AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Billa"Urwald der Biomarken verunsichert Konsumenten"

Billa-Vorstandssprecher Robert Nagele erwartet Einsatz von Blockchain-Technologie für transpartente Herkunft von Lebemnsmitteln.

Billa-Vorstandssprecher Robert Nagele
Billa-Vorstandssprecher Robert Nagele © Eggenberger
 

Eben eröffneten Sie in St. Veit an der Glan die 1100. Billa-Filiale in Österreich. Wo ist der Plafond?
ROBERT NAGELE:
Ja, es ist ein Ju-biläum. In Kärnten ist es die 91. Filiale, in der Steiermark haben wir 149. Den Plafond haben die Verkaufsflächen der Lebensmittelgeschäfte in Österreich bereits erreicht. Da und dort ist der Markt schon übersättigt.

Denken Sie mancherorts schon an Rückbau?
Schließungen und qualitative Standortverlagerungen sind immer mit im Portfolio, an Rückbau denken wir nicht. Aber es wird weiter zu einer Zunahme der Verkaufsfläche kommen.

Sie fokussieren auf die wachsenden Städte, oder auf die Dörfer – mit Billa-Kreisverkehr?
Wir tragen dem Trend der Urbanisierung Rechnung, aber wir sehen auch unsere gesellschaftliche Verantwortung, die Nahversorgung in den ländlichen Räumen aufrechtzuerhalten. Im Osten sind wir gut abgedeckt, aber in Oberösterreich und Salzburg sehen wir Potenzial in ländlichen Gebieten. Auch mit neuen Verkehrswegen ergeben sich neue Chancen.

Wie viel läuft schon über den Online-Lebensmittelhandel?
Der Trend des Wareneinkaufs in die
digitalen Kanäle ist da, aber im Lebensmittelhandel deutlich geringer als in anderen Warengruppen, wie Bücher oder Werkzeuge, die bis zu 50 Prozent Online-Umsatz machen. Unser Online-Umsatz wächst zwar stark um 25 bis 30 Prozent, aber er macht derzeit nur rund eineinhalb bis zwei Prozent des Umsatzes aus. Da ist der stationäre Handel bei Lebensmitteln in Österreich überhaupt nicht in Gefahr.

Weil die Konsumenten noch genauer selbst die Lebensmittel prüfen wollen auf Herkunft und Regionalität?
Ja, im Lebensmittelhandel geht es stark um Vertrauen und dass man gustiert. Österreich hat eine unheimlich gute Nahversorgungsqualität, daher ist es sehr bequem, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, daher ist die Schwelle im Netz größer.

Der dichte Wettbewerb bringt Produzenten unter Druck, vor allem die Bauern klagen, dass ihre Milch und ihr Fleisch oft Gegenstand von Kampfpreisen sind. Haben Sie da ein schlechtes Gewissen?
So wie wir das Geschäft betreiben, habe ich kein schlechtes Gewissen. Der Handel ist oft der Fußabstreifer. Für die Arbeiterkammer können wir nie billig genug sein und werden mit Preisvergleichen immer wieder vorgeführt, dass wir zu teuer seien. Der Landwirtschaftskammer sind wir immer zu billig. Wir gehen den Mittelweg, um es den Konsumenten recht zu machen. Für viele ist Preis ein ganz sensibles Thema, da braucht es eine günstige Versorgung. Auf der anderen Seite setzen wir schon seit vielen Jahren auf Qualität. Mit der Landwirtschaft hat in den letzten 25 Jahren ein fantastischer Schulterschluss stattgefunden. Wir begannen schon 1994 mit „Ja! Natürlich“ als erster starker Biomarke. Das war der Schritt zur Demokratisierung der Biolebensmittel. Österreichs Biolandwirtschaft ist heute ein Vorzeigeprojekt für ganz Europa.

Aber kennen selbst Sie sich bei den vielen Bio-Gütesiegeln überhaupt noch aus?
Ich kenne mich schon aus, aber auf der Konsumentenseite ist es nicht mehr ganz transparent. Der Urwald an Gütesiegeln verunsichert die Konsumenten. Da sehen wir es als Aufgabe, die Qualität zu pflegen und oft über die gesetzlichen Standards hinauszugehen. Das ist uns bei „Ja! Natürlich“ 25 Jahre lang gut gelungen. Wir vermarkten außerdem bei Schwein, Rind und Huhn ausschließlich österreichisches Frischfleisch.

Fleisch aus den südamerikanischen Mercosur-Ländern würde nicht in Ihre Regale kommen?
Grundsätzlich muss man sich dem Thema Freihandel schon stellen, das müssen auch wir als Händler. Der Fokus gilt aber immer den österreichischen Produkten und Standards, die erhalten bleiben müssen.

Im Wahlkampf tauchte der Ruf nach einem Verbot für das Wegwerfen noch genießbarer Lebensmittel bei Supermärkten auf.
Der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln und die höchstmögliche Reduktion von Lebensmittelverschwendung ist bei uns gelebte Praxis – und zwar schon seit Jahren. Wir sind Mitbegründer des „Verbands österreichischer Tafeln“ und jede Billa-Filiale hat entsprechende Kooperationen mit sozial-karitativen Einrichtungen. Wir haben alleine 2018 Lebensmittel im Wert von 16,5 Millionen Euro gespendet.

Das Plastiksackerl-Verbot haben Sie schon vorweggenommen?
Wir verkaufen schon seit einigen Jahren keine Plastiksackerl-Tragetaschen mehr. Für die Lebensmittelverpackung haben wir mit Lenzing ein Projekt gemacht mit Obst- und Gemüse-Sackerln aus abbaubaren Zellulose-Holzfasern. Ab Ende Oktober stellen wir unsere gesamten Obstknotenbeutel um auf eine biologisch abbaubare Variante aus Kartoffelstärke. Wir verpacken unser gesamtes biologisches Obst und Gemüse mit Ende des Jahres ausschließlich in umweltfreundlicheren alternativen Verpackungen. Das Ziel ist: Raus aus Plastik!

Als in den USA Amazon Whole Foods kaufte, wurden mit Big Data auch Nachbarn von On-
line-Kunden mit profilgenauen
Zustellungen ungefragt bedrängt. Wie arbeiten Sie mit Kundendaten?
So etwas wäre bei uns undenkbar. Wir haben in Europa viel strengere Datenschutzvorschriften und arbeiten mit Daten ausschließlich anonymisiert. Die Kundendaten gehören den Kunden und da kann jeder entscheiden, ob er relevante Angebote bekommen will.

Bei der Logistik wird Digitalisierung die Just-in-time-Lieferung bis zum Erdäpfelbauer ausdehnen und einige Billa-Lager erübrigen?
Das wird nicht so schnell funktionieren. Die Logistik bis zum Lager kann man noch streamlinen, aber die große Herausforderung ist die Mikrologistik von einem Punkt zu den Endkunden. Das stößt schon jetzt an Grenzen der Infrastruktur der Städte. Dass man mit Blockchain die Lieferkette gut nachweisen kann, von der Herkunft der Lebensmittel bis auf den Teller, wird in den nächsten Jahren schon Einzug halten.

Wie lange wird man bei Billa noch bar zahlen können?
Noch sehr lange. Wir haben in unseren Geschäften60 Prozent Barzahlung.

Zur Person

Robert Nagele (52), gebürtiger Kärntner, seit 23 Jahren bei Billa, seit 2018 Vorstandssprecher.

Billa hat in Österreich 1100 Filialen und rund 20.000 Mitarbeiter.

Die Rewe International AG
(Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg) setzte 2018 in Österreich 8,6 Milliarden Euro um (+ 1,51 %).

 

 

Kommentare (1)

Kommentieren
tenke
0
6
Lesenswert?

Klingt ja alles recht schön,

aber nach der Kundenzufriedenheit mit dem neuen ach so verbraucherfreundlichen JÖ-Club wurde nicht gefragt.

Antworten