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ReisewarnungenTourismus: Wirtschaftsforscher sehen einen harten Winter

Angesichts von Reisewarnungen gegen Österreich geht das Wifo inzwischen von einer schwierigen Wintersaison aus. Um den Tourismus zu retten, müssten die Infektionszahlen rasch sinken.

Vor allem Reisewarnungen könnten Winterurlauber vom Skifahren in Österreich abhalten
Vor allem Reisewarnungen könnten Winterurlauber vom Skifahren in Österreich abhalten © (c) imago images/Westend61 (Wilfried Feder via www.imago-images.de)
 

Wifo-Chef Christoph Badelt erwartet für die Tourismusbranche heuer einen schwierigen Winter. Das Wirtschaftsforschungsinstitut geht aktuell davon aus, dass 2020 die Wertschöpfung im Tourismus um 24 bis 26 Prozent unter der von 2019 liegt. 2021 wird dann ein Wachstum von 10 Prozent gegenüber heuer prognostiziert. Damit sei man aber noch weit vom Niveau von 2019 entfernt, sagte Badelt am Freitag im Ö1-Mittagsjournal. Wirklich wichtig sei, die Infektionszahlen runter zu bringen.

Wie sehr sich die aktuellen Reisewarnungen auswirken, hängt laut Badelt davon ab, wie lange sie aufrecht bleiben. Badelt sagte, die aktuelle Wertschöpfungsprognose für den Tourismus setze voraus, dass spätestens um die Jahreswende die Reisewarnungen weg sind und die Touristen wieder kommen, sodass die Skisaison anlaufen kann. Die Monate November und Dezember seien für das Wintergeschäft statistisch gesehen nicht so wichtig.

Ausbleibende Wintersportler würden nicht nur die Seilbahnen und Hotels treffen, sondern auch deren Zulieferbetriebe wie Wäschereien und Taxiunternehmen. Auch die Lebensmittelerzeuger wären betroffen, wenn sie Hotels und Restaurant nicht mehr im selben Ausmaß beliefern können. Badelt bezifferte die wirtschaftlichen Effekte auf 5 Mrd. Euro, die am Tourismus hängen. Der Tourismus mache in Österreich rund 6 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, mit indirekten Effekten seien es 7,3 Prozent.

Politische Maßnahmen

Der Ökonom geht davon aus, dass bei einer schwachen Saison die Politik eingreifen wird müssen, um Betriebe und deren Beschäftigte zu retten. Über den Sommer seien die Arbeitslosenzahlen im Tourismus - fast 100.000 im Frühjahr - wieder stark gesunken, der Arbeitsmarkt im Tourismus könnte sich aber wieder deutlich verschlechtern, falls die Gäste ausbleiben.

Die Deutschen sind mit Abstand die wichtigste Gästegruppe für den österreichischen Tourismus. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn mahnte am Freitag seine Landsleute wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen aber zur Zurückhaltung bei Auslandsreisen in den Herbst- und Winterferien. "Wir haben jetzt zwei Mal erlebt - Stichwort Ischgl, Winterurlaub, und im Sommer - dass durch Reiserückkehr auch in Infektionen stärker wieder nach Deutschland reingebracht werden", so Spahn.

Hoteliers wollen Förderung für Tests

Das von der Regierung am Donnerstag präsentierte Konzept für den Wintertourismus sei zwar positiv, aber "schnell analysiert", sagt der Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung, Christian Gratzer. Viele wichtige Fragen seien nämlich unbeantwortet geblieben, sagen die Hoteliers und wünschen sich etwa Hilfen für Stadt- und Kongresshotels oder Schadenersatz für Einnahmenausfälle durch vorverlegte Sperrstunden.

"Winter is coming, viele Betriebe in der Stadthotellerie stehen vor der Schließung", warnte Gratzer am Freitag in einem "ÖHV-Politikbrief zum Corona-Winter".

Als Akutmaßnahme wünscht sich die Hotelbranche eine rasche Notifizierung und Verlängerung des Fixkostenzuschusses II (FKZ II) sowie eine Beantragung zeitlich unabhängig vom FKZ I. Für Corona-Schnelltests sollte es Förderungen geben und für Einnahmenausfälle nach falschen Testergebnissen einen Anspruch auf Schadenersatz. Für Mitarbeiter in Quarantäne sollten die Unternehmen bereits ab dem ersten Tag einen Kostenersatz bekommen, so die ÖHV. Für Unternehmen, deren Geschäftsmodell ohne Apres-Ski nicht funktioniert, werden Überbrückungshilfen gefordert.

 

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