„Mein Sohn hat zu mir gesagt: Bist du narrisch? Du kommandierst daheim schon alles, jetzt willst du die Feuerwehr auch noch kommandieren?“, erzählt Lucia Steinbauer und lacht. Am 24. Februar 2007 wurde sie zur allerersten Feuerwehrkommandantin Österreichs gewählt – in St. Kathrein am Offenegg.

Die Wahl war knapp: „Ich hab gesagt, ich muss mindestens 75 Prozent erreichen, sonst mache ich es nicht“, erinnert sich die heute 64-Jährige, die erst mit 35 Jahren als Quereinsteigerin zur Feuerwehr kam. „Mein Mann war dabei und mein Sohn auch, ich hab keine kleinen Kinder mehr gehabt“, erzählt sie. „Es ist eine sinnvolle Freizeitgestaltung, du kannst Menschen retten und bist ein Vorbild für die Gesellschaft.“

Und ein Vorbild war sie. In ihrer Vorreiterrolle hatte sie es nicht leicht. Vor allem die älteren Mitglieder konnten sich damals nicht vorstellen, von einer Frau befehligt zu werden. „Ich hab 74,2 Prozent der Stimmen bekommen“, erzählt Steinbauer.

Ihr erster Impuls war, das Amt nicht anzutreten, doch von den jüngeren Mitgliedern kam viel Zuspruch. „Ich bin raus an die frische Luft und hab mich gefragt: Was tu ich jetzt?“

Mit 35 Jahren kam Steinbauer als Quereinsteigerin zur Feuerwehr
Mit 35 Jahren kam Steinbauer als Quereinsteigerin zur Feuerwehr © APA / Annelies Grabenhofer

Sie entschied sich, allen zu zeigen, was in ihr steckt. „Sie haben gesagt: Eine Frau hat keine technischen Fähigkeiten“, erinnert sich Steinbauer, die sich noch vier weiteren Wahlen stellte. „Ich hab nie 100 Prozent der Stimmen bekommen. Zwei oder drei Leute haben mich nicht gewählt.“

Neues Rüsthaus unter neuer Kommandantin

Ihren ersten Erfolg verzeichnete sie gleich zu Beginn: „Zwei Monate nach der Wahl bin ich zum Land gegangen und habe gesagt: Wir brauchen ein neues Rüsthaus, sonst kann ich die Feuerwehr nicht führen.“ Das alte Rüsthaus sei viel zu klein gewesen. Im Juni 2007 erfolgte der Spatenstich, im September 2008 die Eröffnung, so Steinbauer. Von Monat zu Monat erhielt die Feuerwehrfrau mehr Anerkennung.

Mittlerweile gibt es zwölf Frauen bei ihrer Feuerwehr. Drei davon sind aktive Mitglieder, die nicht zur Jugend gehören. 82 Mitglieder sind es derzeit insgesamt, weiß Steinbauer, die die Kameradschaft hervorhebt. Die braucht es auch, denn der Job kann manchmal ganz schön hart sein.

Tödliche Unfälle

Heute noch denkt sie an den tragischen Unfalltod des 19-jährigen Nachbarsohnes beim Klärwerk. Trotz Reanimation konnte er nicht mehr gerettet werden. Auch der Unfall vergangenes Jahr, bei dem ein 30-jähriger Familienvater starb, setzte ihr zu.

Doch sie wurde auch zur Lebensretterin, etwa im April 2007, als ein 18-Jähriger mehrere Meter mit seinem Auto abstürzte. „Der Kopf war durch die Autoscheibe gegen den Felsen gelehnt, da liegen die Nerven blank“, erzählt Steinbauer. „Mittlerweile kann er wieder gehen und lebt im Betreuten Wohnen.“

„Lucia“ sorgt für Sicherheit

Die Bevölkerung sei sehr dankbar. „Wir bekommen so viele Spenden und werden so wertgeschätzt“, freut sich Steinbauer. Dadurch waren Anschaffungen finanzierbar, etwa ein neues Fahrzeug vergangenes Jahr, das auf den Namen „Lucia“ getauft wurde. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll außerdem ein neues Tanklöschfahrzeug angeschafft werden.

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Darum kümmert sich aber schon Steinbauers Nachfolger. Denn am Samstag legt die 64-Jährige ihr Amt nieder. Folgen soll ihr Matthias Ostermann. „Er ist seit 15 Jahren bei der Feuerwehr, er ist jung. Ich hab volles Vertrauen“, schwärmt Steinbauer, die hauptberuflich als Bilanzbuchhalterin arbeitet.

Was die erste Kommandantin Österreichs künftig mit ihrer Zeit anstellen will? „Ich hab eine Seelsorge-Ausbildung gemacht und besuche Menschen in Pflegeheimen.“ Außerdem sind da ihr Job, ihre zwei Kinder, ihr Mann und ihre vier Enkel. Als Feuerwehrkameradin bleibt sie dem Team erhalten.