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Aktienkurs bricht weiter einSo stürzte Wirecard-Boss Braun über den Bilanzskandal

Nachdem sich der Bilanzskandal bei Wirecard ausgeweitet hat, ist nun Vorstandschef Braun, ein Österreicher, zurückgetreten. Aktie hat seit Mittwochabend um neun Milliarden Euro an Wert verloren.

Nach 18 Jahren muss Wirecard-Chef Markus Braun zurücktreten
Nach 18 Jahren muss Wirecard-Chef Markus Braun zurücktreten © APA/dpa/Peter Kneffel
 

Nach dem Bilanzskandal beim DAX-Konzern Wirecard hat der umstrittene Vorstandschef Markus Braun seinen Posten geräumt. Der österreichische Manager sei im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Interims-Chef wird der US-Manager James Freis, der erst am Vorabend in den Vorstand berufen worden war.

Entscheidend für die Zukunft des Unternehmens wird jedoch sein, ob die Banken Wirecard den Geldhahn zudrehen und von der Möglichkeit Gebrauch machen, an diesem Freitag Kredite von zwei Milliarden Euro zu kündigen. Wirecard machte den Anlegern Hoffnung: Das Unternehmen befinde sich in "konstruktiven Gesprächen" mit seinen kreditgebenden Banken.

Die Banken wären laut Wirecard zur Kündigung berechtigt, wenn das Unternehmen keinen testierten Jahresabschluss vorlegt. Nach einer Schätzung der US-Bank Morgan Stanley würde Wirecard nur noch über liquide Mittel von 220 Millionen Euro verfügen, falls diese Kreditlinien verloren gehen.

Die Mitteilungen zum Chefwechsel und den Verhandlungen mit den Banken stoppten den von Pleiteängsten getriebenen rapiden Verfall der Wirecard-Aktie an der Frankfurter Börse. Die Papiere verloren am Vormittag die Hälfte ihres Werts und stürzten von 40 auf 20 Euro je Anteilsschein ab, um anschließend wieder auf knapp 30 Euro zu klettern. Seit Mittwochabend liegt der Wertverlust der Papiere insgesamt bei neun Milliarden Euro - allein Braun als Großaktionär hat über 600 Millionen Euro eingebüßt.

"Ich will diese Zukunft nicht belasten"

Der zurückgetretene Vorstandsvorsitzende schrieb in einer persönlichen Erklärung an Mitarbeiter und Aktionäre, er sei aus eigenem Antrieb zurückgetreten. Wirecard habe ein exzellentes Geschäftsmodell, herausragende Technologie und ausreichende Ressourcen für eine große Zukunft. "Ich will diese Zukunft nicht belasten", erklärte der 1969 geborene Österreicher in der auf Englisch verfassten Erklärung. "Mit meiner Entscheidung respektiere ich die Tatsache, dass die Verantwortung für alle geschäftlichen Transaktionen beim Vorstandschef liegt."

Braun führte das Unternehmen seit 2002 und war die dominante Figur. Er war schon 2019 unter massiven Druck durch Anleger geraten, die dem studierten Wirtschaftsinformatiker mangelnde Information und schlechtes Krisenmanagement vorwarfen. Freis hingegen ist unbelastet von der Vergangenheit, der US-Anwalt und Analyst ist Spezialist für Wirtschaftsverbrechen: Freis war von 2007 bis 2012 Chef der Einheit zur Bekämpfung der Finanzkriminalität im US-Finanzministerium, wie er auf seiner LinkedIn-Seite schreibt.

Am Vorabend hatte der Wirecard-Aufsichtsrat bereits den für das Tagesgeschäft zuständigen Vorstand Jan Marsalek vorerst suspendiert und dafür Freis berufen. Dieser sollte eigentlich in der Wirecard-Spitze für die "Compliance" zuständig sein, also die Rechtstreue - nun muss er sich quasi von einer Minute auf die andere in die Führung des von einer existenzbedrohenden Krise erschütterten Konzerns einarbeiten.

Zur Person

Der Österreicher Markus Braun übernahm im Jahr 2002 mit nur 31 Jahren den Chefposten bei Wirecard. Damals hattedas Start-up gerade so die wilde New-Economy-Zeit überstanden.

Der gebürtige Wiener löste Wirecard aus der Abhängigkeit von Firmen, die Glückspiel- und Pornoseiten betreiben. Heute ist er der größte Einzelaktionär des Unternehmens.

Braun studierte in den 1990er Jahren Wirtschaftsinformatik an der WU Wien und machte im Jahr 2000 seinen Doktor. 1998 begann seine Karriere bei der Wirtschaftsberatung KPMG, bevor er 2002 zu Wirecard kam.

Zweifel an der Existenz von 1,9 Milliarden Euro

Vor Brauns Sturz verdichteten sich die Indizien für einen Betrugsfall großen Ausmaßes. Die philippinische Bank BDO Unibank, bei der angeblich eines von zwei suspekten Treuhandkonten für Wirecard geführt wurde, erklärte am Freitag, dass das deutsche Unternehmen kein Kunde sei: "Das Dokument, in dem die Existenz eines Wirecard-Kontos bei BDO behauptet wird, ist ein manipuliertes Dokument, das gefälschte Unterschriften von Bankangestellten trägt", hieß es in der Stellungnahme des in der Stadt Makati ansässigen südostasiatischen Geldhauses. "Der Fall ist an die Zentralbank der Philippinen berichtet worden." Zuvor hatte die US-Nachrichtenagentur Bloomberg über die Stellungnahme berichtet.

Im Mittelpunkt des Bilanzskandals stehen zwei asiatische Banken und ein Treuhänder, der seit Ende vergangenen Jahres für Wirecard die Konten verwaltet. Auf den Konten waren angeblich 1,9 Milliarden Euro verbucht. Die für Wirecard tätigen Bilanzprüfer bezweifeln jedoch mittlerweile, dass diese 1,9 Milliarden Euro tatsächlich existieren.

Bargeldlose Zahlungen für Händler

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab, sowohl an Ladenkassen als auch online. Das Unternehmen ist seit über einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner "Financial Times" dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf.

Deswegen hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) auch den Jahresabschluss nicht testiert. EY vermutet Täuschungsabsicht.

Selbst Betrugsopfer?

"Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard AG in einem Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist", sagte Braun in der Nacht zum Freitag wenige Stunden vor seinem Aus. Unabhängig davon haben die Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft angekündigt, den Fall unter die Lupe nehmen zu wollen.

Treuhänder und Treuhandkonten waren schon Gegenstand einer Sonderuntersuchung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gewesen, die Braun im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte.

Wirecard erwirtschaftet einen beträchtlichen Teil seiner Umsätze über Drittfirmen, die im Auftrag des deutschen Unternehmens bargeldlose Zahlungen abwickeln und dafür Provision erhalten. In diesem Zusammenhang hatte Wirecard einen Treuhänder beauftragt, der im Auftrag des deutschen Unternehmens Konten eröffnete, über die die Geschäfte liefen.

KPMG hatte im April bemängelt, dass es "nicht hinreichend nachgewiesene Einzahlungen auf Treuhandkonten" von rund einer Milliarde Euro gebe. Der ursprüngliche Treuhänder beendete laut KPMG-Bericht im vergangenen Jahr die Geschäftsbeziehung, und empfahl als neuen Treuhänder eine asiatische Anwaltskanzlei. Diese eröffnete demnach dann auch neue Konten bei zwei Banken.

Kommentare (2)

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hansi01
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Ja, ja

Als Manager braucht man nichts können. Eine große Klappe und Fremdwörter die es gar nicht gibt genügen um jeden ins Boot zu holen. Und bevor es sinkt schleicht sich dieses Großmaul und den Schaden haben die anderen.
Aber kaum geht das Gras auf, glaubt man diese Großmäuler schon wieder und das Spiel beginnt von vorne.

brosinor
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6
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Gut lesbar für alle!

Der eben erst vom Rechnungshof aufgedeckte Grazer Finanzskandal Bertha von Suttner Platz bleibt schön hinter PLUS versteckt!