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SPÖ warntNeue Tarife: Droht den Biomasseanlagen das Aus?

Die SPÖ warnt die Betreiber von Biomasseanlagen vor einem Aus durch den geplanten Nachfolgetarif der Regierung, die ÖVP widerspricht. Hinter den Kulissen gibt es ein Tauziehen zwischen Landwirtschaft und Industrie.

© KLZ/Markus Traussnig
 

Die SPÖ warnt die Betreiber von Biomasseanlagen, dass die geplante Nachfolgetarif-Verordnung der Regierung für mehr als die Hälfte von ihnen das Aus bedeuten könnte. Denn rund 50 Prozent würde den erforderlichen Wirkungsgrad von mindestens 60 Prozent nicht erreichen. Und die Anderen würden ein Drittel weniger bekommen als bisher, so SPÖ-Energiesprecherin Muna Duzdar.

Sie sieht in der Bundesregierung ein Tauziehen zwischen den Vertretern der Landwirtschaft und der Industrie und Wirtschaft, wobei letztere höhere Tarife und eine Konkurrenz um die Rohstoffe fürchten. Übrigleiben würden dabei die 47 Anlagebetreiber, denen die Regierung nicht helfe, sondern "sie hinters Licht führt", so Duzdar.

Völlig unterschiedliche Ansätze

Tatsächlich verfolgen die Landwirtschaftskammer und die Papierindustrie gänzlich unterschiedliche Ansätze. Während die Bauernvertreter die regionale Energieerzeugung und die zusätzliche Einkommensquelle in den Vordergrund rücken, sehen die Industriellen keine Notwendigkeit für eine weitere Anlagenförderung.

"Durch die Übergangslösung beabsichtigt man weitere 150 Millionen Euro in Anlagen zu pumpen, die nach 13 Jahren Förderdauer immer noch nicht in der Lage sind, wirtschaftlich zu arbeiten", sagte Austropapier-Präsident Christian Skilich diese Woche. Dass die Anlagen auch nötig wären, um das viele Schadholz aufzuarbeiten, wie die Landwirte argumentieren, lässt die Papierindustrie nicht gelten - denn das Schadholz, das nun aus den Wäldern gebracht werde, sei das Holz, das dann in den nächsten Jahren nicht mehr anfällt.

Die neuen Tarife

Laut der geplanten Biomasse-Nachfolgetarifverordnung sollen künftig folgende Tarife den Anlagenbetreibern gezahlt werden: Bei einer Engpassleistung bis 2 MW 10 Cent/kWh, bei einer Engpassleistung von über 2 MW bis 10 MW 9 Cent/kWh und bei einer Engpassleistung von über 10 MW 8,50 Cent/kWh.

Zum Hintergrund: Vergangene Woche hat der Nationalrat die Ökostrom-Novelle mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit mit den Stimmen der Regierungsparteien und der NEOS beschlossen. Nun muss die Vorlage noch durch den Bundesrat, wo sie jedoch zu scheitern droht. Denn dort hat die SPÖ eine Blockade-Möglichkeit für Zwei-Drittel-Materien, die in die Kompetenzen der Länder eingreifen.

ÖVP widerspricht der SPÖ

Die ÖVP kritisiert die Warnung der SPÖ, die geplante Nachfolgetarif-Verordnung der Regierung könnte für mehr als die Hälfte der Betreiber von Biomasseanlagen das Aus bedeuten. "Die Zahlen sind für uns nicht nachvollziehbar und an den Haaren herbeigezogen", so Energiesprecher Josef Lettenbichler am Samstag zur APA. Ein Großteil der Anlagen könne mit dieser Effizienz-Regelung gerettet werden.

"Gerade die SPÖ, die immer hohe Effizienz-Kriterien fordert und damit argumentiert, kritisiert diese jetzt. Das ist absurd", meinte Lettenbichler. Die "Panikmache" bei den Betreibern der Biomasseanlagen komme jetzt als "letzter Rundumschlag der SPÖ", anscheinend werde der Druck aus den Bundesländern immer größer. "Wichtig ist, dass wir Fördertarife überhaupt möglich machen. Dazu braucht es die Zustimmung der SPÖ-Bundesräte und kein Veto", so Lettenbichler.

Kommentare (13)

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isogs
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Frage

Wer fördert meine Stromrechnung?

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tannenbaum
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Diese

Fernwärmeanlagen werden mit Steuergeldern gefördert, dass es schon fast pervers ist! Trotzdem ist heizen mit Fernwärme eines der teuersten Möglichkeiten, sein Haus zu heizen! Da stimmt doch irgendetwas nicht!

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Carlo62
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Geballter Blödsinn!

Erstens wird die Biomasse zu Strom und Wärme genutzt.
Zweitens sind die Kosten für Fernwärme niedriger als für Strom oder Öl (je kWh).
Drittens werden Fotovoltaik und Windkraft wesentlich höher gefördert als Biomasse!

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pesosope
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Carlo62

Sie haben Recht, es ist geballter Blödsinn!
Der Arbeitspreis pro kWh kostet bei der Fernwärme (zB Graz, die liegen im unteren Drittel in Österreich) 7,519 Cent, bei Erdgas 6,107 Cent und bei Heizöl 7,735 Cent. Dazu kommt aber noch der Leistungspreis der bei Fernwärme 17,81 € pro kW und bei Erdgas 59,60 € beträgt. Und dann kommt noch der Messpreis/Zählergebür, der auch noch 13,69 €/Monat beträgt.
jetzt rechnen Sie die Preise für ein Haus mit 12 kW Anschlussleistung kurz zusammen, dann ergibt dies bei Heizöl noch immer 7,735 Cent/kWh, bei Erdgas 6,890 Cent/kWh und bei Fernwärme bereits 10,520 Cent/kWh.
Und für Sie noch einmal erwähnt, Graz liegt bei den Preisen im unteren Drittel in Österreich und sämtliche Biomasseheizwerke sind erheblich teurer. Wenn Sie jetzt jedoch nur von Strom reden wollen, dann bitte sehr, was glauben Sie, warum diese Kraftwerke trotz 50% Förderungen jetzt schon wieder Pleite sind und immer und immer wieder um Förderungen anklopfen?

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Carlo62
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Äpfel und Birnen

Der Strompreis, mit dem ich ja auch verglichen habe liegt bei ca. 17 Cent/kWh, ist also deutlich höher als bei Fernwärme. Heizöl um 77,3 Cent pro Liter (entspricht 7,73 Cent/kWh) bekommt man leider schon lange nicht mehr! Außerdem vergessen Sie die Kosten von Brennerwartung (jährlich 250 EUR, Zustellgebühr (35 EUR) und die Kaminfegerkosten (180 EUR). Damit liegen wir beim Erdöl weit über 12 Cent/kWh! Dies trifft sinngemäß auch auf Gas zu, wodurch die Kosten je kWh auch dort steigen! Fernwärme ist die günstigste Energieform!

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pesosope
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Carlo62

Es tut mir leid, aber Ihnen fehlen einige grundsätzliche Voraussetzungen, um solch ein Thema zu diskutieren!
Der Strompreis hat mit den gegebenen Brennstoffpreisen nichts zu tun, denn der ist bei Öl, Gas, Kohle, Biomasse, Wind, Sonne Atom immer derselbe, nur die Kraftwerke müssen damit umgehen können und wie sie das tun, zeigt eben diese Diskussion über notwendige Förderungen. Sie können vielleicht noch die Wirkungsgrade der Anlagen berücksichtigen, aber auch da sollte man Biomasseheiz- u. kraftwerke nicht so sehr in den Vordergrund drängen, weil deren Werte eher bei 40% liegen und nicht wie im Gesetz vorgegeben bei 60%. Zum Vergleich, Öl- oder Gasanlagen kommen da auf 75 - 80%.
Weiters, der Liter Heizöl hat am 04.02.19 (einmal pro Woche werden die österreichischen Durchschnittspreise nämlich an die EU übermittelt) genau 0,7734 Euro gekostet, also 7,73 Cent pro kWh. Wenn Sie dann auch noch die Nebenkosten mitrechnen wollen, müssen Sie einen Vollkostenvergleich nach ÖNORM M7140 anstellen und da sieht die Sache komischerweise auch nicht so toll für die Fernwärme aus, sie ist nämlich seit Jahren das zweitteuerste Heizsystem ....per 04.02.19 um 15% teurer als Öl- oder Gasheizungen.

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archiv
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Die „Neue Politik“ und die neue Förder- und Entlastungsmasche?

50 Mio. Euro im Jahr für 47 alte Biomasseheizkraftwerke und das rückwirkend ab 2017 – das ergibt von 2017 bis 2019 rund 150 Mio. Euro (150.000.000 Euro) Förderungen.

Und als „Entlastung“ für rund 180.000 österreichische Haushalte sind insgesamt 3,6 Mio. Euro im Jahr weniger Ökostromkosten ab 2019 vorgesehen.

Das „Zuckerl“, das die türkis/schwarz/blauen Politfunktionäre bei diesem geplanten „Deal“ unter dem Punkt - auch keine Ökostromkosten für einkommensschwache Haushalte - anbieten, sind nur 20 Euro im Jahr wendiger auf der Stromrechnung pro einkommensschwachen Haushalt.

150 Millionen Euro zusätzlich für die Ökostromgroßindustrie und rund 3,6 Mio. Entlastung für die einkommensschwachen Haushalte – da wollen wir Österreicher so nicht gelöst haben – noch Fragen?

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tturbo
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Diese Förderitis sollte ein Ende haben

Biomasse und Windräder rechnen sich anscheinend nur mit unendlicher Förderung. Anstoßfinanzierung von mir aus, aber permanente Förderung nicht.

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archiv
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Immer mehr Geld für alte Biomasseanlagen - und Steuergeld für importierte Biomasse?

Ohne tatsächliche Kostenprüfung wurden schon bisher "Sonderzahlungen" - etwa in Form von Rohstoffzuschlägen, Betriebskostenzuschlägen oder einer Verlängerung der Förderdauer (Nachfolgetarife) -für diese alten Anlagen gewährt.
Beispielsweise wurde die Förderdauer schon einmal von 10 auf 13 Jahre verlängert.

Jetzt ist hoffentlich Schluss - wir wollen mit unseren Ökostromgeldern keine ineffizienten Biomassekraftwerke mehr fördern.

Und was die immer wieder zitierten Landwirte und deren Schadholz etc. betrifft - warum sind beispielsweise in Klagenfurt am Wörthersee tagtäglich viele LKW-Züge aus Kroatien und Slowenien mit Biomasse unterwegs?

Warum erzeugen wir mit unserem Steuergeld teuren Ökostrom mit Biomasse aus dem Ausland?
Ich finde, da ist es besser wir importieren "sauberen" Strom - oder?

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oekoLogisch
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Wer produziert den sauberen Strom?

Kohleausstieg Deutschland 2030? Atomstrom? Windflaute? Lassen Sie die Devisen im Land! Und holen Sie die Fördergelder der EU ab, schließlich sind wir Nettozahler! Klimawandel fängt bei uns selber an, mit Devisen aus dem eigenen Land wird der Klimawandel günstiger zu managen sein!

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Nixalsverdruss
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Die Förderung sollte gebunden sein ...

... an die Verwendung von 80 % einheimischen Rohstoffen.
In vielen sog. Energieregionen gibt es klare Regeln - da werden sogar einheimische Bauern bevorzugt.
Leider ist es aber gelegentlich auch zur Abdeckung von Spitzen notwendig, auf verfügbares Material zurückzugreifen.
Aber die Zweischneidigkeit ist die extreme Förderung von 380KV-Ringleitungen, die eigentlich nichts anderes machen, als den Strom kreuz und quer durch Europa zu schicken ...

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CuiBono
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Zwei Seiten der Medaille

Einheimische Biomasse in einheimischen Betrieben verwendet, macht sicherlich Sinn.
Sofern es sich um "natürlichen" Anfall handelt - also zB das Bruchholz - und nicht um in Monokulturen und mittels massiver Agrarchemiehilfe angebaute "Biomasse" zum Behufe sinnloser Gas- und Dieselerzeugung. Das ist ein seltsamer Irrweg, der auch nur über großzügige Förderungen gegangen werden konnte. Mittlerweile sollten wir g'scheiter sein und den Blödsinn abstellen.

Förderungen für die Verwertung "natürlicher" Biomasse sollten aber dem eigentlichen Sinn nach nur als Anstosshilfe für einen zeitlich limitierten Rahmen verstanden werden.

Wie es scheint, sind allerdings im gegenständlichen Fall mittlerweile Fördergelder der Öffentlichen Hand als fixer Einkommensbestandteil ins Budget der Anlagen eingepreist und DAS kann es ja wohl NICHT sein.

Wir fördern die Bauern, die Forstbetriebe, die Schadholzbringung, die Biomasseverwertung,...
Hier die Empfänger, dort der Steuerzahler und dazwischen eine Ansammlung von unproduktiven Bürokraten in Öffentlicher Verwaltung und Interessensvertretungen, zum ausschließlichen Zweck die Bürger in Abhängigkeit und sich selber in üppigem Brot halten.
Hier haben sich offensichtlich vollkommen inakzeptable Entwicklungen verselbständigt.

Wer immer noch Schwarz/Türkis, Blau oder auch Rot wählt, ist selber schuld. Es gibt Alternativen.

Dass die Papierindustrie auf das Bruchholz spitzt (am Besten geliefert frei Haus zum Nulltarif), ist eine andere Baustelle.

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Alm2
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Wer immer noch Schwarz/Türkis, Blau oder auch Rot wählt, ist selber schuld. Es gibt Alternativen.

Welche Alternativen meinst du? Grün, Die Neos, oder meinst womöglich den Pilz.
Dass kann ja nur ein Scherz sein.

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