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Exporte steigen, weniger JobsKleine Lichtblicke für die deutsche Autoindustrie

Deutsche Autobauer rechnen mit einer Zunahme der Exporte. Aber Entwicklung des Personalbestandes macht Ifo Sorgen. Zulieferer Schaeffler sieht für Autobranche indes noch kein Ende der Coronakrise.

© AFP/Hendrik Schmidt
 

Die deutsche Autoindustrie nimmt dem Ifo-Institut zufolge nach den coronabedingten Einbrüchen allmählich wieder Fahrt auf. Die Geschäftserwartungen der wichtigen Branche legten im Juli bereits den zweiten Monat in Folge deutlich zu, und zwar auf 43,7 Punkte nach 26,9 Zählern im Juni, wie die Münchner Forscher am Dienstag zu ihrer Unternehmensumfrage mitteilten.

Die Autobauer rechnen zudem mit einer Zunahme ihrer Exporte: Dieses Barometer stieg auf 40,8 Punkte, nachdem es im Vormonat noch bei 17,3 Zählern gelegen hatte.

Der Indikator für die aktuellen Geschäftslage liegt allerdings noch deutlich im Minus, auch wenn er von minus 81,9 auf minus 65,5 Punkte kletterte. "Die Entwicklung des Personalbestandes bleibt besorgniserregend", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Die Personalplanung verharre unter dem Niveau der Finanzkrise 2009, auch wenn Auftragsbestand und Produktionserwartungen zuletzt zunahmen. Ein Grund für die Vorsicht dürfte in der insgesamt nur leicht gestiegenen Nachfrage bestehen, die zudem oft aus den Lagerbeständen bedient wird.

"Die Unsicherheit bleibt hoch"

Nach Einschätzung des deutschen Zulieferers Schaeffler wird die Autoindustrie die Coronakrise  auf absehbare Zeit nicht überwinden. "Es ist noch nicht absehbar, wann die Autobranche wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht", sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld der Nachrichtenagentur Reuters.

Trotz einer Erholung des eigenen Geschäfts in den zurückliegenden Monaten traute sich Schaeffler deshalb auch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Dienstag keine konkrete Geschäftsprognose für das Gesamtjahr zu. Umsatz und Ergebnis dürften zurückgehen, bekräftigte das Unternehmen lediglich. "Die Unsicherheit bleibt hoch, man muss daher vorsichtig bleiben", sagte Rosenfeld.

Tief in den roten Zahlen

Infolge monatelanger Produktionsstopps der Autohersteller rutschte Schaeffler im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen. Der Nettoverlust belief sich auf 353 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern einen Gewinn von 273 Millionen Euro gemacht. Zum Verlust trugen auch Abschreibungen von 249 Millionen Euro auf das Kerngeschäft mit der Autobranche und Kosten des Abbaus von rund 3500 Stellen bei. Operativ schrieb Schaeffler allerdings einen kleinen Gewinn von 65 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte um 22 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro.

Wie andere Unternehmen der Autobranche sieht Schaeffler zumindest das Schlimmste überstanden. "Im Quartalsverlauf hat sich unser Geschäft deutlich erholt. Dieser Trend setzt sich im Juli fort", sagte Rosenfeld. "Im Juni hat unser Automobilgeschäft in China wieder Normalniveau erreicht." Die Märkte in Europa und Amerika seien davon aber noch weit entfernt. Das Unternehmen verlässt sich nun noch stärker auf seine Industriesparte, die beispielsweise Bauteile für die Windkraftbranche liefert. "Noch nie hat sich deutlicher bestätigt, dass es sinnvoll ist, dass wir kein reiner Automobilzulieferer sind."

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