VW-Boss für Batterieantrieb"Es darf nicht länger so getan werden, als gebe es gleichwertige Alternativen"

Volkswagen-Chef Herbert Diess forciert das Eintreten für batteriebetriebene E-Autos. In der Branche sorgt das für Unruhe.

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VW-Chef Herbert Diess
VW-Chef Herbert Diess © APA
 

In der Debatte um zukünftige Antriebsarten hat VW-Chef Herbert Diess für batteriebetriebene E-Autos geworben. Der Batterieantrieb sei "auf absehbare Zeit die beste und effizienteste Möglichkeit für weniger CO2 im Straßenverkehr", sagte Diess der "Welt" (Online/Sonntag).

Zugleich rief Diess alle deutschen Autobauer auf, bei der Umstellung auf umweltfreundliche Technologien einen gemeinsamen Schwerpunkt festzulegen. "Lassen Sie uns daher aufhören zu kritisieren und zu diskutieren. Lassen Sie uns den anstehenden Wandel gemeinsam angehen", zitierte ihn die Tageszeitung.

Am Samstag hatte Diess in einem eigenen Beitrag im Business-Netzwerk LinkedIn ebenfalls für die Elektromobilität geworben. "In Politik und Verbänden darf nicht länger so getan werden, als gebe es gleichwertige Alternativen", schrieb er.

Scheider: "Wird nicht nur eine Lösung geben"

In der mächtigen deutschen Autobranche selbst sorgt die Positionierung von VW indes zunehmend für Streitikgeiten. Unterdessen beklagte der Chef des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, Wolf-Henning Scheider, bei VW eine zu starke Konzentration auf die reine Elektromobilität. "Man darf nicht die Strategie eines einzelnen Unternehmens mit der gesamten Branche gleichsetzen", sagte der Vorstandschef dem "Tagesspiegel" (Sonntag).

Er habe zwar Respekt vor der VW-Strategie, am Ende müsse aber der Kunde die Produkte kaufen. "Und da wird es nicht nur die eine Lösung geben." Der Umstieg auf ein Elektroauto sei für viele Kunden von heute auf morgen nicht möglich, sagte ZF-Chef Scheider. Es hake etwa an der Reichweite der E-Fahrzeuge. "Ich bin davon überzeugt, dass sich dieses Thema mit der Zeit lösen lässt. Aber nicht in den nächsten 10 bis 20 Jahren."

70 neue E-Auto-Modelle bis 2028

ZF selbst setze auf eine Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor, die bald rein elektrische Reichweiten von 80 bis 100 Kilometern ermögliche, sagte Scheider. Ende des Jahres würden die ersten Fahrzeuge mit diesem Antrieb im Autohaus stehen.

Wenn es um Alternativen zum Verbrennungsmotor geht, setzt die Branche zurzeit neben batterieelektrischen Antrieben etwa auch auf Brennstoffzellentechnik, synthetische Kraftstoffe oder Hybride. VW-Chef Diess legt aber den Fokus auf E-Mobilität und will mehr reine Elektromodelle auf die Straße bringen. Nach Angaben vom Dienstag sollen bis 2028 fast 70 neue E-Auto-Modelle in den Verkauf gehen. Zuvor hatte VW noch von 50 E-Modellen gesprochen. In den kommenden zehn Jahren will VW dann 22 Millionen Elektroautos bauen statt den bisher angepeilten 15 Millionen.

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Kunierer
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Autoindustrie bitte aufwachen

was hört man derzeit von den deutschen Herstellern? Eigentlich so gut wie nichts sieht man von BMW mit seinem bereits in die Jahre gekommenen i3 und den von Benzin auf Elektro umgemodelten Golf und wenn man von der AUDI Luxuskarosse E-Tron mal absieht herrscht Stille.
Bei den übrigen, Jaguar klammere ich schon allein aus Preisgründen aus und Tesla ebenfalls bleiben dann noch Nissan mit dem Leaf, Renault mit dem Zoe und die Koreaner Kia und Hyundai die aber unter einem Jahr nicht liefern können. Eine traurige Bilanz und da wird dann noch von Verbesserung der Umweltbilanz etc. dahergeschwafelt, mit was bitte?

scionescio
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Durch den Dieselskandal war VW gezwungen alles auf eine Karte zu setzen ...

... da der Absatz an den unausgereiften eAutos mit Akkus als Energiespeicher aus guten Gründen deutlich hinter dem Wunschdenken liegt und der prozentuelle Zuwachs sogar abnimmt, schwimmen dem guten Herrn die Felle davon - wenn es blöd läuft, bringt er mit seiner waghalsigen Entscheidung VW um!
VW hat die ID Plattform ja sogar so ausgelegt, dass andere, kleine Hersteller sie als Basis verwenden und darauf eigene Nischenfahrzeuge entwickeln.

Dogsitter
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ja

die Elektrogeschichte wird in einigen Jahren, Jahrzehnten? so weit sein, das sie den normalen Kraftstoff ablösen kann....für Kurzstrecken gehts ja heute schon recht gut, wie man sieht, aber was wenn man mit Wohnwagen verreisen will...bis jetzt überhaupt nicht elektrisch möglich, oder einen Pferdeanhänger ziehen etc....der Raubbau in 3.Weltländern für die Rohstoffe ist ja eh auch hinlänglich bekannt...und zu guter letzt bis alle mit Photovoltaik ausgestattet sind, damit der Stromverbrauch im Rahmen gehalten werden kann, wird noch viel Wasser die Bäche runter rinnen...und außerhalb der Länder die das Geld für Infrastruktur haben, wird Reisen auch nur schwer möglich sein, sprich wo kann man aufladen, wie schnell kann man laden usw. .. und der Preis für diese Autos ist in dem Bereich wo sie auch praxistauglich für längere STrecken sind so hoch, das Normalbürger sich das nicht leisten können....wer hat schon 70.ooo Euro mal so für ein Auto ?

QL01TM2WSD06AO1T
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Die Politiker haben E-Autos ja auch schon zum Sieger erklärt...

Die Forschung nach Alternativen (synthetische Kraftstoffe etc.) um bestehende Fahrzeuge CO2 verträglicher oder gar CO2 Neutral zu betreiben wird daher kaum zur Sprache gebracht.

Die Automobilhersteller freuts, endlich ist der Gebrauchtwagenmarkt tot.

steinpe
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Kasperle

was glaubt dieses und alle kasperlen, die für elektroantrieb sind, wo die energie ( atom, kohle ) und rohstoffe für die batterien herkommen sollen, werden die wieder irgendwelche "armen länder" ausbeuten und die dann in ihrem elend allein lassen. ich hoffe das wird die "flüchtlingswelle" erneut anheizen

paulrandig
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steinpe

Das sind zwar Argumente, die aber nicht zwingend unlösbar sein müssen:
Die Energie:
Wasserstoff für Brennstoffzellen kann gut mit Photovoltaik erzeugt werden, lässt sich toll speichern und schnell tanken.
Zur Menge der benötigten elektrischen Energie:
Würde der gesamte PKW-Fuhrpark heute auf elektrisch umgestellt, wäre das ein Mehrbedarf an elektrischer Energie im einstelligen Prozentbereich.
Zu den Rohstoffen:
Je verbreiteter eine Technologie wird, desto mehr Geld fließt in die Forschung, desto effizienter wird das Ganze. Der Verbrenner ist in den letzten zwanzig Jahren so effizient geworden, dass wir heute ein Mehrfaches der Leistung aus derselben Menge Sprit rausholen. Warum dem Elektroantrieb nicht eine ähnliche Chance geben? Jetzt schon wurde der Rohstoffbedarf an seltenen Elementen stark gesenkt, und die Speicherkapazität erhöht sich laufend. Wo können wir da erst in 20 Jahren sein, wenn wir noch dazu Brennstoffzellentechnik nutzen?
Zu den armen Ländern:
Die werden ohnehin ausgebeutet; mit Kakao, Tulpen, Erdöl, Gold usw. Das hängt nicht vom Rohstoff ab, sondern von der Politik. Da muss man völlig anders ansetzen. Der Ansatz, dass wir ausgerechnet durch Elektroautos in Flüchtlingen ertrinken, ist wohl ein kleinwenig übertrieben.

scionescio
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@paulrandig: "dass wir heute ein Mehrfaches der Leistung aus derselben Menge Sprit rausholen. Warum dem Elektroantrieb nicht eine ähnliche Chance geben?"

Der Energieinhalt eines Liters Diesel/Benzin ist ja konstant und die Verbrennungsmotoren sind viel effizienter geworden.
Beim eAuto ist es umgekehrt: der eMotor ist schon so effizient, weil er Strom nur "umwandelt" (und nicht wie der Verbrennungsmotor Treibstoff erst zur Explosion bringen muss und erst diese Energie in Rotation umwandelt) und Verbesserungen sind nur mehr im kleinen Prozentbereich zu erwarten.
Das Problem liegt in der Energiespeicherung: die Energiedichte bei den besten (Labor)Akkus liegt bei ca. 4MJ/kg, Benzin/Diesel bei ca. 40MJ/kg und Wasserstoff bei 120MJ/kg - also gut 1000% Unterschied zw. Akku und Benzin oder anders gesprochen: statt 50kg Benzin brauche ich 500kg Akkus (siehe Tesla!).
Habe ich deshalb dann die gleiche Energiemenge? Nein - weil der Verbrennungsmotor ja für jedes kg Benzin auch 15kg Sauerstoff verbrennt. Dieser Sauerstoff wird der Luft entnommen - beim Akku muss ich die ganze Energie mitführen dh vereinfacht gesprochen müsste ich auch die 15fache Menge an Akkus mitführen, damit ich die gleiche Energiemenge zur Verfügung habe. Gemildert wird das etwas durch den Wirkungsgrad (eMotor 2-3x besser, abhängig davon wie die Abwärme zB fürs Heizen im Winter eingerechnet wird) - wir reden in Summe aber immer noch von 5000-8000% Differenz.
Wenn man sich die jetzt schon abflachende Kurve der Verbesserungen beim Akku anschaut, kann man guten Gewissens keinen größeren jährlichen Zuwachs als 20% annehmen dh wir werden ein paar Jahrzehnte brauchen ...

joker1234
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Ich mag

ja nicht klugscheißen, Scio, aber es heisst aus gutem Grund Verbrennungs- und nicht Explosionsmotor.

In deiner Berechnung geht auch unter, dass man einen Batterie-Akku nicht alle 500-1000 km erneuern muss.

Man müsste jetzt den Wirkungsgrad einfach komplett berechnen, ohne Schönung der Zahlen.
Der Verbrennungsmotor startet da schon mal mit schlechten Karten, da der Motor selbst halt nur irgendwo bei 30% liegt, während der E-Motor da mit weit höheren Werten beginnt. Jetzt wäre nur noch die gesamte Produktion, Distribution % Co einzurechnen - wenn man dabei wirklich überall ehrlich bleibt, sollte es einen halbwegs guten Vergleich geben.

Die Frage ist nur, wer da wie rechnet....

scionescio
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@Joker1234: der Punkt mit dem Explosionsmotor geht klar an dich!

Mit dem Erneuern meinst du vermutlich das Nachtanken, weil ich weder Motor noch Benzintank nach dieser Laufleistung erneuern muss - du kannst jetzt wahlweise für Nachdanken entweder Nachladen (deutlich häufuger, längerdauernd und komplizierter als Tanken) oder auf die CO2 Bilanz von Treibstoff vs Strom betrachten (ich habe mich dieser Problematik aber gar nicht gewidmet, sondern nur versucht, die unterschiedliche Energiedichte des Gesamtsystems zu veranschaulichen).
Beim Wirkungsgrad bin ich mir keiner Schuld bewusst, weil ich ja geschrieben habe, dass da der eMotor je nach Betrachtung bis zu 3x besser ist (wenn man die Energie für das Heizen des Fahrzeugs dazurechnet, schaut es etwas anders aus).
Der CO2 Footprint ist so komplex (und wird auch unter Fachleuten so kontrovers diskutiert), dass ich bewusst auf diese Thematik nicht eingegangen bin.

Stratusin
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Tesla wurde für dieselben Aussagen

bis heute als irre hingestellt. Und jetzt kommt vom führenden deutschen Hersteller die gleiche Strategie. Das wird einige gestrige nicht gefallen. Aber in 3-5 Jahren haben’s dann es alle schon immer gewusst, und keiner war dagegen.

scionescio
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@OhneSinn: Musk (und nicht Tesla) wir zu Recht dafür kritisiert...

... dass er unausgereifte Fahrzeuge mit nie gehaltenen Versprechen in den Markt gepresst haben, die kein einziges Problem gelöst haben, sondern nur als Spielzeug für Angeber mit viel Geld taugen (Beschleunigung).
Dabei geht er buchstäblich über Leichen und suggeriert einen Abstandstempomat plus Spurhalteassistent als Autopiloten- und regelmäßig sterben Menschen, weil sie diesen Schwachsinn glauben.
Es geht ihm nur ums Reichwerden, die Umwelt ist nur ein Vorwand - sonst würde er kleine und billige Fahrzeuge produzieren (2,5Tonnen um einen Menschen mit 80km/h knapp 200km zu transportieren und dann wieder 1,5 Stunden nachladen zu lassen ist eine Themenverfehlung!)

4VYNX08ACGY2G8LP
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Strom ist nicht die Lösung...

Für diesen Schwachsinn bekommt er eine Millionengage...

Südsteirer
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Stimmt!

Viel besser ist es weiter mit Verbrennern herumzufahren. Die haben ja eine so gute Umweltbilanz, genau so eine gute Effizienzbilanz und sind obendrein auch noch überdrübersupitoll!

Und dann sind sie aufgewacht, Sol lucet omnibus....

tschifudl1
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Zuallererst...

muss der VW Konzern für die Betrügereien beim Diesel alles zahlen! Bis dahin sollte keiner mehr ein KFZ von diesem unseriösen Unternehmen kaufen!