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NetztarifeSchlagabtausch um gestiegene Stromkosten in Kärnten

Kärnten-Netz hebt Entgelt für Stromnetz um sieben Prozent an. Die FPÖ und das Team Kärnten sehen darin einen „Stromskandal“, die Kelag-Tochter führt hohe Investitionen ins Treffen.

© APA
 

Die Oppositionsparteien machen seit Tagen mobil gegen den höheren Netztarif, den die Kelag in Kärnten ihren Kunden verrechnet: FPÖ-Chef Gernot Darmann fordert die regierende SPÖ auf, „den Strompreiswucher zu stoppen“ und ortet einen „Strompreisskandal“, Gerhard Köfer vom Team Kärnten fordert einen „Strompreisgipfel“, die Kärntner würden über 40 Millionen Euro pro Jahr „zu viel“ zahlen.

Tatsächlich legte der nationale Stromregulatur E-Control mit Jahresbeginn neue Netztarife fest – und Kärnten steigt dabei denkbar schlecht aus. Die Netzkosten machen im Schnitt rund 30 Prozent der Stromkosten aus, das Gros von 40 Prozent betrifft Steuern und Abgaben. 32,2 Prozent der Gesamtkosten sind laut E-Control reine Energiekosten.

Während der Energielieferant frei gewählt werden kann, legt die Regulierungskommission der E-Control die Stromnetzentgelte amtlich fest. Die Haushalte in Kärnten, nach dem Kleinwalsertal Österreichs teuerste Stromzone (siehe Grafik), müssen jetzt tiefer in die Tasche greifen. Der Stromnetztarif steigt im Schnitt um 7 Prozent bzw. pro Jahr um 20,87 Euro – für einen Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3500 Kilowattstunden. Ähnlich kräftig der Anstieg im eigenen Netzbereich Klagenfurt (+8,1 Prozent bzw. +17,22 Euro).

Foto © Kleine Zeitung

„Schuld sind Topografie und Demografie“: Reinhard Draxler, Geschäftsführer der Kärnten-Netz GmbH, eine 100-Prozent-Tochter der Kelag, erklärt die höheren Tarife mit der Zersiedelung und der sinkenden Bevölkerungszahl im Land. Die Kärnten-Netz investiere zudem jährlich 80 Millionen Euro in Aufrechterhaltung und Ausbau des Stromnetzes: Zur besseren Stromversorgung von Industrie- und Gewerbebetrieben wie Infineon, aber auch der Haushalte, etwa nach Unwettern. Diese Kosten würden, so Draxler, schlicht „auf die abgesetzte Strommenge umgelegt“.

"Wir fordern eine gerechte Tarifgestaltung"

Anders als in anderen Ländern treffen in Kärnten somit hohe Kosten, bedingt auch durch die gesetzlich vorgeschriebene Versorgung weniger Abnehmer in Seitentälern, auf stagnierenden Verbrauch: „Die Infrastruktur muss jedenfalls erhalten bleiben.“ Der laufende Einbau Tausender Smart Meter sei, so Draxler, nur ein kleiner Teil der Kosten, die preistreibend wirkten. Höhere Aufwände durch die Trennung der Strompreiszone mit Deutschland und für größere Netzverluste betreffen wiederum alle Netzgebiete.

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sieht wie FPÖ und Team Kärnten die Politik gefordert – er reicht die heiße Strompreis-Kartoffel allerdings weiter an den Bund. „Wir fordern eine gerechte Tarifgestaltung über alle Bundesländer“, reagiert Kaiser-Sprecher Andreas Schäfermeier: „Die zuständige Ministerin Köstinger sei gefordert, „eine faire und gerechte Behandlung Kärntens“ zu erwirken. Die Kärnten-Netz verweist auf die sinkende Ökostromabgabe, die das gestiegene Netzentgelt fast ausgleiche: „Unterm Strich bleiben Mehrkosten von zwei Euro übrig – und das pro Jahr“, sagt Draxler.

Kommentare (4)

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erhardvallant
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Exorbitante Erhöhung in Klagenfurt aufklärungsbedürftig

Die zweithöchste Erhöhung in Klagenfurt nach Linz, sowohl beim Netztarif als auch bei den Stromkosten, ist wohl besonders aufklärungsbedürftig. Weder Unwetterschäden, noch weniger Abnehmer und auch nicht stagnierender Verbrauch können die Ursache sein. Demografie und Topografie können hier auch nicht ins Treffen geführt werden. Diese Argumentation des Herrn Geschäftsführers der Kärnten Netz-GmbH hinkt diesbezüglich gewaltig. Dass der Einbau der Smart Meter, bisher als Stromspareinrichtung angepriesen, plötzlich als Preistreiber fungiert, ist besonders aufklärungsbedürftig. Bis heute konnte den Kunden dessen Funktion in der Realität nicht wirklich nahe gebracht werden

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joschi41
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Ärgernis

Dass die landesseigene KELAG bei den Netztarifen Spitzenreiter ist und auch bei den Arbeitspreisen unter ferner rangieren, ärgert mich schon lange. Leider kann man den Netztarifen nicht davon laufen. Mein Vorschlag war immer: Die KELAG soll nicht Hinz und Kunz sponsern, sondern den Landsleuten konkurrenzfähige Stromtarife anbieten, was zur Folge hätte, dass man nicht zu anderen Anbieter flüchten muss.

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umo10
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Ökostromabgabe

Ausrede verlass mich nicht.
Der LH fordert vom Bund...
Wenn das Thema nicht bald Taskforce im Landtag wird, dann schaffen wir die Energiewende in Kärnten nicht!!!!
Wenn alle Erdöl-Auspüffe und Anlagen gegen Strom getauscht werden, dann benötigt jedes öffentliche Gebäude Fotovoltaikstrom, Windräder auf den Bergen. und all die Gigawatt müssen intelligent verteilt werden. Für all diese Forderungen liefert Infineon Chips! Übrigens mit HGÜ-Chips aus Villach schafft man 380kV-Leitungen unter Pannenstreifen von Autobahnen nahezu verlustfrei zu transportieren!
Holt euch Experten und liefert Konzepte Kelag-Netz und Landesregierung! Wir schaffen es

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duMont
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Wasserkraftwerke

Dabei gibt es in Kärnten so viele Wasserkraftwerke. So wurde das gesamte untere Drautal unter Wasser gesetzt. Warum ist dann der Strom so teuer ?

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