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Sensorspezialist ams AGAlexander Everke: "Ohne uns würde es das iPhone X nicht geben"

Der steirische Sensorspezialist ams gilt als einer der wichtigsten Zulieferer von Apple, Samsung & Co. Im Interview spricht ams-Boss Alexander Everke über Abhängigkeiten, 3D-Technologie und „einige Tausend“ neue Mitarbeiter.

Seit März 2016 an der Spitze der ams AG: Alexander Everke
Seit März 2016 an der Spitze der ams AG: Alexander Everke © ams/Gerhard Langusch
 

Herr Everke, hat sich in Ihrem Leben Dramatisches verändert, seit Sie plötzlich Vorstand eines Konzerns sind, der mehr als eine Milliarde Euro im Jahr umsetzt?
ALEXANDER EVERKE: Es geht gut und die Arbeit macht viel Spaß. Das Wichtigste aber ist, dass sie erfolgreich ist. Wir haben die Firma von 2500 auf über 11.000 Mitarbeiter gebracht, den Umsatz im letzten Jahr verdoppelt und den Gewinn deutlich erhöht. Alle Kunden kommen heute zu uns, und nicht mehr umgekehrt, so wie es vor zwei, drei Jahren noch der Fall war. Und das Wachstum hat gerade erst angefangen.

Wie sieht die geplante Mitarbeiterentwicklung aus?
Wir werden weiter groß einstellen, also noch einige Tausend Leute.

Welche Rolle spielt Premstätten in diesem Szenario?
Es bleibt Headquarter. Wir haben dort sehr, sehr gute Mitarbeiter. Aber wir stellen weltweit ein. Dort, wo wir die besten Leute bekommen.
Spüren Sie den Fachkräftemangel in Österreich gar nicht?
Es dauert manchmal vielleicht ein bisschen länger – aber wir haben noch jeden bekommen, den wir wollten.

Sie haben in den letzten Jahren viele Firmen zugekauft. Ein Weg, den Sie auch heuer weiter gehen werden?
M&A („Mergers & Acquisitions“, Fusionen und Zukäufe, Anm.) ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Strategie. Aber wir kaufen nicht Firmen, um mehr Umsatz zu machen. Wir kaufen Firmen, um eine bessere Technologie zu bekommen. Diesbezüglich gibt es kein Größenlimit und auch kein Limit, wie viele Firmen wir kaufen.

Wie gut läuft die übernommene Heptagon mittlerweile? Zunächst gab es in Singapur noch Auslastungsschwierigkeiten.
Wir sind hochgradig zufrieden, das größte Wachstum kommt ja aus dem Geschäft, das wir dort aufgebaut haben.

Wie zufrieden sind Sie mit der neuesten Apple-Serie mit iPhone 8 und iPhone X?
Also mit dem iPhone X bin ich hochzufrieden, das hab ich ja selbst. Ich hab mich für das 10er entschieden, weil es eine tolle Gesichtserkennung hat, die von uns kommt. Das 8er noch nicht.

Präziser: Wie zufrieden sind Sie mit den Absätzen des iPhone X? Es hieß, Apple habe sich mehr erwartet und die Produktion zurückgefahren.
Wir sind sehr zufrieden. Und man wächst nicht hundert Prozent, wenn etwas schlecht läuft.

Apples sensorisches Wunder: das iPhone X
Apples sensorisches Wunder: das iPhone X Foto © AP

Aktuell 40 und bald 60 Prozent des ams-Umsatzes, so schätzt es ein Analyst, sollen auf Geschäfte mit Apple zurückgehen. . .
. . . Apple ist groß, aber wir sagen offiziell nicht, wie groß. Das Wichtigste in der Halbleiterindustrie ist, dass man technologisch führend ist. Und technologisch führend ist und bleibt man nur, wenn man mit den größten und innovativsten Kunden der Industrie arbeitet. Der führende Kunde redet über langfristige Themen nur, wenn man ein großer Zulieferer ist. Einen kleinen Umsatz dort zu machen, ist falsch. Dann verpasst man den Zug. Apple ist der größte Halbleiterkonsument der Welt – da muss man dabei sein.

Sie spüren keine ungesunde Abhängigkeit?
Nein, gar nicht. Die sind auch von uns abhängig. Ohne uns würde es das iPhone X nicht geben.

Man sieht immer mehr chinesische Smartphone-Hersteller, die auf den globalen Markt drängen. Sind das auch Kunden von Ihnen?
Wir bedienen sie alle, das sind alles unsere Kunden.

Welcher der vier Geschäftsbereiche – optische Sensorik, Imaging, Umweltsensorik, Audiosensorik – wächst am schnellsten?
Der optische Bereich ist der stärkste. Die anderen wachsen auch zweistellig und sind strategisch wichtig. Wo man stark im Konsumenten-Bereich arbeitet, ist das Wachstum natürlich schneller. Aber wir achten, dass die Firma ausbalanciert ist.

Wo werden sich optische Sensoren für Konsumenten bald besonders bemerkbar machen?
Im „3D sensing“. Dabei ist die Applikationen-Seite erst am Anfang. Wir sprechen mit Kunden über Gesichtserkennung im Auto, auch über Anwendungen zu Hause, wo Türen mittels Gesichtserkennung aufgehen. Sitzposition oder Navigation im Auto – alles wird automatisch eingestellt, weil man erkannt wird.

2017 hat es laut IDC-Zahlen erstmals kein absolutes Wachstum der Smartphone-Käufe gegeben. Macht Sie das nervös?
Das interessiert uns nicht, weil wir ja wachsen (lacht). Und das baut auf großem Wachstum der Marktanteile in Korea und China auf. Das Allerwichtigste ist, wie viele Dollar man in ein Telefon verkauft. Das steigt in jeder Generation stark an und übertrifft den Hebel eines Wachstums im Endmarkt um einiges. Von daher sind wir sehr entspannt.

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