gerade abläuft - aber eine SChwalbe macht noch keinen Sommer und abgerechnet wird zum Schluss: wenn sich Amateure mit Profis anlegen, gibt es auf lange Sicht nur einen Sieger ... und das werden nicht die Kleinanleger sein, weil die sich auch nur instrumentalisieren lassen und jetzt halt ein anderer Fond kassiert, der rechtzeitig auf long gegangen ist.